Deutsche Aids-Hilfe: Gewalttat überschattet Positive Begegnungen in Wolfsburg

In Wolfsburg ist am Sonntag Mittag Europas größte Selbsthilfekonferenz zum Leben mit HIV unter dem Titel „Positive Begegnungen“ zu Ende gegangen. Am Samstag Nachmittag setzten rund 200 Konferenzteilnehmerinnen und –teilnehmer mit einer Demonstration in der Wolfsburger Innenstadt ein kraftvolles Zeichen gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV und die Strafbarkeit der (potenziellen) HIV-Übertragung.

Überschattet wurde die Veranstaltung von einem gewaltsamen Angriff gegen zwei schwule Konferenzteilnehmer in der Wolfsburger Innenstadt. Drei junge Männer gingen auf die beiden mit einem Schlagstock los und verletzten sie unter anderem am Schienbein und am Rücken. Die Polizei konnte die Täter kurz nach der Tat festnehmen.

Dazu sagt Carsten Schatz, Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Diese erschütternde Tat zeigt, wie wichtig es ist, sich mit Veranstaltungen wie dieser in der Öffentlichkeit gegen die Diskriminierung von Menschen mit HIV und besonders stark von HIV betroffenen Gruppen wie schwulen Männern einzusetzen.“

Die Deutsche AIDS-Hilfe und die Wolfsburger Aids-Hilfe betonen, dass die „Positiven Begegnungen“ ansonsten in Wolfsburg sehr freundlich begrüßt wurden.

Carsten Schatz weiter:

„Wolfsburg war eine wunderbare Gastgeberstadt, wir sind hier herzlich empfangen worden. Politik, Bevölkerung und auch die Medien der Stadt und der Region waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und interessiert. Wir werden auch weiterhin Veranstaltungen wie diese in kleineren Städten durchführen, um die Lebenssituation von Menschen mit HIV ganz bewusst auch abseits der Metropolen zu thematisieren.“

Die Deutsche AIDS-Hilfe hatte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg die Ergebnisse ihrer Studie „positive stimmen“ zur Diskriminierung von Menschen mit HIV vorgestellt.

In Deutschland fanden 1.148 Interviews statt. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Knapp 77% der Befragten hatten im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erlebt – von Tratsch über Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen.
  • Rund 20% der Befragten wurde im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV eine medizinische Behandlung verweigert (zum Beispiel beim Zahnarzt).
  • Es verloren mehr Leute ihren Job aufgrund von Diskriminierung als aus gesundheitlichen Gründen. Kündigungen hatten in 84% der Fälle mit Diskriminierung zu tun.
  • 30% der Befragten haben sich von ihrer Familie zurückgezogen. Bei denen, die  zuvor bereits Ausschlusserfahrungen in der Familie machen mussten, waren es sogar 66%.
  • Stigmatisierung und Diskriminierung werden verinnerlicht: 42% berichteten, sie hätten im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV ein niedriges Selbstwertgefühl gehabt.
  • Die gute Nachricht: 29% der Befragten gehen gegenüber ihrem Arbeitgeber offen mit ihrer Infektion um – mehr als meist vermutet. 61% tun dies allerdings nicht, viele davon aus Angst vor Benachteiligung. (Rest zu 100 Prozent: Mischformen).
  • 74% der Arbeitgeber reagierten auf das Coming-out HIV-Positiver unterstützend oder neutral, 26% diskriminierend.

Dazu sagt Carsten Schatz, Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Die in der Befragung deutlich gewordene Diskriminierung im Alltag ist nicht überraschend, aber völlig inakzeptabel. Unser Ziel bleibt eine Gesellschaft ohne Diskriminierung. Die Politik und die gesamte Gesellschaft sind aufgerufen, sich dafür einzusetzen. Die Bundesregierung muss HIV-Positive und chronisch Kranke endlich ausdrücklich unter den Schutz des Allgemeinen Gesetzes zur Gleichbehandlung (AGG) stellen. Arbeitgeber und Berufsverbände sind aufgefordert klarzustellen, dass HIV kein Hinderungsgrund ist, wenn es um die Ausübung des Berufes geht. Und nicht zuletzt kann sich jeder einzelne Mensch fragen, wo sein eigenes Denken und Handeln von Vorurteilen und Ängsten geprägt ist. Informationen und realistische Bilder vom Leben mit HIV sind die besten Mittel, damit umzugehen. Diskriminierung ist heilbar!“

(Pressetext DAH)
(Bild: Deutsche Aids-Hilfe)
Anzeige

Leave A Reply

Your email address will not be published.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.