FPÖ-Belakowitsch-Jenwein: „Man kann auch ohne Subvention schwul sein!“

Die Stadt Wien fördert seit dem Jahr 2010 mit einem kleinen Fördertopf über jährlich 20.000 diverse lesBiSchwule und transidente Projekte, um der Vielfalt in der Stadt Rechnung zu tragen und die queere Kultur zu fördern. Diese Förderung ist der rechtspopulistischen Partei ein Dorn im Auge. Aus ideologischen Gründen ist für die FPÖ alles, das nicht der heterosexuellen Normativität entspricht, nicht förderungswürdig. Ginge es nach der FPÖ würde wohl der ab 2013 nicht mehr in der Hofburg stattfindende WKR-Ball förderungswürdig sein.

Karl Öllinger von den Grünen freute sich über die Verbannung des WKR-Balles aus der Hofburg in Wien ab dem Jahr 2013 und schrieb in einer Aussendung:

„Die längst überfällige Entscheidung der Hofburg Vienna, nicht mehr als Tummelplatz rechtsextremistischer Umtriebe zur Verfügung zu stehen, ist höchst erfreulicht.“

Die FPÖ tobte. FP-Jung bezeichnete den WKR-Ball als „immatrielles UNESCO-Weltkulturerbe“ und HC Strache sprach davon, dass die „Hofburg GmbH“ „linkem Mobbing nachgegeben“ habe sowie der „Demokratie schwerer Schaden zugefügt“ werden würde.

Dabei ließ er offen, wie einer Demokratie Schaden zugefügt werden könne, wenn sich die Bevölkerung gegen rechte Umtriebe in der Wiener Hofburg wehrt. Schließlich wird beispielsweise die Burschenschaft Olympia, der auch der dritte Nationalratspräsident Martin Graf angehört,  vom „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands“ (DÖW) als rechtsextrem eingestuft. Der Demokratie wird durch das Bekleiden des Postens als Dritter Nationalratspräsidenten durch einen Olympia Burschenschafter der eigentliche Schaden zugefügt.

FPÖ-Belakowitsch-Jenwein: „Man kann auch ohne Subvention schwul sein!“

Nun kritisiert die FPÖ in ihrer ideolgoisch eingeengten Sichtweise die notwendige Förderung von queeren Kulturprojekten, damit auch diese entsprechend gewürdigt werden und ein gesellschaftspolitischer Diskurs ermöglicht wird. In typischer rechtspopulistischer Manier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

In einer Presseaussendung kritisiert die FPÖ-Gesundheitssprecherin Belakowitsch-Jenewein die erneute Auffüllung des „queeren Kleinprojektetopf“ der Stadt Wien in Höhe von 20.000 Euro. So schreibt sie in einer Aussendung:

„Es ist durchaus möglich auch ohne Subvention der Stadt Wien schwul zu sein!“

Zunächst: In ihrem offensichtlich patriachalischen Gedankenmuster vergisst die FPÖ-Politikerin, dass es neben homosexuellen Männern, auch homosexuelle Frauen gibt. Die korrekte Bezeichnung für Frauen, die sich sexuell zu Frauen hingezogen fühlen, ist Lesbe. Nur mal soviel dazu. Dieses „Vergessen“ ist aber mit Sicherheit nur ein Zufall in einer Partei, die einen sehr geringen Frauenanteil im Parlament aufweist und die damit nicht die Geschlechterverhältnisse der Gesamtbevölkerung abbilden.

Homosexuell ist man definitiv auch ohne Förderung. Aber der dringend notwendige gesellschaftspolitische Diskurs über verschiedene LGBTI-Themen ist ohne Förderung oftmals nicht möglich. Aber diese Erkenntnis will und wird wohl bei der FPÖ nie eintreten, zu groß ist die ideologische Ignoranz gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe.

Immerhin hat Belakowitsch-Jenewein noch eine typische FPÖ-Begründung parat, wieso dieser kleine Fördertopf dennoch falsch ist. Mangels „guter“ Argumente werden quasi Lesben und Schwule als Sündenböcke hingestellt, wonach diese bzw. die Förderung kleiner queerer Projekte von/für Lesben und Schwule für die Finanzierungsprobleme im AKH verantwortlich wären und mit dem kleinen Förderungsbetrag von 20.000 Euro die Finanzierungsprobleme behoben wären:

„Für das AKH hat die Stadt Wien kein Geld, aber für diverse unnötige Vereine schüttet sie das Füllhorn aus. (…) Mir ist lieber wenn Patienten im AKH von einem Arzt behandelt werden können, als dass die schwul-lesbische Kultur und Geschichte gefördert wird.“

FPÖ will Homosexualität aus Öffentlichkeit verbannen

Mensch kann sich dem Eindruck nicht erwehren, dass die FPÖ am Liebsten alles queere aus der Wahrnehmung der Bevölkerung verbannen möchte. Der öffentliche gesellschaftspolitische Diskurs solle unbedingt vermieden werden. Diese Sichtweise ist wenig verwunderlich, wäre es doch für den FPÖ-EU-Parlamentarier Andreas Mölzer „eine Katastrophe„, wenn er einen schwulen Sohn hätte. Der FPÖ Parteiobmann HC Strache sprach vor ein paar Jahren gar von „Homosexualität als Krankheit“.

Es ist bekanntlich auch die FPÖ, die die kleinen Gleichstellungsschritte, die Österreich in den vergangenen Jahren gemacht hat, am Liebsten wieder rückgängig machen möchte. So will die FPÖ gerne die Eingetragene Partnerschaft wieder abschaffen und Österreich gesellschaftspolitisch um viele Jahrzehnte zurück werfen.

Die FPÖ ist und bleibt eine Partei, die offen homophob agiert und massiv gegen die Gleichstellungsbestrebungen von Lesben und Schwulen wettert.

(Bild: thinkoutsideyourbox.net)
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2 Comments
  1. […] Dezember 2011: Belakowitsch-Jenewein: “Man kann auch ohne Subvention schwul sein” […]

  2. […] sieht (Belakowitsch-Jenewein: “Man kann auch ohne Subvention schwul sein” (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder für Johann Gudenus Schwulen- und Lesbenforschung “Blödsinn” ist […]

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