Evangelikaler Priester: Männliche Selbstbefriedigung eine Form von Homosexualität

Dass viele Religionen einen etwas „verquerten“ Zugang zur menschlichen Sexualität und vor allem zur Homosexualität haben, ist nichts neues. Regelmäßig werden teils krude Aussagen getätigt, die in ihrer Ablehnung der vielfältigen Sexualität des Menschen, ganze Bevölkerungsgruppen oftmals beleidigen oder als Menschen zweiter Klasse hinstellen. Häufig werden gerade Menschen mit einer homosexuellen Orientierung als Gefahr für die Gesellschaft oder die „göttliche Schöpfungsordnung“ dargestellt. Diesmal gipfelt diese vielfach seltsam anmutende Argumentierung in einer Aussage eines US-Pfarrers, wonach praktizierte Selbstbefriedigung eines Mannes eines Form von Homosexualität (und somit natürlich „böse) sein könne.

Wie das deutsche Portal queer.de berichtet, zitiert das Blog „Dangerous Minds“ den protestantischen Pfarrer Mark Dirscoll, Pfarrer einer „Megachurch aus Seattle. Das blog zitiert aus einer Textasammlung „Porn-Again Christian: A Frank Discussion on Pornography & Masturbation for God’s Men“.

In dieser Textsammlung schreibt der Megachurch-Pfarrer, was ein guter Christ nicht alles machen darf. Insbesondere widmet er sich dem Thema Selbstbefriedigung (Übersetzung von queer.de):

„Selbstbefriedigung kann eine Form von Homosexualität sein, weil es ein sexueller Akt ist, an dem keine Frau beteiligt ist. Wenn ein Mann sich selbst befriedigt, während er andere sexuelle Intimitäten mit seiner Ehefrau austauscht, wäre das aber kein homosexuelles Verhalten. Aber wenn er es ohne seine Frau tut, grenzt das an Homosexualität, insbesondere wenn er sich selbst im Spiegel betrachtet und sich mit seinem eigenen männlichen Körper selbst stimuliert.“

Wie immer wenn rationale Argumente fehlen, wird ein Bedrohungszenario aufgebaut, das sachlich betrachtet wie ein Kartenhaus zusammenbrechen würde. Doch um sachliche Argumentation geht es dabei nicht. In der Absicht, den Menschen zu lenken, geht es rein um ideologische Argumente. Auch werden bei Dirscoll seine patriachalische Ansichten offensichtlich. Die Frau dient letztlich der Sexualität des Mannes. Das impliziert, dass die Emanzipationsbewegung und das Selbstbestimmungsrecht der Frau und deren Sexualität eine Gefahr für den christlichen Glauben und das „gute christliche Leben“ darstellen würde. Dirscoll tritt somit klar gegen eine aufgeklärte Gesellschaft auf.

(Bild: Flickr – Dominic Alves – CC-BY-2.0)
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7 Kommentare

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  1. sequoia 18 Oktober, 2011 at 11:29

    der priester tut mir fast leid. der muss sich selbst sein leben lang so bekämpfen und hat so unendliche schuldgefühle, dass er sich so eine pseudo-theorie ausdenkt. für jeden gefallen am eigenen körper gibts wahrscheinlich einen bußgürtel und eine abendliche peitschzeremonie.

    arm.

  2. Torsten 18 Oktober, 2011 at 16:16

    Jetzt kommt, dass sind doch sowieso alles scheinheilige Menschen dort.

    Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern in den Klostern wird einfach die menschliche, absolute normale ‚Gei****‘ aufkommen… Und das staut sich ja dann doch irgendwann…

    @serquoia
    Ist ja nicht nur DER Priester der solch einer beschränkten Meinung ist… Aber naja. so eine Peischenzeremonie macht den ein oder anderen ja noch geiler ;)

  3. Religionslehrer 5 Januar, 2012 at 21:29

    Diesem Priester scheint der Unterschied zwischen Homosexualität und Selbstbefriedigung nicht bekannt zu sein. Macht nichts – nach Meinung der christlichen Kirchen ist sowieso beides Sünde und Unzucht. Nur gut, dass der Einfluss der kirchlichen Sexualmoral immer mehr am Schwinden ist, wie Umfragen und Studien beweisen.

  4. Mondstrahl 9 Januar, 2012 at 13:08

    Dieser Pfarrer beweist, dass nicht nur in der römisch-katholischen, sondern auch in der protestantischen Kirche eine verquere Sexualmoral zu finden ist.

  5. Jack the Ripper 14 Januar, 2012 at 19:11

    Selbstbefriedigung und Homosexualität sind nur zwei der vielfältigen sexuellen Verhaltensweisen, die von den Kirchen als Sünde und Unzucht gebrandmarkt werden. Dazu gehören auch noch vor- und außerehelicher Sex, ehelicher Geschlechtsverkehr ohne Offenheit zur Zeugung und Empfängnisverhütung. Besonders die römisch-katholische Kirche tut sich in der Bekämpfung dieser Formen von Sexualität hervor. Zu dumm, dass aufgrund des Zölibats etliche katholische Priester Zuflucht nehmen zu heimlichen Liebschaften, unehelichen Kindern (die von der Kirche unterhalten werden), Homosexualität und Kindesmissbrauch.

  6. stern5 23 Januar, 2012 at 15:31

    Rationale Argumente fehlen den Kirchen in Bezug auf die Sexualität schon lange. Im Mittelalter führte die römisch-katholische Kirche als „Beweis“ für die Verurteilung der Selbstbefriedigung die alttestamentarische Onan-Geschichte an. Der jedoch vollzog gar keine SB, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Er wollte seinem verstorbenen Bruder und dessen Witwe keine Nachkommen hinterlassen und verstieß damit gegen das jüdische Gesetz und das Gebot Gottes. Für seinen Ungehorsam wurde er von Gott mit dem Tode bestraft.
    Selbstbefriedigung kommt in der Bibel gar nicht vor. Heute sieht die RKK die Masturbation als eine „in sich schwere ordnungswidrige Handlung“ und damit als Sünde. Katholische Priester und Seelsorger verkaufen SB als Unzucht und fleischliche Begierde, denen man doch tunlichst nicht nachgeben sollte. Jugendliche und Singles sollen keusch und enthaltsam leben – kein Sex vor der Ehe! Nur gut, dass die meisten Schäfchen sich um diese Verbote heutzutage nicht mehr kümmern. Vorehelicher Sex, Selbstbefriedigung und Schwangerschaftsverhütung sind für die Mehrheit der Katholiken Selbstverständlichkeiten.

  7. Religionslehrer 28 Januar, 2012 at 13:13

    Hier ein religiöser Witz:
    Der Priester: „Mein Sohn, wirst du von unkeuschen Gedanken geplagt?“ Der junge Mann: „Im Gegenteil, sie machen mir Vergnügen!“

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