GleichstellungsgegnerInnen hissen Anti-Ehe-Öffnungsplakate von dutzenden Pariser Brücken

Am Dienstag begannen in der Nationalversammlung in Frankreichs Hauptstadt Paris die Debatten über die von der sozialistischen Regierung geplante Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Die Behandlung des Gesetzesentwurfes wird sich über Wochen ziehen, da GegnerInnen der Ehe-Öffnung hunderte Änderungsanträge eingebracht haben. Gleichzeitig protestierten GleichstellungsgegnerInnen am Dienstag erneut in Paris und hissten auf dutzenden Brücken in der Stadt Plakate, um gegen das Eherecht für Lesben und Schwule zu demonstrieren.

Erst am 20. Jänner (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und letzten Samstag in zahlreichen Städten Frankreichs sowie am Sonntag in der Hauptstadt Paris demonstrierten hunderttausenden BefürworterInnen der Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und setzten damit ein deutliches Signal gegen den „Kreuzzug“ von GleichstellungsgegnerInnen Mitte Jänner 2013 (thinkoutsideyourbox.net berichtete), als ebenfalls mehrere hunderttausend Menschen durch die Straßen von Paris zogen.

GleichstellungsgegnerInnen hissen Banner auf Pariser Brücken gegen Ehe-Öffnung

Am Dienstag begann in der französischen Nationalversammlung die erste Debatte zum von der Justizministerin Christine Taubira von der sozialistischen Regierung von Premierminister Jean-Marc Ayrault. Diese erste Debatte nahmen erneut GleichstellungsgegnerInnen zum Anlass, um in Paris gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Eherecht und dem Adoptionsrecht zu demonstrieren.

Die GleichstellungsgegnerInnen entrollten auf dutzenden Pariser Brücken über die Seine und anderen Verkehrswegen   Plakate, wo sie erneut mit ähnlichen Parolen, wie bereits bei der Kundgebung Mitte Jänner gegen die Ehe-Öffnung wetterten. So standen auf den Plakaten Slogans wie

„Ein Vater, eine Mutter, es ist einfach“

oder

„Alle von einer Mutter und einem Vater geboren“

Eine der fordersten Kämpferin gegen die Rechte von Lesben und Schwulen in Frankreich ist Frigide Barjot. Sie erklärte gegenüber der französischen Nachrichtenagentur „AFP“:

„Unsere Bewegung ist eine Bewegung für die Freiheit der Meinungsäußerung, der Freiheit des Gewissens.“

Barjot hat nur insofern recht, dass ihr und ihren GleichstellungsgegnerInnen niemand das Recht auf freie Meinungsäußerung nimmt, jedoch mit der Freiheit des Gewissens liegt sie falsch. Schließlich ist Homosexualität keine psychische Krankheit, das Kindeswohl ist in „Regenbogenfamilien“ nicht beeinträchtigt und mit der Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Eherecht wird heterosexuellen Personen ohnehin keine Rechte genommen.

Mangels Sachargumenten wurde dann auch wieder versucht, die Bemühungen zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen der Regierung und von Präsident Hollande  mit anderen Herausforderungen gegenzurechnen. So hieß es auf einem Banner unter anderem:

„Wir wollen Jobs, keine Homo-Ehe!“

Kurz gesagt: Dann blockiert einfach nicht die unsachliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Ehe- und Adoptionsrecht. :-)

Zustimmung zu Ehe-Öffnung weiter gestiegen

Trotz der heftigen Proteste von Barjot und der Mobilisierung mit Hilfe diverser Glaubensgemeinschaften gegen die Ehe-Öffnungspläne von Präsident Francois Hollande und der sozialistischen Regierung hat laut einer jüngsten Umfrage, die Zustimmung zur Gleichstellung von Lesben und Schwule im Eherecht weiter zugenommen.

So hat die Zustimmung zur Ehe-Öffnung seit Ende Dezember um 3 Prozentpunkte auf 63 Prozent zugenommen. Auch die Zustimmung zum geplanten Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ist etwas angestiegen und zwar auf 49 %. Die Umfrage von “Ifop” basiert auf eine Befragung von 1.026 Personen über 18 Jahren und wurde zwischen 22. und 24. Jänner durchgeführt.

Debatte in Nationalversammlung: Über 5.300 Abänderungsanträge

Die Abgeordneten zur französischen Nationalversammlung jedenfalls können sich darauf einstellen, dass sie der Gestzesentwurf zur Ehe-Öffnung und zum Adoptionsrecht für Lesben und Schwule über viele Stunden begleiten wird. So hat allein die oppositionelle, konservative UMP-Fraktion des ehemaligen Präsident Nicolas Sarkozy über 5.000 Änderungsantrage eingebracht. Insgesamt belaufen sich die Anträge zur Änderung des Gesetzesentwurfs auf über 5.300.

Die Nationalversammlung soll dennoch den Gestzesentwurf in den nächsten Wochen fertig behandelt haben. Die Anzahl der Änderungsanträge sorgt also dafür, dass die Abgeordneten für viele Stunden im Parlament anwesend sein werden müssen. Sollte am Ende mit der sozialistischen Mehrheit der Gestzesentwurf in der Nationalversammlung beschlossen werden, geht dieser an den Senat weiter.

Aufgrund dieser „Guerilla-Taktik“ wird es vermutlich dennoch bis zum Sommer dauern, bis das Gesetz zur Ehe-Öffnung und dem Adoptionsrecht für Lesben und Schwule endgültig verabschiedet ist. Jedenfalls kann sich die „Parti socialiste“ von Präsident Francois Hollande auf die Unterstützung der „Grünen“, der „Kommunisten“ und einiger Zentralisten verlassen.

(Bild: © twitter.com/LaManifPourTous)
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3 Kommentare

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  1. [BLOCKED BY STBV] Frankreich: Erster Schritt zur Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule genommen | thinkoutsideyourbox.net 2 Februar, 2013 at 17:40

    […] Seit Monaten liefern sich GleichstellungsgegnerInnen und BefürworterInnen des Eherechts für gleichgeschlechtliche Paare einen Schlagabtausch mit abwechselnden Kundgebungen und Demonstrationen in Frankreich. Erst letzten Sonntag gingen in Paris hunderttausende Menschen für die Ehe-Öffnung unter dem Motto “Ehe für alle!” auf die Straße (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Am Dienstag, als die Nationalversammlung erstmals über den Gesetzesentwurf beriet, demonstrierten GleichstellungsgegnerInnen in Paris auf dutzenden Brücken mit diversen Bannern (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  2. [BLOCKED BY STBV] Frankreich: Abstimmung über Ehe-Öffnung im Senat wird knappe Angelegenheit | thinkoutsideyourbox.net 5 April, 2013 at 16:58

    […] Bereits vor der Abstimmung in der französischen Nationalversammlung fand in Frankreich ein gefühlter Kampf statt. Auf der einen Seite die BefürworterInnen der Gleichstellung von Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und auf der anderen Seite die Konservativen und Glaubensvertreter, die mit (längst widerlegten und nicht haltbaren) “Argumenten” gegen die Ehe-Öffnung wettern (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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