Frankreich: GleichstellungsgegnerInnen warnen vor ‚Blut auf Straßen‘ wegen Ehe-Öffnung

Nachdem der französische Senat mit deutlicher Mehrheit den Gesetzesentwurf zur Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule angenommen hat und dieser nun zur finalen Abstimmungen an das Abgeordnetenhaus retour geht, scheinen bei den GleichstellungsgegnerInnen, die in den vergangenen Wochen offen ihre Homophobie zur Schau getragen haben, die Sicherungen vollends durchzubrennen. Nun warnt die Anführerin, die Komikerin Frigide Barjot vor ‚Blut‘. Die homophobe Rhetorik zeigt bereits Auswirkungen, sind doch die homophoben Übergriffe um 200 % gestiegen.

Am 12. April hat der französische Senat mit den Stimmen der sozialistischen Regierung und anderen Linksfraktionen, wie den Grünen oder den Kommunisten den Gestezesentwurf zur Ehe-Öffnung mehrheitlich angenommen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Dieser geht nun zur zweiten Abstimmung an das Abgeordnetenhaus, das bereits im Februar zugestimmt hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Nach der Abstimmung im Senat demonstrierten erneut die GleichstellungsgegnerInnen rund um „La Manif pour tous“, die bereits öfters zu Massenkundgebungen aufgerufen hat. Wie schon bei der Massenkundgebung Ende März in Paris mit rund 300.000 TeilnehmerInnen (thinkoutsideyourbox.net berichtete), kam es auch bei dieser Kundgebung zu gewalttätigen Ausschreitungen, als einige hundert Personen versuchten, das Senatsgebäude zu stürmen (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Frigide Barjot: „Hollande will Blut und er wird es bekommen“

Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2013 kam es zu einem Anstieg von homophoben Übergriffen von 200 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012, wie Elizabeth Ronzier, Vorsitzende der Anti-Homophobie-Organisation „SOS Homophobie“ gegenüber „Raw Story“ erklärte.

Erst vergangenes Wochenende wurde in Paris ein Männerpaar brutal verprügelt, nur weil die beiden Männer auf der Straße ihre Liebe nicht verstecken und Händchenhaltend durch die Straßen flaniert sind (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Der Fortschreitende Prozess der Gleichstellung von Lesben und Schwule scheint nun bei den GleichstellungsgegnerInnen – trotz dem dramatischen Anstieg von homophoben Übergriffen – völlig „die Sicherungen durchbrennen“ zu lassen.

Die offen homophobe Frontfrau von „La Manif pour tous“, Frigide Barjot, bürgerlich Virginie Tellenne, wetterte im Interview mit „TF1“ gegen die Pläne von Präsident Hollande, die Ehe für Lesben und Schwule zu öffnen und drohte offen mit Gewalt gegen Lesben und Schwule. So sagte sie:

„Hollande will Blut und er wird es bekommen.“

Weiters sagte sie, dass Frankreich keine Demokratie mehr sei, wenn der Präsident gegen den Willen der BürgerInnen Gesetze erlässt.

„Wir leben in einer Diktatur. Der Präsident der Republik hat uns guillotiniert.“

Dabei vergisst die homophobe Hetzerin, dass Hollande die letzten demokratischen Wahlen gewonne hat, konsequent sein Wahlversprechen umsetzt und außerdem sich laut Umfragen eine Mehrheit der BürgerInnen für das Eherecht für Lesben und Schwule ausspricht (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

UMP-Politiker: „Präsident riskiert gewalttätige Konfrontation“

Nicht wirklich weniger hetzerisch agiert die oppositionelle mitterechts Partei UMP, des ehemaligen französischen Präsident Nicolas Sarkozy. So erklärte Christian Jacob, dass der Präsident

„eine gewalttätige Konfrontation mit den franzöischen BürgerInnen riskiert“.

UMP-Hervé Mariton erdreistete sich sogar, dass er Hollande unterstellte, dieser würde zu

„einem BürgerInnenkrieg anstiften“.

Dabei negieren Jacob und Marton, dass nicht Hollande, sondern die GleichstellungsgegnerInnen offen Homophobie, Hass propagieren und Gewalt verbreiten, wie dies bei einigen Demos bereits zu sehen war.

Gegen diese homophe Gewaltrhetorik und bereits erfolgten homophob motivierten Übergriffe demonstrierten diese Woche in Paris rund 5.000 Personen – friedlich, lebensfroh und bunt (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

(Bild: Ericwaltr – CC-BY-SA-3.0 – Wikimedia)
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13 Kommentare

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  1. Klemens 14 April, 2013 at 19:50

    Danke für den Artikel! Was für mich nicht ganz nachvollziehbar war – warum ist einmal von einem Anstieg homophober Übergriffe von 300% und einmal von 200% die Rede? Gibt es da (verlinkbare) Quellen?

  2. thinkoutsideyourbox.net 14 April, 2013 at 20:00

    Danke Klemens für den Hinweis.

    Da ist leider ein Tippfehler passiert – im Jahr 2013 hat sich die Zahl der homophoben Übergriffe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdreifacht. Bereits 2012 gab es einen Zuwachs von 20 % gegenüber 2011. Ist nun auch konkreter ausformuliert

    Quellen sind unter anderem diese:

    http://www.johnmbecker.com/2013/04/13/france-marriage-bloody-civil-war/
    http://www.rawstory.com/rs/2013/04/11/homophobic-assaults-up-in-france-amid-same-sex-marriage-debate/
    http://www.huffingtonpost.com/2013/04/10/wilfred-de-bruijn-france-gay-attack-_n_3055836.html

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