Hass, Gewalt, Hetze, Prügel, Verletzungen, Homophobie,… All das sind Bezeichnungen die die “Belgrade Pride” 2001 traurigerweise am besten beschrieb. Kommendes Wochende findet nach jahrelanger Zwangspause wieder die “Belgrade Pride” statt. Lesben und Schwule trauen sich wieder, für ihre fundamentalen Rechte einzutreten. Doch auch heuer droht eine Gewaltorgie von religiösen und rechten Gruppierungen. In Anbetracht der Videos aus dem Jahr 2001 ist selbst meine pazifistische Grundhaltung in Gefahr…
Gerade in osteuropäischen Städten schlägt Lesben und Schwule eine sehr stark ausgeprägter und mit Gewalt gezeigter Hass entgegen. Vor wenigen Wochen demonstrierten Lesben und Schwule in Budapest für Toleranz, Akzeptanz und für Gleichstellung. Zwar gab es im Gegensatz zum Vorjahr nur geringe Ausschreitungen, doch lag der Grund nicht an einer toleranteren Gesellschaft, sondern an einer Budapest Pride, welche hermetisch abgeriegelt wurde. Der Paradenumzug, der für Toleranz und Offenheit eintritt, erfolgte quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, was leider notwendig war, da auch heuer wieder rechte und rechtsextreme Gruppierungen mit Hassparolen gegen Lesben, Schwule und Transgender protestierten.
Homophobe Gesellschaft in Serbien
Kommendes Wochende also findet die erst zweite Belgrade Pride der Geschichte statt. Auch heuer befürchtet die Polizei Ausschreitungen. Aus diesem Grund wird es am Paradeplatz Umkleidekabinen geben, damit die TeilnehmerInnen “unauffällig” zur Veranstaltung gelangen können.
Traurigerweise ist die Ablehnung von Homosexualität kein Phänomen von klerikalen-kirchlichen und recht(sextrem)en Kreisen. Homophobie kommt auch aus der Mitte der Gesellschaft, obwohl Homosexualität seit 1994 nicht mehr verboten ist, doch bezeichnen zwei Drittel der serbischen Bevölkerung Homosexualität für eine Krankheit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass religiöse Kreise die Wiedereinführung des Verbotes von Homosexualität fordern.
Laut einem am Montag veröffentlichten Bericht “Serbia: Human Rights Defenders at Risk“ von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, leben MenschenrechtsaktivistInnen und Homo-RechtlerInnen ständig in Lebensgefahr.
Sian Jones, Amnesty-Balkan-Experte führt aus:
“Die schwul-lesbische Community wird sogar in der Zivilgesellschaft an den Rand gedrängt. Polizeiliche Ermittlungen nach Übergriffen auf Homosexuelle führen selten zu Ergebnissen – sogar dann, wenn die Täter bekannt sind.”
Insbesondere kritisiert Jones auch die Versäumnisse der serbischen Politik:
“Die serbischen Behörden müssen die Rechte aller Menschen auf Rede- und Versammlungsfreiheit schützen. Sie müssen öffentlich alle Angriffe auf Menschenrechtsaktivisten verurteilen und den CSD in Belgrad schützen und unterstützen.”
Gewalttätige Übergriffe wie bei Belgrade Pride 2001?
Wie gefährlich die Situation am Sonntag werden kann, zeigen Graffitis der nationalistischen Organisation “Obraz” die in den letzten Tagen in Belgrad aufgetaucht sind. Darauf heißt es: “Wir warten auf euch” Unterzeichnet von “Obraz”.
Mladen Obradovic, Generalsekretär von “Obraz” führt in der Tageszeitung “Politika” die Haltung gegenüber Homosexuellen seiner nationalistischen Organisation aus: So vertritt er die Meinung, dass “allen bekannt” sei, dass eine “riesige Mehrheit des serbischen Volkes” gegen die Belgrade Pride sei. Darüberhinaus droht er den Organisatoren:
“Die Organisatoren werden daher die Hauptverantwortung für alles tragen, was passieren wird.”
Die Tageszeitung “Politika” berichtet ferner, dass laut Polizeiinformationen, die Gegner der Parade auch Überfälle auch Ordnungshüter planen, die für die Sicherheit der Belgrade Pride sorgen sollten. Wie geplant die (vermutlich gewalttätigen) Proteste sein könnten, zeigt, dass auch Ausschreitungen außerhalb des Stadtzentrums, wo die Parade stattfinden soll, geplant sind. Damit soll erreicht werden, dass Einsatzkräfte abgezogen werden und die Möglichkeit zu Angriffen auf die ParadenteilnehmerInnen steigt.
Wie dramatisch, lebensgefährlich die Situation 2001 in Belgrads Innenstadt war, zeigen diese beiden YouTube-Videos. Sie zeigen eine hasserfüllte Menschenmenge, eine völlig hilflose Polizei, die es nicht schaffte, die TeilnehmerInnen zu schützen, und zahlreiche abscheuliche Gewaltorgieren.
Schlachtruf der Angreifer: “Tötet die Schwuchteln!”
Video 1: “Belgrade Pride March 2001″
(Videoquelle: YouTube)
Video 2: “First Serbian Pride – Bloody Shutdown”
(Videoquelle: YouTube)
Diese Bilder haben mich ehrlich schockiert und es kam – ganz ehrlich – eine derart große Abneigung gegen diese Vollidioten. Richtig. Das sind dumme, intoleranzte Volltrotteln. Klar, diese Ausdrucksweise ist nicht die feinste Art, aber er ist gerechtfertigt. Die Angriffe sind feig und verabscheuungswürdig. Bei derlei Intoleranz und Hass hilft auch wenig sachliches Argumentieren. Beinahe hätte ich meine pazifistische Grundhaltung überdacht, doch eines ist klar. Gewalt ist NIE eine Lösung und Gewalt erzeugt erst recht wieder Gewalt.
Kleiner Schritt zu etwas Normalität?
Immerhin hat die serbische Politik kleine Schritte zu einem besseren Schutz von Lesben und Schwulen gesetzt. So wurde Anfang 2009 ein Antidiskriminierungsgesetz beschlossen, das auch das Merkmal sexuelle Orientierung beinhaltet.
Allerdings hat die Regierung Anfang des Jahres ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz beschlossen, in dem auch das Merkmal sexuelle Ausrichtung enthalten ist. Heur möchten auch Teile der serbischen Politik am CSD teilnehmen und auf diese Art und Weise ihre Solidarität mit Lesben und Schwulen setzen.
Viel wichtiger wäre umfassende Aufklärung und eine entsprechende Strafgesetzgebung gegen alle gewalttätigen Angriffe gegen die TeilnehmerInnen der Belgrade Pride.













Belgrade Pride wurde abgesagt, da die Polizei in Anbetracht der massiven Drohungen aus religiösen und vorallem recht(sextrem)en Kreisen nicht für die Sicherheit der ParadenteilnehmerInnen garantieren konnte.
Infos gibt’s hier:
http://www.gaywien.at/headnews/1394-belgrad-pride-2009.html
http://www.b92.net/eng/news/politics-article.php?yyyy=2009&mm=09&dd=19&nav_id=61848
Traurig. Menschenrechte bleiben auf der Strecke und die Politik kapituliert vor religiösen fundamentalistischen und recht(sextrem)en Kreisen.
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Hallo Leute
Ihr müsst verstehen, dass die grosse Mehrheit keine Schwulen in unseren (serbischen) Geseltschaft und in der Nähe unseren Kinder haben will. Die Gesetze worden auf nicht demokratische Art und Weise geändert. Wenn das Volk wählen könnte, würde dieses Gesetz über “sexuelle freicheit” nicht durch kommen.
Wir verstehen euere Parade als eine absichtliche Provokation. Es ist kein Wunder das es dabei zu ausschreitungen kommt.
Ich gebe einen guten Rat mit auf den Weg:
Nehmt unsere Schwulen und Lesben mit in die westliche Städte in dennen diese homosexuelle Bewegung besser akzeptiert wird. In Belgrad werdet Ihr keine Akzeptanz finden. Homosexualität betrachten wir als eine psychische Krankheit, obwohl dieses Zustand in den Medien als Normal behandelt wird….
Gruss
Dario