Coming-Out des österreichischen Schwimmers und EM-Medaillengewinner Dominik Koll

Der österreichische Spitzensportler Dominik Koll kommt ursprünglich aus Linz, lebt aber mittlerweile in New York. In einem Interview mit den ‚Oberösterreichischen Nachrichten‘ hat der Staffel-Bronzemedaillengewinner der Schwimm-EM 2008 in Eindhoven sein Coming-Out und erklärt, dass Österreich bei der gesellschaftlichen und rechtlichen Anerkennung von Homosexuellen zurück liege und es sich in New York deutlich offener leben lässt.

Der US-Fußballprofi Robbie Rogers hat es vor einigen Monaten getan, samt Rücktritt und anschließendem Rücktritt vom Rücktritt (thinkoutsideyourbox.net berichtete), der derzeit vereinslose NBA-Spieler Jason Collins (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder auch die österreichische Skispringerin und Weltmeisterin Daniela Iraschko.

Sie alle sind SpitzensportlerInnen und haben öffentlich gemacht, dass sie das gleiche Geschlecht lieben und somit ein lange gehütetes Geheimnis offenbart sowie ein Tabu gebrochen: Homosexualität und Spitzensport.

Spitzenschwimmer Koll hat sein Coming-Out

Nun reiht sich ein weiterer Sportler in diese Reihe ein. Es ist Dominik Koll, einer der besten österreichischen Schwimmer und Bronzemedaillengewinner mit der Staffel über 4 x 200 m im Freistil bei den Europameisterschaften in Eindhoven 2008.

Koll, der vor zwei Jahren von Linz nach New York gezogen ist und seit einem Jahr mit seinem Partner zusammen ist, spricht in einem Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ über Homosexualität im Spitzensport, Vorurteile, Stereotype und den Rückfall Österreichs bei der Gleichstellung von Lesben und Schwulen.

Koll setzt nun diesen Schritt, da auch er gegen Voruteile und Klischees ankämpfen möchte:

„Klischees, dass Schwule feminin, nicht stark und hart sind, stimmen einfach nicht. Für manche in unserer Gesellschaft gilt: nur der, der Bier trinkt und der Fußball spielt, ist maskulin. Glauben Sie mir: Ich bin in beidem ziemlich gut.“

Dem Medaillengewinner ist klar, dass das Coming-Out von Spitzensportlers mit vielen Ängsten verbunden ist. Auch er nennt im Interview die Sportart Fußball, wo Homosexualität ein großes Tabuthema ist und Homophobie leider in vielen Stadien zum Alltag gehört.

Österreich Nachzügler bei Gleichstellung

Für Koll ist klar, dass es sich in seiner Wahlheimat New York als Homosexueller deutlich einfacher leben lässt, als in seiner Heimatstadt Linz. Politisch sind die USA deutlich weiter als Österreich, da in immer mehr US-Bundesstaaten die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und es in Kürze 12 Bundesstaaten sein werden.

In Österreich sind zwar gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften anerkannt, jedoch war es das auch schon, wie Koll erklärt:

„Gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist zwar anerkannt, mehr aber nicht. Da sind Länder wie Frankreich oder die Niederlande wesentlich weiter.“

Koll bedauert, dass sich auf der Linzer Landstraße die Hälfte der PassantInnen umdreht, wenn es homosexuelles Paar händchenhaltend durch die Stadt flaniert. Dies passiert schließlich bei einem heterosexuellen Paar auch nicht.

Für ihn ist die regierende Politik gefordert, endlich auch in der gesellschaftlichen Realität anzukommen und nicht länger Menschen aufgrund der sexuellen Orientierung bestimmte Rechte und deren Pflichten vorzuenthalten:

„Es geht einzig und alleine um Gleichberechtigung. Das ist das Ziel, Ausgrenzung darf nicht mehr passieren.“

Koll ruft zu Coming-Outs auf

Der Oberösterreicher hofft, dass sich immer mehr Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, aus dem Schrank kommen und zu ihrer sexuellen Orientierung stehen, denn:

„Je mehr Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, sich outen, desto einfacher wird es für junge Homosexuelle, in unserer Gesellschaft akzeptiert zu werden.“

Auch für ihn wäre es leichter gewesen, wie er betont, wenn er homosexuelle Vorbilder im Sport oder der Politik gehabt hätte.

Die Gesellschaft müsse in den Augen akzeptieren, dass Homosexuelle Teil der Gesellschaft sind und nicht ausgegrenzt werden dürfen. Damit gehen für Koll auch die gleichen Rechte einher, wie sie in immer mehr Staaten, wie jüngst in Frankreich (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder in mittlerweile bald 12 US-Bundesstaaten, umgesetzt werden.

Person, nicht Sexualität soll im Vordergrund stehen

Koll hofft, dass die Reaktionen auf sein Coming-Out positiv ausfallen. Ein wichtiger Punkt für ihn ist, dass die Öffentlichkeit ihn nicht als Schwulen sieht, der Sport betreibt, sondern als Sportler, der eben das gleiche Geschlecht liebt.

Seine sportliche Zukunft sieht er durchaus optimistisch. So schwimmt er in den USA regelmäßig Wettkämpfe und laut seinen Angaben stimmen auch die Zeiten. Er schließt daher einen Start bei der Schwimm-EM oder bei den nächsten Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nicht aus.

(Bild: Manfred Werner – CC-BY-SA-3.0 – Wikimedia)
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