Die ‚miesen‘ Tricks der „Homo-Ehe“ Gegner

Bild 6Seitdem die österreichische Bundesregierung ein Gesetz zur „Eingetragenen Partnerschaft“ vorgestellt hat, sehen manche konservative, reaktionäre und/oder ewiggestrige Kreise das Wertekonstrukt in Gefahr, die Moral verfallen oder einfach eine Entwertung der „heiligen Ehe“ von Mann und Frau. An vorderster Front kämpft natürlich der erzkonservative Teil der römisch-katholischen Kirche, selbstverständlich die rechtspopulistische Partei FPÖ und – ganz konkret – auch Andreas Unterberger, der einen ziemlich haltlosen Blogbeitrag dazu verfasste.

Österreichs Lesben und Schwule sollen bekanntlich mit 1.1.2010 endlich „ein Stück weit gleichgestellt werden“. Das Gesetz zur „Eingetragenen Partnerschaft“ für homosexuelle PartnerInnenschaften ist jedoch nicht mehr, als ein Peanut. In vielen Bereichen erfolgt zwar eine Gleichstellung zur heterosexuellen Ehe, doch werden gleichzeitig Lesben und Schwulen ganz konkrete Rechte vorenthalten bzw. explizit verboten. Es ist somit noch ein weiter Weg zur völligen Gleichstellung, denn diese kann nur erreicht werden, wenn die zivilrechtliche Ehe geöffnet wird, doch dazu ist die ÖVP nicht bereit und nicht willens. Diese Vorenthaltung der zustehenden Rechte ist leider fakt. Sie ist diskriminierend und menschenfeindlich, da eine Zwei-Klassen-Gesellschaft etabliert wird. Im europäischen Vergleich dagegen erkennen immer mehr Regierungen, dass es keine sachlich gerechtfertigten Gründe gibt, Lesben und Schwule dieses Recht auf Eheschließung vorzuenthalten. Die vorgebrachten Ablehnungsgründe sind demnach rein ideologisch.

Altes Ideologiedenken verhindert Gleichstellung

Werte und Moral sind zwar grundsätzlich die Stütze einer Gesellschaft, da sie das Zusammenleben regeln, doch letztlich sind diese gesellschaftlich konstruierten Muster auch der Hauptgrund dafür, dass Lesben und Schwule noch immer für die ihnen zustehenden Rechte kämpfen müssen.

War/Ist Homosexualität in der Antike und in anderen Kulturkreisen als eine natürliche Form der menschlichen Sexualität anerkannt und damit weder moralisch anstößig noch falsch, veränderte sich diese Sichtweise im europäischen Mittelalter drastisch. Über Jahrhunderte hinweg wurde Homosexualität als widernatürlich bezeichnet und mit dem Begriff Sodomie klassifiziert. Insbesondere kirchliche Sittenhüter, aber auch die weltliche Gerichtsbarkeit verurteilten Homosexualität und klassifizierten diese als Krankheit. Lesben und Schwule wurden als krank bezeichnet, verfolgt und verurteilt.

Erst 1969 begannen sich Lesben und Schwule gegen diese Unterdrück zu wehren. Dieses erstmalige Aufbäumen erfolgte in New York und die „Stonewall Riots“ feiern 2009 das 40-Jährige Jubiläum. Doch es dauerte noch viele weitere Jahre, bis Homosexualität nicht mehr als Krankheit klassifiziert wurde. Erst 1992 wurde Homosexualität im IDC-Kalender der WHO als Krankheit gestrichen. Kirchliche Eiferer, klerikale Fundamentalisten und manch erzkonservative Kreise haben bzw. wollen bis heute diese normale, sexuelle Orientierung nicht anerkennen. Bis heute wird immer wieder mit der Widernatürlichkeit und der Gefahr für die Moral der Gesellschaft argumentiert. Haltlos, aber erfolgreich.

Kirchliche Front gegen Gleichstellung von Lesben und Schwule

Bereits vor einigen Tagen startete der „Kulturkampf“ in Österreich voll durch. Vertreter der römisch-katholischen Kirche starteten eine Online-Petition, in der sie gegen die „Eingetragene Partnerschaft“ wettern und zur Verteidigung der „heiligen“ Ehe zwischen Mann und Frau aufrufen. Nicht nur, dass die Kirche gänzlich falsch liegt, geht es doch in keinster Weise um die kirchliche Ehe vor ihrem Gott, weigert sich die rk. Kirche in Österreich beharrlich, endlich zu erkennen, dass sie gar kein Recht besitzt, sich in innerstaatliche Angelegenheiten einzumischen. Die Trennung von Staat und Religion will nicht anerkannt werden. Die Kirchenvertreter fordern, dass einer ganzen Bevölkerungsgruppe bestimmte Rechte vorenthalten werden. Das ist christliche „Nächstenliebe“.

Wenn schon nicht widernatürlich, dann moralisch falsch

Nachdem mittlerweile weniger und weniger Menschen an der Widernatürlichkeit der Homosexualität festhalten, muss ein nächstes Argument folgen. Die Gefahren für die Gesellschaft, die Moral und die Werte. Auf diese Art und Weise argumentiert nicht nur die rechtspopulistische FPÖ, die römisch-katholische Kirche, sondern auch ganz konkret Andreas Unterberger in einem Blogbeitrag. Zwar versuchte auch Unterberger die Frage nach der Natürlichkeit von Homosexualität zu fragen, was sehr häufig mit der Frage eines Homosexuellengens erfolgt. Da dafür keine wissenschaftlichen Fakten vorliegen, argumentiert er mit der Gefahr, die durch die „Bewerbung“ von Homosexualität ausgeht.

Es gibt nämlich noch immer keinen einzigen Beweis für ein Homosexualitäts-Gen, aber sehr viele statistische Beweise für psychosoziale Zusammenhänge, die zur Homosexualität führen. Daher gilt zweifellos auch: Je positiver sich die Gesellschaft zur Homosexualität stellt, umso häufiger wird es sie geben.

Dieses Argument wird häufig  von GegnerInnen der Homo-Rechte angeführt. Dem sei festgehalten, dass es – auch wenn Unterberger anders ausführt – keinen wissenschaftlichen Beweis dazu gibt. Mensch sucht sich nicht aus, welche sexuelle Orientierung mensch hat. Immerhin hat es sich auch Unterberger nicht ausgesucht, dass er heterosexuell ist.

Wie haltlos das Argument ist, zeigte auch eine Studie aus dem Sommer 2009 des deutschen Bundesjustizministeriums. Kinder in sogenannten „Regenbogenfamilien“ sind nicht häufiger homosexuell, wie in anderen Familienmodellen. Ferner ergab die Studie:

Das Kindeswohl ist in Regenbogenfamilien genauso gewahrt wie in anderen Familienformen. Nach den Ergebnissen der Untersuchung sind “Regenbogeneltern” gleichermaßen gute Eltern wie andere an ihren Kindern interessierte Eltern. Persönlichkeitsentwicklung, schulische und berufliche Entwicklung der betroffenen Kinder verlaufen positiv. Sie entwickeln sich genauso gut wie Kinder aus heterosexuellen Beziehungen. Auch finden sich keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Neigung zu Depressionen. Aus der Studie folgt: Für das Kindeswohl ist es nicht erforderlich, dass die Erziehung nach dem klassischen Rollen-Modell von verschiedenen Geschlechtern gleichermaßen übernommen wird. Maßgeblicher Einflussfaktor ist vielmehr eine gute Eltern-Kind-Beziehung unabhängig vom Geschlecht der Eltern.

Schwule an niedriger Geburtenrate schuld

Dann führt Unterberger ein ebenfalls häufig angeführtes Argument gegen die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen an – die niedrige Fertilitätsrate. So schreibt er:

Aber keine Politiker hat mehr den Mut, das zu sagen. Obwohl das beispielsweise gesundheitspolitisch nicht sonderlich erstrebenswert ist – auf Grund des etwas anderen Lebensstils ist bei Schwulen die Lebenserwartung ja deutlich niedriger. Und auch in Hinblick auf die Tatsache, dass die Gesellschaft dringend mehr Kinder braucht, ist die einschlägige Pro-Schwulen-Propaganda durch die Frauenbergerinnen dieses Landes mehr als kontraproduktiv.

Nun, es wäre interessant, welche „wissenschaftlichen“ Quellen Herr Unterberger hier zu Rate zieht. Gerne argumentieren Gegner der rechtlichen Gleichstellung mit pseudowissenschaftlichen Fakten, um die Gefahr des homosexuellen Lebensstils zu begründen.

„Krankmacher“ Homosexualität?

Er begibt sich damit auf eine Stufe mit der Schweizer Familienlobby, welche im heurigen Jahr massiv in Zürich gegen die stattgefundene „Europride“ wetterte. Auch sie zitierte gerne „wissenschaftliche Zahlen“ und präsentierte unter anderem folgende Daten:

  • 70% der Homosexuellen können ihre sexuelle Orientierung nicht wirklich akzeptieren.
  • 63% gaben an, unter Einsamkeit zu leiden (Gesamtbevölkerung: 37%)
  • 41% litten im Verlauf der letzten 12 Monate an mehrwöchigen depressiven Zuständen.
  • 22% hatten in dieser Zeit über einen Selbstmord nachgedacht.
  • 19% hatten einen Selbstmordversuch hinter sich (Durchschnitt aller CH-Männer: 3%)

Ja, diese Zahlen haben durchaus eine Berechtigung, denn eine österreichische Studie liefert ähnliche Zahlen. Es ist jedoch notwendig, die Gründe für diese Zahlen näher zu erläutern. Dabei liegen die Gründe für diese Zahlen genau in diesen diskriminierenden, homophoben, menschenverachtenden Aussagen und der Forderung, dieesr Bevölkerungsgruppe die gleichen Rechte vorzuenthalten, da „sie ja nur Menschen zweiter Klasse sind“. Schwule und Lesben das Leben erfahren viel häufiger Intoleranz, Hass und Vorverurteilungen durch verschiedenste Kreise. Vereinfacht formuliert:

Wer laufend hört, nicht gleichwertig, krank oder widernatürlich zu sein, kann früher oder später Selbstzweifel entwickeln. Diese Äußerungen verletzen die Menschenwürde jedes Einzelnen und sind daher strikt zu verurteilen und zurück zu weisen. Ähnlich sieht dies eine Studie aus Österreich und erläutert:

” Es seien deutlich mehr Risikofaktoren festzustellen, so Plöderl. Homo- und Bisexuelle hätten eine geringere soziale Unterstützung, vor allem durch die eigenen Eltern: 30 Prozent der Väter und 20 Prozent der Mütter seien zum Zeitpunkt der Befragung noch immer sehr negativ oder negativ zur Homosexualität ihres Kindes eingestellt gewesen.“

Geschlossen wird der Artikel Unterbergers mit der Hoffnung, dass die Schäden der teilweisen rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen nicht zu drastisch ausfallen, denn:

Die einzige Hoffnung (…) liegt in der Annahme, dass gar nicht so viele Homosexuelle in die Partnerschafts-Ehe drängen werden. In Schweden etwa wurde im Mai die Homo-Ehe eingeführt, und in dem bekannt liberalen Land haben sich seither ganze 48 Paare das Ja-Wort gegeben. Das heißt freilich: Die Ehelosigkeit ist der Szene gar kein wirkliches Problem – oder es gibt viel weniger Homosexuelle, als sie selbst immer behaupten.

Erstens möge mensch sachlich argumentieren, inwiefern die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwule bzw. die Ehe-Öffnung die Ehe von Mann und Frau tangiert? Den anderen PartnerInnenschaften wird nichts weggenommen. Die Rechte und Pflichten bleiben gleich. Es geht viel mehr darum, dass sich jede Liebe feiern darf und die gleichen Rechte erhält. Daher ist zu hoffen, dass die angekündigten Klagen erfolgreich sind, sodass endlich Österreichs Rechtssprechung im 21. Jahrhundert anlangt und ALLE die gleichen Rechte und Pflichten haben.

Herr Unterberger kann beruhigt werden. Wenn Lesben und Schwule heiraten dürfen, wird die Gesellschaft nicht untergehen, die Welt wird nicht stehen bleiben und es werden deswegen nicht mehr heterosexuelle Ehen geschieden werden.

Zu den geringen Ehe-Schließungen in Schweden: Ja und? Es geht darum, die gleichen Rechte zu erhalten, auch wenn mensch nicht heiraten will. Und Schluss

(Bildquelle: Flickr – maxintosh, Creative Commons L.)

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