Über 1.000 Menschen setzten heute ein eindeutiges und wichtiges Zeichen an die beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, an die Bischofskonferenz, an alle Bürger_innen Österreichs und an alle Homophoben der Welt. Lesben, Schwule, Transgender und interesexuelle Personen sind nicht nur Teil der Gesellschaft, wir sind mitten drin und werden so lange für “unsere” Rechte kämpfen, bis die Frage der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität nicht mehr gestellt und erklärt werden muss.
15 Uhr in Wien vor dem Parlament. Die 60 Meter lange – und damit größte – Regenbogenfahne der Welt ist bereits entrollt. Immer mehr Lesben, Schwule, Transgender und intersexuelle, sowie zahlreiche heterosexuelle Personen treffen ein, um gegen ein diskriminierendes Partner_innenschaftsgesetz für Lesben und Schwule, FÜR gleiche (erstklassige) Rechte für alle und gegen Homophobie zu demonstrieren. Der Massen-Kiss-In von sich liebenden Paaren bildete den Startschuss für diese wichtige Kundgebung.
Anschließend zog der Demonstrationszug mit der getragenen 60 Meter langen Regenbogenfahne über den Ring, den Heldenplatz zum Ballhausplatz vor das Bundeskanzleramt von Werner Faymann (SPÖ). Jener Partei, die bislang zahlreiche Versprechen, insbesondere an die lesBiSchwule und transgender Gemeinde, gebrochen hat.
Der Auftakt eines langes Kampfes
Direkt vor dem Bundeskanzleramt wurden alle Teilnehmer_innen als Zeichen für die Verweigerung der Ehe-Schließung und Zeremonie-Verweigerung mit dem “Zillertaler Hochzeitsmarsch” begrüßt und zum Tanzen aufgefordert.
Ulrike Lunacek, Grüne Abgeordnete zum Europäischen Parlament, sowie die weiteren Redner_innen forderten die Regierung auf, endlich die gesellschaftliche Realität zu erkennen. Seit Jahren kauen Gegner die gleichen Argumente vor, dass die Gesellschaft nicht bereit sei oder die Ehe nicht entwertet werden dürfe. Dies ist Nonsens zum Quadrat. Eine OGM-Umfrage aus dem Jahr 2008 erhob, dass beinahe 50 % für die vollständige Gleichstellung von Lesben und Schwulen eintreten und weitere ca 30 eine teilweise rechtliche Gleichstellung befürworten. Allein diese Daten zeigen, wie realitätsfern SPÖ und ÖVP agieren.
Wer nun denkt, dass mit dieser Kundgebung der Kampf nach gleichen Rechten zu Ende geht, der/die irrt. Der Kampf beginnt erst. Auch wenn die beiden Regierungsparteien ein Partnerschaftsgesetz beschließen, und das werden sie, werden “wir” nicht aufhören. Wir werden auch weiterhin für ALLE uns zustehenden Rechte, für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft kämpfen.
Überraschungsgast und Musical-Star Uwe Kröger richtete in einer persönlichen Rede ebenfalls klare Worte an die “reaktionären” Regierungsparteien. Er lobte Wien als weltoffene und tolerante Stadt und forderte SPÖ und ÖVP auf, dies endlich auch zu sein und Lesben und Schwulen die gleichen Rechte zu gewähren.
“A Message To Homophobes”
Da insbesondere Minderheiten auch der Gefahr von verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, sowie beinahe tagtäglich Opfer von Anfeindungen werden, schloss die Kundgebung mit der globalen Message der lesBiSchwulen und Transgender Community: F*ck you!
Wie wichtig das Auftreten gegen Ausgrenzung, Diffamierungen und Diskriminierungen ist, zeigte erst heute wieder die – sich gerne als nächstenliebend bezeichnende – römisch-katholische Kirche. So veröffentliche die österreichische Bischofskonferenz eine Aussendung, die sich klar für Diskriminierungen und Verbote von und für Lesben und Schwule aussprache. Die Aussendung ist so voll gestopft von Ablehnung und Intoleranz, dass diese – in Auszügen – ohne Bearbeitung zitiert werden solle (Markierungen von mir):
Die Bischöfe begrüßen, dass der Entwurf in seiner Substanz wesentlich weniger weitreichen als die in anderen Ländern erlassenen Gesetze sei und keine Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe intendiere. Dies sei “positiv zu bewerten“.
Die im Entwurf vorgesehen Beurkundung der “Eingetragenen Lebenspartnerschaft” bei der Bezirksverwaltungsbehörde im Gegensatz zur zivilen Eheschließung beim Standesamt manifestiere deutlich den Unterschied zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe. (…) Die Einführung einer “Eingetragenen Partnerschaft” für homosexuelle Paare sei deshalb nach Einschätzung der Bischöfe weiterhin “weder angebracht noch notwendig“. (…)
Wörtlich heißt es: “Der Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau gebühren bestimmte Rechte. Es handelt sich dabei nicht um Privilegien, denn die Familie auf der Grundlage der Ehe erbringt Leistungen, insbesondere in Bezug auf die Erziehung von Kindern. Eine Übertragung auf gleichgeschlechtliche Paare ist sachlich nicht gerechtfertigt. Die mögliche Einführung des Rechtsinstitutes der “Eingetragenen Partnerschaft” für homosexuelle Paare hat unabsehbare Folgen für die ganze Gesellschaft. Angesichts der damit verbundenen fundamentalen Fragen nach den Grundwerten der Gesellschaft werden alle Abgeordnete ermutigt, sich darüber ein sorgfältigtes Urteil zu bilden und bei der Abstimmung im Parlament ausschließlich ihrem Gewissen zu folgen.”
Von den Vertretern der römisch-katholischen Kirche ist mensch mittlerweile viel gewohnt, aber die Aussage stehen für sich. Die Bischöfe sind ewiggestrig, offen homophob, diskriminierend und menschenfeindlich. Offensichtlich glauben die Herren noch immer, dass die Kirche das Recht hat, sich in gesellschaftspolitische Fragen einzumischen. Glücklicherweise sind Staat und Religion in Österreich (theoretisch) getrennt, leider nur, dass diese Trennung nie wirklich umgesetzt wurde. Insofern ist es auch wenig verwunderlich, dass der ORF für die ZIB 2 Kardinal Schönborn einlädt! Diese seltsame Einladungspolitik des “Staatsfunk” ist schlichtweg skandalös und fragwürdig.
Der Vorreiter in dieser Thematik in der röm.kath. Kirche ist Weihbischof Andreas Laun, der meiner Meinung nach klerikal-fundamentalistische Züge in manch seiner Aussagen aufweist. So hat er selbstverständlich schon eine Onlinepetition gestartet, die unter dem Moto “Ehe und Familie schützen” steht.
Nun, mit dieser Haltung tut die Kirche genau das Gegenteil. Sie gefärdet Familien. Familien von Lesben und Schwulen. Regenbogenfamilien sind längst Realität und leisten einen großartigen Beitrag für die Gesellschaft. Die Argumentation der Kirche ist schlichtweg haltlos, diskriminierend und kleinkariert.
Daher rufe ich all meine Leser_innen auf, sich gegen diese homophoben und diskriminierenden Aussagen zu stellen und die Petition für “Gleiche Rechte für ALLE” zu unterschreiben.
Hier ein paar Fotos der Kundgebung “Erstklassige Rechte statt letztklassiges Gesetz – für völlige Gleichstellung jetzt!”
Weitere Fotos gibt’s auch auf erstklassigerechte.at, bei Monika Vana und auf Flickr und DiePresse.com.






















glückwunsch zur demo :-) wird zeit, dass sich was tut!
Weil es auch an die Bischofskonferenz gerichtet ist: http://bernhardkraut.wordpress.com/2009/11/14/christoph-schonborn-stellvertreter-der-beleidigung-auf-erden/
GRATULIERE!!!!!!! Ich freu mich für dich – da habt ihr etwas Tolles auf die Beine gestellt! Schön, dass so viele Leute gekommen sind! Schade, dass ich nicht dabei sein konnte ;-(
Danke! War auch schön zu sehen, dass endlich mal viele Leute für ihre REchte auf die Straße gingen.