Endlich – Rasen, statt rasen am Ring!

Europäische MobilitätswocheHeute fand in Wien von 14 bis 19 Uhr eine Demonstration anlässlich der “Europäischen Mobilitätswoche” statt. Der autofreie Tag findet heuer zum 10 Mal statt und insgesamt beteiligten sich österreichweit 375 Gemeinden am autofreien Tag. Europaweit waren es insgesamt (nur) 1.684 Städte/Gemeinde. Die Sperre des Ringes in Wien hat für heftige Reaktionen verschiedener politischer Parteien und Autofahrerclubs gesorgt. Unverständlich, denn mit dieser Aktion soll aufgezeigt werden, dass der Individualverkehr ein Haupttreiber des Klimawandels ist und Mobilität auch ohne Auto möglich ist.

Koordiniert wurde die Aktion “Rasen am Ring” vom Klimabündnis Österreich. Peter Czermak vom Klimabündnis will zeigen…:

„wie und wann man auch ohne Auto gut unterwegs sein kann. Das ist viel öfter möglich, als die meisten glauben. Immerhin sind die Hälfte der Autofahrten unter fünf Kilometer.”

Teile der Politik reagierten auf die Demonstration verstimmt. Anstatt die Aktion als Zeichen zu sehen, dass der Klimakiller Autoverkehr reduziert gehört und Mobilität insbesondere in städtischen Gebieten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben ist, wird die Aktion scharf kritisiert.

Die ÖVP-Bezirksvorsteherin der “Inneren Stadt”, Ursula Stenzel sah in der Ringsperre eine “Provokation”. Die FPÖ ging noch einen Schritt weiter und so sprach FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik von “Autohassern” und, dass man als Autofahrer in Wien eine “arme Sau” ist.

Die SPÖ verteidigte gestern noch die Sperre der Ringstarre und begründete dies mit dem Recht auf Demonstrations-/Versammlungsfreiheit. Heute ruderte SPÖ-Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker zurück und kritisierte ebenfalls die Sperre:

“Aktionen bei denen das Demonstrationsrecht bewusst nur deshalb in Anspruch genommen wird, um im Wiener Straßenverkehr zur Hauptverkehrszeit künstlich Hindernisse zu erzeugen, schätze ich absolut nicht.”

Es ist in Österreich verpönt, die “heilige Kuh” anzutasten und einzuschränken. AutofahrerInnen werden im Straßenverkehr bevorzugt. Die Notwendigkeit eines raschen Handelns wird negiert, dabei zeigen allein schon die Klimadaten des 21. Jahrhunderts, dass “wir” bereits mittendrin sind im Klimawandel.

2000 – 2008 durchgehend zu warm

Sämtliche Jahre im 21. Jahrhundert waren (mit kleinen regionalen Unterschieden) übernormal warm temperiert:

2000: 0,6 bis > 1,4 °C (Abweichung zu Normalwerten)
2001: – 0,2 bis > 1,0 °C
2002: 0,6 bis > 1,4 °C
2003: – 0,2 bis > 1,0 °C
2004: – 0,6 bis 0,6 °C
2005: – 0,6 bis 0,6 °C
2006: – 0,2 bis > 1,0 °C
2007: < 1,0 bis > 1,8 °C
2008: < 0,6 bis > 1,8 °C

Klimawandel auf den Bergen Österreichs

Quelle: Zentralanstalt f. Meteorologie und Geodynamik

Quelle: Zentralanstalt f. Meteorologie und Geodynamik

Die Auswirkungen auf Flora und Fauna sind enorm. Die Gletscher schmelzen rapide dahin und die Permafrostgrenze verschiebt sich laufend weiter nach oben. Die Alpen sind eine der sensibelsten Ökosysteme der Welt und reagieren äußerst sensibel auf Klimaveränderungen. In den letzten 100 Jahren ist die Permafrostgrenze bereits um 150 bis 200 Meter nach oben gewandert. Ein weiterer Temperaturanstieg von 1 bis 2 Grad Celsius bewirken ein weiteres Ansteigen um 200 bis 750 Meter, wie Greenpeace ausführt.

Die Durchschnittstemperatur wird bei einem ungebremsten Klimawandel weiter deutlich ansteigen, so Global 2000:

“Bei einem ungebremsten Klimawandel sind bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine Zunahme der Durchschnittstemperaturen von bis zu 5 °C zu befürchten. Fünf Grad mehr klingt nach nicht viel, ist aber genau der Unterschied von der letzten Eiszeit bis heute.

Ohne Gegenmaßnahmen droht uns daher innerhalb von Jahrzehnten eine „Heißzeit.“ „Weder wir Menschen noch die Natur können sich in so kurzer Zeit an diese Aufheizung anpassen. Gesundheitliche Probleme, besonders für Kinder und ältere Menschen, sind zu befürchten. Außerdem droht ein massives Artensterben im Naturraum Alpen.“

Wie weit der Klimawandel mittlerweile fortgeschritten ist, zeigen auch großflächige Anomalien im Atlantik, wo seit Anfang Juni die Meerestemperaturen zurückgehen und der Golfstrom – die “Heizung Europas” sich verlangsamt. Schon lange warnen ForscherInnen, dass der Klimawandel zu einem Erlöschen des Golfstromes kommen kann. Das würde bedeuten, dass in Europa eine neue “Eiszeit” droht.

Einzig die Grünen begrüßten die Aktion und erinnerten die ÖVP nach deren Kritik daran, dass 2004 Josef Pröll – heute Vizekanzler, damals Umweltminister – selbst Teilnehmer der Ringsperre war und sich medienwirksam auf einem Rad fotografieren lies… Heute zählt Klimaschutz wohl nichts mehr, was auch die kürzlich beschlossene Ökostromnovelle zeigt, wie Christine Brunner bloggte. So wird mit dieser Novelle kein Cent mehr für Klimaschutzmaßnahmen ausgegeben.

Hier ein paar Fotos von “Rasen am Ring”

Rasen-am-Ring-1

Rasen-am-Ring-2

Rasen-am-Ring-3

Rasen-am-Ring-4

Dauerhafte Ringsperre

Schade, dass dieser Rollrasen ab 19 Uhr wieder aufgerollt wurde und der Ring wieder dem Auto-/LKW-Verkehr übergeben werden musste.  Es wäre begrüßenswert, wenn der Ring dauerhaft für den Indivudalverkehr gesperrt bleiben würde und den WienerInnen, RadfahrerInnen und FußgängerInnen mehr Platz gegeben werden würde. Dass der Verkehr auch ohne Ring in Wien funktioniert, hat die mehrwöchige Sperre des Rings anlässlich der Europameisterschaft im JAhr 2008 gezeigt. Auch hier befürchteten viele ein großes Verkehrschaos in Wien. Nur, ist dieses ausgeblieben…

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  1. Anonymous sagt:

    so ein scheiß kann a nur von den linkslinken weltfremden trotteln daher kommen

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  2. Oliver sagt:

    @anonym Wohl noch nichts vom Demonstrations-/Versammlungsrecht gehört? Ich lass mich gern als linkslinken Trottel beschimpfen, wenn es darum geht, auch für die nächste Generation eine (halbwegs) intakte Natur zu überlassen.

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