Bulgarien: Sofia Pride nach Druck durch orthodoxe Kirche abgesagt

Am 22. Juni hätte in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, die diesjährige ‚Sofia Pride‘ stattfinden sollen. Am Freitag jedoch wurde den OrganisatorInnen mitgeteilt, dass die geplante LGBT-Kundgebung abgesagt werden muss. Im Vorfeld hat die orthodoxe Kirche vehementen Druck ausgeübt, den CSD abzusagen. Schließlich begründeten die Behörden die Absage mit dem taggleich stattfindenden religiösen Feiertag und Gewaltdrohungen von orthodoxen ExtremistInnen, da die Polizei nicht den CSD sichern könne.

Erneut wird Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen das fundamentale Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und das Versammlungsrecht abgesprochen, nur weil die Behörden anstatt  die Durchführung zu gewährleisten, dies einfach verweigern.

„Sofia Pride“ wegen orthodoxen Feiertag abgesagt

Am Freitag, also am Tag vor der Durchführung der „Sofia Pride“ wurde den CSD-OrganisatorInnen von der Stadtgemeinde und dem Innenministerium mitgeteilt, dass die diesjährige CSD-Demonstration in der bulgarischen Hauptstadt abgesagt werden muss.

Das Rathaus in Sofia erklärte in der Begründung für die Absage, dass am selben Tag der orthodoxe Feiertag Seelensamstag gefeiert wird. Das Innenministerium ergänzte in einer Stellungnahme, dass die Polizei priorisiert Friedhöfe und orthodoxe Gedenkstätten sichern müsse.

Aus diesem Grund sind nicht Ressourcen vorhanden, um die Sicherheit und reibungslose Durchführung der „Sofia Pride“ zu gewährleisten. Daher müsse diese auf unbestimmte Zeit verschoben und für den 22. Juni abgesagt werden, da im Vorfeld extremistische Gruppierungen seit letzter Woche massiv gegen LGBTs mobilisiert und zu Gegenkundgebungen aufgerufen haben.

Orthodoxe Kirche forderte Absage

Bereits zuvor hat sich auch die orthodoxe Kirche in Bulgarien in die Politik eingemischt. So erklärte die „Heilige Synode“, die Bischofskonferenz der bulgarischen orthodoxen Kirche, dass der Staat gegen die CSD-Kundgebung von LGBTs intervenieren müsse, damit die

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beendet wird. Die Kirche greift mit dieser Forderung frontal Grund- und Menschenrechte an und fordert einen Staat, der sich nicht der Europäischen Menschenrechtskonvention oder den Menschenrechten verpflichtet fühlt.

Menschenrechtsorganisition kritisiert Absage

Die karitative bulgarische Menschenrechtsorganisation „Bulgarian Helsinki Committee (BHC)“ kritisierte die Absage der „Sofia Pride“ durch das Rathaus und die Sicherheitsbehörden auf das schärfste. So habe mit der Absage der Rechtsstaat der orthodoxen Kirche nachgegeben.

Weiters erklärten das BHC, dass die Begründung für die Absage eine „manipulative“ Ausrede sei. Viel mehr hätte die Position der Kirche zurückgewiesen werden müssen, und diese nicht auch noch gefördert werden. Weiters wurde kritisiert, dass die vor der „Sofia Pride“ alljährlich stattfindende Gegenkundgebung, von den Behörden nicht abgesagt wurde.

Die CSD-Parade in Sofia wurde von 12 EU-Staaten und ihren BotschafterInnen, darunter Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland und Österreich, ua. , sowie  den USA – unterstützt.

(Bild: Sofia Pride/Alex Tom)
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