Ganzseitige Zeitungsinserate und Plakate in Wien mit dem Slogan “Soziale Wärme statt Woarme!” sorgten für Diskussionsstoff und große Aufregung. Hat sich eine neue Rechtspartei mit dem Namen “Österreichs Partei für Recht Würde und Tugend” formiert, die gegen die Homo-Ehe und gegen Ausländer hetzt sowie Sozialleistungen nur für ÖsterreiherInnen fordert. Alles Forderungen die von so manch anderer rechtspopulistischen Parteien bzw. Gruppierungen aufgestellt werden. Nein, es ist keine neue Rechtspartei. Es ist eine Werbung für einen demnächst startetenden Kinofilm.
Groß war heute die Aufregung. In zahlreichen Tageszeitungen wurden ganzseitige Inserate der “Österreichs Partei für Recht Würde und Tugend” geschalten, wo gegen die Homo-Ehe, gegen eine Überfremdung gewettert wurde sowie die Forderung aufgestellt wurde, dass Sozialleistungen nur für ÖsterreicherInnen möglich sein dürfen. Auch die verwendeten Symbole erinnerten wohl bewusst an Symbole des Nationalsozialismus.
Nachforschungen ergaben, dass die Domain rechtwuerdetugend.at auf einen gewissen Fritz Weissenböck registriert ist. Zu diesem Namen verliefen Nachforschungen im Sand. Als Adresse war Studenring 6 im 1. Wiener Gemeindebezirk angeführt. Eine Adresse, an der die Agentur “Goldfish Marketing” eines Herrn Franz Weissenböck residiert, welche vermutlich für diese Kampagne verantwortlich zeichnen dürfte.
Wie sich nun herausstelle, handelt es sich um eine Guerilla-Marketing-Kampagne für den demnächst im Kino startenden Film “Blutsfreundschaft“. Doch schon zuvor gab es Zweifel, ob hier jemand “größer sein möchte, als er ist”, denn so wie hier berichtet wurde, handelt es sich auf der Webseite offensichtlich um einen “Fake-Login”. So ist dies eine Grafik ohne Funktion.
Wie das lesBiSchwule Nachrichtenportal GGG.at berichtet, handelt der am 5. November in Österreich startende, von Peter Kern produzierte, Film vom 16-jährigen Alex, der Mitglied einer Neonazi-Clique ist und eine soziale Einrichtung überfällt. Nach dem Überfall taucht der Jugendliche beim 80-jährigen homosexuellen Wäschereibesitzer Gustav Tritzinsky (gespielt von Helmut Berger). Dieser deckt jedoch den Jungen, da er durch ihn an seine große Liebe erinnert wird, die er während der NS-Zeit an die Gestapo verraten hat. Die Gang von Alex ist jedoch mit der sich entwickelnden Freundschaft zwischen den beiden in keinster Weise einvertanden…
Helmut Berger ist es auch, der auf den Plakaten der vermeintlichen neuen Rechtspartei für die neue Bewegung wirbt.
Filmtrailer auf YouTube:
Tiefstes Niveau
Einerseits ist es erfreulich, dass sich keine neue Rechtspartei formiert hat, die gegen eine tolerante, weltoffene Gesellschaft wettert. Andererseits ist diese Kampagne ein Tabubruch. Die Entgleisungen rechtspopulistischer Parteien, das immer selbstbewusstere Auftreten rechtsextremer Greise zeigen offensichtlich Wirkung. Nun kann auch schon mit Symbolen geworben werden, die Ähnlichkeiten zur NS-Symbolen besitzen sowie eine bestimmte Bevölkerungsgruppe diffamiert werden, um Aufmerksamkeit (was zweifelsohne gelungen ist) zu erhaschen.
Fortsetzung der Serie von Diffamierungen gegen Lesben und Schwule
Auch wenn es “nur” ein “Marketing-Gang” war. Eines ist jedenfalls klar. Die leidige Diffamierung von homosexuellen Menschen, die nachwievor auf die ihnen zustehenden Rechte warten, wird auf immer grausigere Art und Weise fortgesetzt. Neben klerikal-fundamentalistischen Kreisen, die Lesben und Schwule als krank, pervers und Fehler der göttlichen Schöpfung betrachten, bezeichnen und beschimpfen, hetzen auch rechte Kreise immer selbstbewusster gegen Homosexuelle. Aber nicht nur Parteien, Vereine oder andere Gruppierungen treten homophob auch, selbst in Internetforen wird – ohne Reaktion der Seitenbetreiber – gegen Lesben und Schwule gehetzt und teilweise sogar aufgerufen, dass diese doch “vernichtet” gehörten.
In Anbetracht all dieser Geschehnisse ist diese Art der Werbung auf das strikteste abzulehnen.
(Bildquellen: Österreichs Partei für Recht Würde und Tugend)













Tabubruch? Dass man allen Ernstes in Erwägung zieht, dass es wahr sein KÖNNTE (wie auch ich es getan habe), zeigt doch erst, wie weit es in Österreich gekommen ist.. DAS ist der Wahnsinn an der Geschichte.
100%ige zustimmung fwin!
… und genau daher muss diese kampagne unterstützt und nicht mit unangebrachtem political correctness toleranzgefasel angegriffen werden! peter kern eckt an, und das ist gut so!
die gewista weigert sich übrigens diese erste phase der kampagne zu plakatieren “weil sie rechte inhalte haben”, fpö-plakate werden aber problemlos affichiert “weil sie parteiwerbung sind, und die ist gesetzlich geregelt”. WTF??
die ganze aktion ist auf jeden fall unterstützenswert, verstehe nicht ganz die kritik wo sie dem doch selbst zustimmen ?!
Ich sehe die Aktion gänzlich anders. Sie ist schlichtweg inakzeptabel. Auch wenn die Macher womöglich die unsäglichen populistischen Ausrutscher von rechtsaußen satirisch aufgreifen wollten, so dies gründlich misslungen. Warum? Aufgrund zahlreicher und immer heftiger werdender Aussagen aus diesem politischen Spektrum ist diese Art und Weise der politischen Agierungen längst REalität. Dies wird von FPÖ, RFJ, KreuzNet, Die Christen etc. beinahe tagtäglich bewiesen. Populismus ist längst salonfähig und Realität. Da braucht es nicht auch noch diese Art der Kampagne, zumal ich überzeugt bin, dass viele letztlich den Hintergrund nicht kennen und nicht begreifen, dass exakt diese rechtspopulistische Politik kritisiert werden soll. Viel mehr wird der Eindruck entstehen, dass diese Kreise recht haben und diese Art und Weise der Politik in Ordnung geht.
nicht jeder der diese plakate sieht ist rechts und freut sich drüber, viele die an fpö-plakaten inzwischen vielleicht schon belanglos vorbeigehen weil sie alltäglich geworden sind werden sich hier denken: das geht zu weit!
die muss man wachrütteln, ihnen ins gesicht schreien dass es so nicht geht. das kann man nicht mit inzestuösem, schulterklopfendem hin-und-hergeblogge.
Hier die PA zur Werbekampagne (pdf) http://bit.ly/188At8
Selten so einen schwachen Blog-Eintrag gelesen.
Das Recht der FPÖ, in jedem Wahlkampf monatelang ihre Hetzkampagnen zu plakatieren, wird weniger diskutiert, als diese Fake-Kampagne für einen Film. Besonders dumm ist auch die Argumentation der Gewista für ihre Weigerung, die Filmplakate aufzuhängen: Die Werbung der FPÖ müsse man eben aufhängen, denn das sei eine Partei. Übersetzung: Die Partei hat immer recht, aber die Freiheit der Kunst ist uns wurscht.
Alleine der Gesichtsausdrucks dieses Typen auf dem Plakat wirkt wie einer aus der Nazi – Zeit brrrrr
Ob die Kampagne als Protestaktion sinnvoll war lässt sich wirklich bezweifeln. Mir kam beim Anblick der Werbeschaltungen das kalte Grausen, einen Nati hätte sie wohl in seinen Ansichten bestärkt. Große Aufregung hat sie jedenfalls nicht gebracht, das allein spricht aber auch schon für sich. Würde wirklich eine Partei vom Schlag NPD in Österreich kandidieren, würde es offenbar kaum jemanden aufregen.
Jedenfalls war ich vom Film maßlos enttäuscht. Reisserische Ausbeutung tiefster Klischees, unrealistische Darstellungen, schwaches Drehbuch. Blutsfreundschaft hat in der sensiblen Thematik wirklich niemanden geholfen. Und die dem Film folgende Selbstbeweihräucherung Peter Kerns war mir dann endgültig zuviel.
Schade drum.