HC Strache: Brauchen keine Subvention von Homosexualität

HC Strache steht nach seinen umstritten Aussagen am Ball des Wiener Kooperationsrings stark in der Kritik. Auch weiterhin weigert sich der Bundesparteiobmann der FPÖ sich für seine „Wir sind die neuen Juden“ Aussage und zweifelhafte Vergleiche mit der „Reichskristallnacht“ zu entschuldigen und spricht von einer linken Jagdgesellschaft. Dies bekräftigt er in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“. Hier wird er auch gefragt, wie für ihn eine ideale Gesellschaft aussieht. Daraufhin antwortet er, wo mensch einander „mit Respekt begegnet„, um sich in seiner nächsten Aussage schon wieder zu widersprechen, schließlich müsse Homosexualität nicht subventioniert werden. Erneut zeigt Strache damit, dass er es einfach nicht verstehen will, worum es bei der Gleichstellung von gleichgeschlechtlich l(i)ebenden Menschen geht.

Im nun geführten „Krone„-Interview wird HC Strache gefragt, wie für ihn eine ideale Gesellschaft aussieht. Daraufhin antwortet er, dass dies für ihn eine Gesellschaft sei,

„wo man ehrlich miteinander umgeht, wo man unterschiedlichen Meinungen mit Respekt begegnet, wo keine Gruppe einer Gesellschaft etwas zu befürchten hat, wo jeder sich als wichtiges Rad dieser Gesellschaft erfasst.“

HC Strache: Brauchen keine Subvention von Homosexualität

Die Krone fragt daraufhin nach, ob das auch für Menschen mit Migrationshintergrund, „Sozialschmarotzer“ (Zitat: Krone) und für „Schwule“ (Lesben, Transgender-Personen gibt es offenbar auch für die „Krone“ nicht) gelte. In Bezug auf die angesprochene Bevölkerungsgruppe von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen sagt Strache im „Krone“-Interview:

„Er hat kein Problem mit der Sexualität, weder zwischen Mann und Frau noch zwischen Mann und Mann. Das soll jeder handhaben, wie er will. Wir brauchen nur keine Subvention dieser Sexualität.“

Strache ist ja gnädig. Er gesteht homosexuellen Menschen zu, dass jedeR die Orientierung ausleben darf, wie/er sie möchte. Aber die gleichen Rechte stehen dieser Bevölkerungsgruppe nicht zu. Wo kämen wir denn hin, wenn die „Krankheit Homosexualität„, wie Strache 2008 sagte (thinkoutsideyourbox.net berichtete), plötzlich „gefördert“ werden würde?

Gefördert? Als würden sich heterosexuelle Menschen von heute auf morgen auf einmal sagen:

„Ach, ab heute bin ich schwul/lesbisch. Ist ja grad in Mode und wird gefördert!“

Rechtspopulist Strache will es nicht verstehen

HC Strache und seine Rechtspopulisten werden es wohl nie verstehen (wollen), worum es bei der Gleichstellung von Lesben und Schwulen geht. In einer Demokratie, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlt, kann es nicht sein, dass eine Bevölkerungsgruppe einzig aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ungleich behandelt und somit diskriminiert wird. Die Gleichstellung dieser Bevölkerungsgruppe ist keine Förderung, sondern einzig und allein die Gewährung jener Rechte, die ihnen zustehen! Aber wie sagte Strache schon beim FPÖ-Neujahrstreffen 2010 (thinoutsideyourbox.net berichtete):

„Für die Eingetragene Partnerschaft homosexueller Paar müsse man sich sogar “genieren”.

Strache wird gerne an dieser Stelle Nachhilfe in Sachen Menschenrechte gegeben. Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, um sich explizit zu den allgemeinen Grundsätzen der Menschenrechte zu bekennen. Die UN-Menschenrechtecharta umfasst 30 Artikel und erklärt gleich in Artikel 1 folgenden Grundsatz:

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

In Artikel 7 heißt es ferner:

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.

Wie also nun die konsequente Umsetzung des Grundsatzes, wonach alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind, bestimmte Rechte jedoch Lesben und Schwulen vorenthalten werden bzw. die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher PartnerInnenschaften mit heterosexuellen Partnerschaften, eine Förderung dieser Sexualität sein soll, hat Strache nicht erklärt. Braucht er auch nicht. Denn die Verweigerung dieser Rechte und die Nichtanerkennung der vielen Regenbogenfamilien, die dank dieses reaktionären Weltbildes für Rechtsunsicherheiten und Diskriminierungen sorgen, ist sachlich mit Nichts zu rechtfertigen.

Aber von einem Politiker, der zweifelhafte Vergleiche mit der Reichskristallnacht tätigt und nicht mal den Anstand hat, sich zu entschuldigen, geschweige denn zurückzutreten, kann auch nicht erwartet werden, dass er irgendwann einmal diese Weitsicht besitzt, das zu erkennen.

Strache sollte sich vielleicht das Motto des Spots zu Herzen nehmen bzw diesen anschauen, welcher morgen beim Super Bowle XVLI zu sehen sein wird, um auf Homophobie und diskriminierende Wortwahl aufmerksam zu machen: „Think Before You Speak

Eine kleine Übersicht der FPÖ-Homophobie

Nachdem bei der FPÖ Homophobie offenbar Parteiprogramm ist, schließlich wird ja auch wieder die Abschaffung der „Eingetragenen Partnerschaft“ für Lesben und Schwule im Parteiprogramm gefordert (thinkoutsideyourbox.net berichtete), überrascht dieser neuerliche homophobe Erguss von Rechtsaußen ohnehin nicht. Er reiht sich in eine lange liste rechtspopulistischer, homophober Rülpser ein, die Straches Partei in den letzten Monaten von sich gegeben hat.

  • Dezember 2011: Rechtskomitee Lambda Teil einer „Pädophilen-Lobby“
  • Dezember 2011: Belakowitsch-Jenewein: „Man kann auch ohne Subvention schwul sein“
  • November 2011: Regenbogenfamilien „gefährden gesunde Entwicklung des Kindes“
  • Oktober 2011: FPÖ hetzt gegen SPÖ-Minister Stöger und dessen Vorstoß zur künstlichen Befruchtung für lesbische Paare
  • September 2011: Förderung „a-typischer“ Familienverhältnisse (gemeint sind gleichgeschlechtliche Paare) ist ein „Irrweg“
  • September 2011: Mölzers „Zur Zeit“ wettert gegen Lesben und Schwule wegen deren berechtigter Kritik am Papst und spricht von einem „warmen Lüftchen“ das dem Papst entgegen weht
  • Mai 2011: Kickl: Kinder müssen vor gesellschaftspolitischen Experimenten geschützt werden (Adoptionsrecht für Lesben und Schwule wurde von SPÖ-Ministerin Heinisch-Hosek gefordert)
  • Jänner 2011: FPNÖ-Klubobmann Waldhäusl: “Schwuchteln zu unterstützen sei kein Problem”
  • Jänner 2011: Mölzers “Zur Zeit” lästert über Homosexuelle
  • November 2010: FPÖ-Obermayr warnt vor Einführung der Homo-Ehe durch die EU
  • Juli 2010: Mölzers “Zur Zeit” will keine “warmen Touristen”
  • Juli 2010: FPÖ/FPK will “keine Retortenkinder für Lesben und Schwule”
  • Mai 2010: Schwule und Lesben und gefährden heterosexuelle Familie
  • Februar 2010: FPÖ-Kitzmüller: “Homo-Partnerschaft war überflüssiger und zugleich gefährlicher Beschluss”
  • Februar 2010: unzensuriert.at wettert gegen das „Pride House“ bei den Olympischen Spielen
  • Jänner 2010: Königshofer bezeichnet Landtagsabgeordneten als “Landtagsschwuchtel”
  • Mai 2009: Mölzer: Schwuler Sohn wäre Katastrophe
  • Juni 2008: Klement (ehem. FPÖ-Parlamentarier): “Homo-Lobby gefährdet den richtigen Mann”
  • Juni 2008: Klement (ehem. FPÖ-Parlamentarier): “Homosexualität ist eine Kultur des Todes”
  • August 2004: Rosenkranz: Abgang vom klassischen Familienbild ein Fehler

Die Liste könnte noch weiter fortgesetzt werden, aber sie zeigt, dass bei der FPÖ Homophobie ganz offensichtlich Programm ist.

Letztlich muss sich jede weltoffene Bürgerin und jeder weltoffene Bürger für einen Herrn Strache und seine Partei genieren, die mit ihrer beinahe täglichen Hetze gegen Andersdenkende, gegen Lesben und Schwule sowie der Forderung nach Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe, ein Klima der Intoleranz schafft und das Gesellschaftsklima nachhaltig vergiftet.

(Bild: © thinkoutsideyourbox.net)
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3 Comments
  1. […] HC Strache: Brauchen keine Subvention von Homosexualität […]

  2. […] Was ist von einer Fraktion anderes zu erwarten, wenn die Partei offen homophob agiert, der Parteiobmann HC Strache selbst in der Vergangenheit der “Krankheit Homosexualität” sprach und am liebsten die Eingetragene Partnerschaft wieder abschaffen will und sich für diese “geniert”. […]

  3. […] Noch viel populistischer und realitätsferner reagiert – wenig überraschend – jene Partei, die am rechten Rand des Parteienspektrums in Österreich steht, die FPÖ von HC Strache, der “keine Subvention von Homosexualität” will (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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