Blutspendeverbot für Schwule ist gegen EU-Recht

Regelmäßig beklagt das Österreichische Rote Kreuz, dass die Zahl der BlutspenderInnen rückläufig ist und häufig in den Sommermonaten Blutkonserven Mangelware sind. Trotz dieser alarmierenden Fakten darf eine ganze Bevölkerungsgruppe bis heute in Österreich kein Blut spenden – nämlich homosexuelle Männer. Männer, die Sex mit Männern haben werden – unabhängig eines möglichen Risikoverhaltens – als Risikogruppe eingestuft und daher die Blutspende verwehrt. Diese Haltung ist gröblich diskriminierend. Nun erklärt der  EU-Kommissar für Gesundheit und VerbraucherInnenschutz in einer Anfrage an die EU-ParlamentarierInnen, dass diese Regelung gegen EU-Recht verstößt.

Seit Jahren wird in Österreich regelmäßig die Diskussion geführt, ob homosexuelle Männer Blutspender sein dürfen. Bereits 2007 kündigte die damalige ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kodolsky anlässlich des AIDS-Charity-Events „Life Ball“ eine Vereinheitlichung des Fragenkatalogs an. Allein ist es bei dieser Ankündigung geblieben.

Noch immer wird im Fragenkatalog folgende Frage gestellt:

Hatten Sie als Mann Sex mit einem andere Mann?

Wird diese Frage mit JA beantwortet, darf der potentielle Spender kein Blut spenden, da er automatisch als Risikogruppe eingestuft wird. Dieses Verbot wird einzig aufgrund der sexuellen Orientierung ausgesprochen. Der Faktor, ob ein Risikoverhalten vorliegt, wird in keinster Weise abgefragt, wie dies bei allen anderen potentiellen SpenderInnen getan wird.

Das Rote Kreuz begründet dieses automatische Verbot mit der HIV-Prävalenz. Diese gibt an, wieviele Personen einer bestimmten Gruppe definierter Größe an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind. Hier ist der Wert unter homosexuellen Männern höher, zumal in früheren Jahren deutlich mehr homosexuelle Männer von HIV/Aids betroffen waren.

Es stimmt zwar, dass die Prävalenzrate unter homosexuellen Männer höher ist, als in der heterosexuellen Bevölkerungsgruppe, jedoch muss festgehalten werden, dass dies wohl daher kommt, dass in früheren Jahren vielfach homosexuelle Männer von HIV/Aids betroffen waren. Laut aktuellen Zahlen der Aidshilfen Österreich, sind in absoluten Zahlen gemessen, unter heterosexuellen Kontakten die meisten HIV-Neuinfektionen festzustellen.

Dennoch hat auch der aktuelle Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) am grundsätzlichen Verbot der Blutspende für Männer, die Sex mit Männern haben, bislang festgehalten.

Weiters hat  die Medizin dermaßen große Fortschritte gemacht, dass das diagnostische Fenster zwischen Ansteckung und Nachweis nur mehr ca 20 Stunden beträgt. In Anbetracht dieses kleinen diagnostischen Fensters müssten die gleichen Ausschließungskriterien für homosexuelle Männer wie für heterosexuelle Personen gelten.

EU-Kommissar Dalli: Blutspendeverbot von Schwulen gegen EU-Recht

In einer Anfragebeantwortung an Abgeordnete des Europäischen Parlaments erklärte nun der EU-Kommissar für Gesundheits- und VerbraucherInnenschutz John Dalli, dass eine EU-Richtliie aus dem Jahr 2004 betreffend Blutspenden keinen grundsätzlichen Ausschluss von Schwulen vom Blutspenden böte. Das Sexualverhalten sei nicht identisch mit der sexuellen Orientierung und grundsätzlicher Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern widerspreche dem EU-Recht.

Die HOSI Linz ist über diese Anfragebeantwortung erfreut und sieht sich in ihrer Kritik am Roten Kreuz und den Blutspendezentralen in Österreich bestätigt. HOSI Linz Vereinssprecher Gernot Wartner:

Wir haben immer schon gesagt, dass dies nur eine ideologisch motivierte Diskriminierung ist, die sich gegen Schwule richtet und sachlich in keinster Weise begründet ist. Das Blut von gesunden Lesben und Schwulen – und das ist ja der allergrößte Teil auch dieser Bevölkerungsgruppe – einfach abzulehnen, sobald man sich zu seiner homosexuellen Orientierung bekennt, ist alleine schon deswegen diskriminierend, weil der Blutspende nämlich nichts im Wege steht, wenn man die eigene Homosexualität nicht angibt. Zuerst hunderte von Blutspendewilligen diskriminieren und dann von einem Engpass zu reden, ist mehr als verlogen. Umso mehr freut uns, dass das offenbar die EU-Kommission auch so sieht.“

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) ist nun gefragt

Nun ist der zuständige Gesundheitsminister in Österreich, Alois Stöger, in der Pflicht, für entsprechende Rahmenbedinungen zu sorgen, damit die grundsätzliche Diskriminierung von potentiellen homosexuellen Blutspendern beendet wird.  Bislang hat Stöger immer erklärt, dass sich das Ministerium der Problematik bewusst ist und auf europäischer Ebene Gespräche laufen. Nun Herr Minister, nun gibt es eine entsprechende Stellungnahme.

Wie stellte bereits der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser in einer Anfrage (PDF, 105 KB) fest:

Die Vorgehensweise der Blutspende-Organisationen gegenüber schwulen Männern stellt eine eindeutige Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung dar, zumal die Statistiken zu HIV/Aids Ansteckungen zeigen, dass über 40 % aller Neuinfektionen mit der Immunschwächekrankheit HIV/Aids auf heterosexuelle zurückzuführen sind und nur ca. 20 % auf homosexuelle Kontakte.

Es wäre nun also an der Zeit, den Fragenkatalog zu harmonisieren und homosexuelle Männer nicht mehr länger einzig aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von der Blutspende auszuschließen.

(Bild: Flickr – digiomCC-BY-2.0)
Anzeige

 

Famous-300x250

2 Kommentare

Add yours
  1. Blutspendeverbot für Schwule: Grüner Bundesrat Schreuder fordert Ende der Diskriminierung | thinkoutsideyourbox.net 1 Dezember, 2011 at 14:14

    […] Im September diesen Jahres erklärte der EU-Kommissar für Gesundheits- und VerbraucherInnenschutz John Dalli in einer Anfragebeantwortung an Abgeordnete des Europäischen Parlaments, dass eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2004 betreffend Blutspenden keinen grundsätzlichen Ausschluss von homosexuellen Männern vom Blutspenden böte. Das Sexualverhalten sei nicht identisch mit der sexuellen Orientierung und ein grundsätzlicher Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, widerspreche dem EU-Recht (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

Hinterlasse einen Kommentar

*