Nächstes Jahr wird in Österreich das Amt des österreichischen Bundespräsidenten gewählt. Bis jetzt wurde von den Großparteien ÖVP, FPÖ, BZÖ, Die Grünen noch kein/e Gegenkandidat/in nominiert. Nach derzeitigem Stand scheint es ein Solo für den amtierenden Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer zu werden, da bis jetzt nur “Spaßkandidaten” ihr Antreten angekündigt haben. Eine Partei hat jedoch bereits einen Kandidaten nominiert – die “Christliche Partei Österreichs”. Diese Kleinpartei möchte Bundesobmann Dr. Rudolf Gehring ins Rennen um das höchste Amt im Staat schicken. Welche Ansichten Herr Gehring und seine Partei vertreten, sei hier ausgeführt.
Die “Christliche Partei Österreichs” ist eine Vereinigung von BürgerInnen, welche eine Politik nach den Lehren Gottes fordert. Säkularisierung wird abgelehnt, ebenso wie die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen oder die Fristenregelung.
In der Ankündigung zur Nominierung von Gehring zur Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten auf der Homepage der CPÖ heißt es:
Ein Kandidat aus dem christlichen Lager würde eine echte Alternative darstellen und den christlich denkenden Bürgern die Möglichkeit einer wirklichen Wahl bieten.
Bislang gibt es wahrlich keine wirkliche Alternative zum amtierenden Bundespräsidenten. Ob eine Alternative wirklich sinnvoll ist bzw. ob unser HBP sein Amt gut ausübt, sei hier jetzt nicht weiter diskutiert. Es steht auch jedem/r frei, sich für das Amt der Wahl zu stellen. Viel mehr sei hier nun die Begründung des Antretens der CPÖ zu kritisieren. Denn die Begründung kann jeden aufgeklärten Menschen nur stutzig machen. So wird geschrieben:
Die CPÖ erwartet für ihren Kandidaten um das höchste Amt in der Republik eine breite Unterstützung und appelliert an die Christen in Österreich für ein geschlossenes Auftreten , damit weitere Schritte einer Säkularisierung in der Gesellschaft verhindert werden können. Als aktuelles Beispiel wird die Diskussion um das Anbringen von Kreuzen in öffentlichen Räumen angeführt.
Die CPÖ fordert demnach, dass die Säkularisierung, die Trennung von Staat und Religion, nicht konsequent fortgesetzt bzw. weiter umgesetzt werden dürfe. Viel mehr kann aus diesen Zeilen abgeleitet werden, dass es einen Staat und eine Politik geben müsse, die streng nach den Regeln Gottes, nach den Regeln der christlichen Religion aufgebaut und funktionieren müsse. Dies impliziert, dass die CPÖ einen christlichen Gottesstaat Österreich fordert, wo sämtliches Handeln nach den vermeintlich allgemein gültigen Regeln Gottes erfolgen müsse.
Forderung nach Politik nach Gottes-Regeln?
Dabei verkennt Herr Gehring ohnehin die Situation. Einerseits ist die Trennung von Staat und Religion in Österreich nie konsequent umgesetzt worden, was wohl auch an der ununterbrochenen Regierungsbeteilung der ÖVP liegen wird. Zu groß ist auch nachwievor der Einfluss der römisch-katholischen Kirche, die noch immer die Annahme hat, sich zu gesellschaftspolitischen Themen äußern zu müssen. Leider wird der rk. Kirche auch durch die Medien noch immer viel zu viel Aufmerksamkeit geboten. Beispiel hierfür war die Zeit im Bild 2 in ORF 2, als Kardinal Schönborn zum Studiegespräch über die “Eingetragene Partnerschaft” für Lesben und Schwule eingeladen war. Die Kirche besitzt gar keine Berechtigung, sich in innerstaatliche Angelegenheiten einzumischen.
Andererseits ist es grundlegend falsch, eine Politik nach den Lehren des christlichen Glaubens zu fordern, denn damit würden Andersgläubige und/oder AtheistInnen automatisch in ihrer garantierten Religionsfreiheit benachteiligt und möglicherweise Gesetze erlassen werden, die diese Bevölkerungsgruppen diskriminiert. Es ist daher das höchste zu verteidigende Gut, Religion Religion im Privaten bleiben zu lassen und Politik, möglichst getrennt von religiösen Einflüssen auszuüben. Dass dies durch eigene Wert- und Moralvorstellungen, welche häufig durch einen Glauben, vermittelt werden, schwierig ist, steht außer Frage. Gerade daher ist es notwendig, dass aufgeklärte Menschen gegen die Vereinnahmungsversuche von PolitikerInnen auftreten und für die Trennung von Glaube/Religion/Kirche und Staat kämpfen.
Welches abzulehnendes Gedankengut die Partei CPÖ sonst noch vertritt, sorgt immer wieder für Kopfschütteln.
Die Fristenregelung wird abgelehnt und damit wird versucht, Frauen das Selbstbestimmungsrecht zu nehmen. Ganz massiv wird derzeit – wie auch in der Vergangenheit – gegen die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen gewettert. So ruft auch die CPÖ heute zur Kundgebung “gegen die Homo-Ehe” auf. Wie bereits in der Vergangenheit werden auch hier fadenscheinige Argumente ins Treffen geführt und teilweise massive Diffamierungen aufgestellt.
Ehe schützen – Nein zur Homo-Ehe!
So wird seit Ende November aufgerufen, den “katholischen Abgeordnet” im Nationalrat eine E-Mail zu schicken, um sie an die christlichen Wurzeln und die Verpflichtung im Einklang mit ihrem Glauben zu handeln. Das bedeutet, das alles, was nicht den vermeintlich immer gültigen Regeln des christlichen Glaubens gilt, abzulehnen ist.
Nachdem die Ablehnung der Gleichstellung von Lesben, SChwulen und transidenten Personen in keinster Weise sachlich rechtzufertigen ist, wird auch diesmal wieder ein “Schreckensszenarie” erfunden. Lesben und Schwule seien eine “Gefahr” für die Zukunft und so heißt es in der E-Mail:
ich sende Ihnen dieses Mail aus großer Sorge um die Zukunft unseres Landes und wegen der äußerst bedenklichen Vorgangsweise.
Eine ausführliche Entgegnung zu den diskriminierenden Forderungen gibt es hier.
“Homo-Lebensstil = tödlich”
In ihrer religiös motivierten Ablehnung von Homosexualität, wird auf die “Christliche Allianz” hingewiesen, welche auf den Webseiten der “Lebensschützer” online gestellt ist. Schon im März 2008 wetterte der damalige Spitzenkandidat für die NÖ Landtagswahl, Dietmar Fischer, gegen die Fristenregelung, gegen Lesben und Schwule und präsentierte pseudowissenschaftliche Fakten, wie gesundheitsschädlich doch Homosexualität sei. Auch damals war diese homophoben Aussagen auf der Webseite von HLI veröffentlicht. Im Mai 2008 propagierte die CPÖ (damaliger Name “Die Christen) ihre Hetze gegen Lesben und Schwule im Wahlkampf zur Tiroler Landtagswahl. So war beispielsweise auf Flyern “Homo-Lebensstil = tödlich!” zu lesen.
Nun werden wieder die exakt gleichen “Fakten” wie 2008 von der “Christlichen Allianz” präsentiert. So wird auch diesmal angeführt, dass z.B. Lesben und Schwule häufiger an Selbstmord denken, bzw. einen Selbstmordversuch bereits durchgeführt hatten. Eine sachliche Begründung wird nicht gegeben, viel mehr wird die Homosexualität des betreffenden als Ursache in Betracht gezogen.
Nachdem dies Humbug zum Quadrat ist, hier eine Erklärung, welche eine wissenschaftliche Studie aus Österreich lieferte:
Es seien deutlich mehr Risikofaktoren festzustellen, so Plöderl. Homo- und Bisexuelle hätten eine geringere soziale Unterstützung, vor allem durch die eigenen Eltern: 30 Prozent der Väter und 20 Prozent der Mütter seien zum Zeitpunkt der Befragung noch immer sehr negativ oder negativ zur Homosexualität ihres Kindes eingestellt gewesen.”
In anderen Worten ausgedrückt: Die Gründe für diese Zahlen liegen genau in diesen homophoben, menschenverachtenden Aussagen wie beispielsweise seitens der Christlichen Partei Österreich. Wer laufend hört, krank oder pervers zu sein, kann früher oder später Selbstzweifel entwickeln, da der/die betreffende stigmatisiert wird. Diese Äußerungen verletzen die Menschenwürde jedes Einzelnen und sind daher strikt zu verurteilen und zurück zu weisen.
In diesem Sinne bleibt zu hoffen (und ist zu erwarten), dass immer mehr Menschen sich von einem derart reaktionären, menschenfeindlichen, den Grundrechten widersprechenden, Aussagen und Forderungen verabschieden und erkennen, dass die Welt deutlich vielfältiger ist, als einem so manche Religion einreden möchte.
PS: Euer Gott, liebt UNS auch!
(Bildquelle: Flickr – erstklassigerechte.at)













Eigentlich betreiben die Fanatiker nur Etikettenschwindel, wenn sie sich selbst als Christen und ihre Anliegen als christlich bezeichnen.
Und Du scheinst insoferne auf deren Etikettenschwindel reinzufallen, als dass Du ihnen Raum und Zeit widmest und ihre Anliegen ausbreitest. Fakt ist, dass es in jedem Land der Welt einen beständigen Kampf zwischen rechtskonservativen Kräften und linksliberalen bestrebungen gibt. Dieser Kampf fällt nur dann auf, wenn er “extrem” geführt wird. Die alltäglichen Scharmützel gehören zum Leben einfach dazu.
Wenn mich meine Erinnerungen an den Religionsunterricht und an jene Monate, in denen ich das neue Testament gelesen habe, besonders aber die Bergpredigt, dann hat sich Jesus Christus kein einziges Mal zur Homosexualität geäußert, weder positiv noch negativ.
Die Vereinnahmung seines Namens und seiner Lehren mit schwulenfeindlichen Bestrebungen sind somit Etikettenschwindel, Lug und Trug und werden echte Christen nicht dazu bewegen, sich deren seltsamen Wünschen anzuschzuschließen.
Es wäre der falsche Weg, den christlichen Glauben an den Auswüchsen solcher Fanatiker zu messen, seinen Heilswert auf die zänkischen Schreie der Fanatiker zu beschränken. Das gleiche gilt für den Islam; der friedliche Gläubige wird sich nicht für das Kriegsgeschrei erwärmen, sondern will einfach nur Leben und seinen Glauben glauben dürfen.
Nimm also die Schwätzer nicht so wichtig, deren Lehren zumeist nach Bier und kalter Asche und vermodertem Weihrauch stinken. Du wirst den Glauben dieser Menschen nicht ändern können, und sie werden die Überzeugungen der moralisch und sozial kompetenten Bürger nicht ändern können.
Zanken könnt Ihr, ändern aber nichts.
@Peter
Ich sehe die Situation anders. Ja, es muss nicht jeder “homophobe Rülpser” kommentiert werden. Wird jedoch laufend von einer bestimmten Gruppierung gegen eine Bevölkerungsgruppe auf das unterste Niveau gehetzt, unabhängig davon nun, ob diese gläubige Gruppen sind oder nicht, so werde ich definitiv nicht schweigen.
Es ist aber auch so, dass in der Vergangenheit mehrfach verschiedene Vertreter der rk Kirche gegen Homosexualität gewettert und Lesben und Schwule in manchen Fällen als pervers und krank dargestellt haben.
Insofern ist es unerheblich ob dies nun Etikettenschwindel ist oder nicht. Die offiziellen Vertreter und mancher ihrer Schäfchen diffamieren Lesben und Schwule.
Du machst einen großen Fehler. Du verschaffst ihnen mit deinen Beiträgen zu viel Aufmerksamkeit. Ich würde an deiner Stelle auf diesen Schwachsinn gar nicht länger eingehen, denn die nimmt eh niemand ernst.