Gott behüte das kommunizierende Sperma vor dem Kondom

Neuerlich zeigt die römisch-katholische Kirche welch‘ seltsames Verständnis sie von Sexualität und dem Ausleben des natürlichen Sexualtriebes hat. In einem am Dienstag erschienen Artikel in der amtlichen vatikanischen Tageszeitung „L’Osservatore Romano“ wird dargelegt, dass Kondome für die Verbreitung von Aids verantwortlich sind, die Verwendung von Kondomen als unnatürlich bezeichnet und Menschen zur Enthaltsamkeit aufgerufen werden. Nicht nur, dass diese Haltung der römisch-katholischen Kirche menschenfeindlich und realitätsfern ist, macht sich die Kirche leider nur noch lächerlich.

In dem Artikel, der am Dienstag veröffentlicht wurde, erklärt Juan Pérez-Soba, Professor an einer katholischen Universität in Rom, dass die Verwendung von Kondomen ein falsches Gefühl der Sicherheit erzeugen würden, da diese keinen hundertprozentigen Schutz vor der Ansteckung mit dem HI-Virus bieten. Dementsprechend hält er wenig von den HIV-Präventionskampagnen der Aids-Hilfe-Organisationen (via):

„Diese Organisationen laden Menschen dazu ein, Kondome wahllos zu benutzen. Das hat einen gegenteiligen Effekt: Es wird die Meinung verbreitet, die Nutzung sei gefahrlos, in Wirklichkeit wird aber die Wahrscheinlichkeit erhöht, sich zu infizieren.“

Stattdessen erklärt Pérez-Soba mit unglaublicher Realitätsferne, die beinahe schon kaum mehr zu glauben ist, wie die Verwendung von Kondomen den Sexualakt „deformieren“. Und er legt noch nach:

Kondome verhindern die „Kommunikation des Spermas“

Mensch hat schon viel Humbug aus der römisch-katholischen Kirche gehört – sei es von offen homophoben Äußerungen, der Forderung nach Diskriminierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe, Sex nur unter Eheleuten erlaubt ist – aber nur zum Ziel der Kinderzeugung, oder Kondome wider der Natur sind. Doch diese Argumentation ist einfach nur mehr zum Kopf schütteln.

Sollte eine Erkrankung von eine/r der beiden Eheleute keine Geschlechtsverkehr ohne die Möglichkeit einer Krankheitsübetragung ermöglichen, dann müssen diese einfach auf Sex verzichten:

„Man kann auf sexuelle Beziehungen wegen Gesundheitsgefährdung verzichten, wie das auch bei anderen Krankheitsbildern notwendig ist.“

Um’s in den Worten der Kirche zu sagen: Gott gab dem Menschen die Sexualität. Soll also sich der Gläubige von Gott abwenden, nur weil’s die (selbst ernannten) Glaubensvertreter verkünden? Was kommt als nächstes? Ein Gebet, in dem um die Freiheit des Spermas gebeten wird, als dass es wieder entsprechend der Schöpfung Gottes wirken könne. Glauben diese Kirchenvertreter das eigentlich überhaupt wirklich selbst? Gott bewahre…

Diese Aussagen der römisch-katholischen Kirche sind in Wahrheit grob fahrlässig. Anstatt die Verwendung des Kondoms zu propagieren, wird versucht, Menschen, die das Kondom verwenden möchten, ein schlechtes Gewissen einzureden. Möglich dass er/sie beim nächsten Mal darauf verzichtet und sich der möglichen Ansteckung mit sexuelle übertragbaren Krankheiten aussetzt.

Kirche  schadet sich nur selbst

Mit diesen regelmäßig verkündeten und längst überholten Moralvorstellungen schadet sich die römisch-katholische Kirche nur selbst. Sie macht immer deutlicher, dass die Kirche jedweden Anspruch als Institution, die Menschen Halt und Schutz bieten soll, verloren hat. Die Kirche wäre gut beraten, sich einerseits auf ihre sozialen Tätigkeiten und die oft gepredigte,  jedoch nicht gelebte Nächstenliebe besinnen und andererseits, endlich gesellschaftspolitisch und moralisch im Heute ankommen, anstatt die Menschen ständig mit Sünden zu belegen und mit der Strafe Gottes drohen.

Die einzige Konsequenz für sämtliche „TaufscheinchristInnen“, Nichtgläubigen oder jene, die zwar gläubig sind, aber dazu keine Mitgliedschaft in der Glaubensgemeinschaft benötigen, kann nur diese sein, dieser vom Vatikan propagierten Ewiggestrigkeit den Rücken zu kehren und auszutreten. In den letzten Jahren taten dies viele Zehntausend.

(Bild: Flickr – israelavila – CC-BY-2.0)
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