Wirtschaftskrise, Krems, Schweinegrippe, ETA-Terror. Das sind die gewichtigen Themen seit Monaten bzw. Wochen in den Medien. Leider! Denn ein Thema, welches die Menschheit seit Jahren und die nachfolgenden Generationen betreffen und fordern wird, wird so gut wie kaum thematisiert: Der Klimawandel! Dieser ist kein Zukunftsszenario mehr! Dieser findet längst statt und die Auswirkungen werden von Jahr zu Jahr spürbarer. Der heurige Sommer ist einer der gewitterträchtigsten und unwetterreichsten Sommer der letzten Jahrzehnte und die “Heizung Europas”, der Golfstrom zeigt seit einigen Wochen große und sehr bedenkliche Anomalien.
Selbstverständlich kann von Einzelereignissen, wie beispielsweise die zahlreichen Unwetter und Gewitter im heurigen Sommer, nicht zwangsweise auf den Klimawandel geschlossen werden. Die Häufigkeit lässt aber schon darauf schließen, dass sich das Klima umstellt. Die Belege dafür werden schrittweise immer mehr.
“Heizung Europas” in Gefahr?
Das west- und mitteleuropäische Klima ist maßgeblich vom Atlantik beeinflusst, da sich große Teile Europas in der Westwindzone befinden. Dadurch werden milde Luftmassen durch häufige Westwinde über weite Teile des Kontinents transportiert. Trotz der relativ weit nördlichen Lage Europas ist das europäische Klima deutlich milder als beispielsweise in nordamerikanischen Gefilden. Woran liegt das?
Der Golfstrom ist die Heizung Europas. Dieser transportiert warme Wassermassen aus dem Golf von Mexiko quer über den Atlantik bis nach Nordeuropa vor die Küste Norwegens. Der Golfstrom ist einer der stärksten Meeresströmungen der Welt.

Quelle: Spiegel Online
Versiegt diese Wärmepumpe, so wird sich in Europa ein drastischer und rasch erfolgender Klimawandel einstellen und der Meeresspiegel im Nordatlantik um bis zu einem Meter ansteigen. Trotz der globalen Erwärmung wird es in Europa (vorübergehend) deutlich kälter werden, was zu deutlich längeren Wintern führen würde (via).
Erste Anzeichen?
Bereits seit längerer Zeit hat der Golfstrom begonnen, sich zu verlangsamen, doch seit Anfang Juni zeigt die Meeresströmung ungewöhnliche und ausgeprägte Anomalien. Im gesamten Nordatlantik kühlen sich – beginnend bei den Azoren Anfang Juni – die Meerestemperaturen ab und die Anomalie breitet sich auf eine immer größere Fläche des Nordatlantik aus. Gleichzeitig stieg an der Ostküste Nordamerikas der Meeresspiegel (vorübergehend) um 60 cm.

Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sst_anom.html
Die Abkühlung und die Verlangsamung des Golfstroms können ein Anzeichen für große Instabilität der Meeresströmung sein, denn die Eissschmelze in der Arktis hat in den letzte Jahren massiv zugenommen wodurch immer größere Mengen an Süßwasser ins Meer fließen und Einfluss auf die von Winden und Salzgehalt beeinflussten Meeresströmungen nehmen.

Quelle: nsidc.org/
Klimaindikator: Gletscher
Wie fortgeschritten der Klimawandel bereits ist, lässt sich einerseits an den gemessenen Durchschnittstemperaturen, aber auch den Gletschern messen, welche wie ein Fieberthermometer auf Klimaänderungen reagieren. Seit den 80er-Jahren ist ein drastischer Temperaturanstieg auf den österreichischen Bergen zu erkennen, wie die Daten (pdf) der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zeigen:

Quelle: Zentralanstalt f. Meteorologie und Geodynamik
Die Auswirkungen dieser wärmeren Temperaturen auf Flora und Fauna sind dramatisch. Die Gletscher schmelzen rapide dahin und die Permafrostgrenze verschiebt sich laufend weiter nach oben. In den letzten 100 Jahren ist die Permafrostgrenze bereits um 150 bis 200 Meter nach oben gewandert. Ein weiterer Temperaturanstieg von 1 bis 2 Grad Celsius bewirken ein weiteres Ansteigen um 200 bis 750 Meter, wie Greenpeace ausführt.
Weltweit haben die Gletscher seit 1980 durchschnittlich 30 Zentimeter an Dicke pro Jahr verloren. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Glätscher die Hälfte ihres Gesamtvolumens und ein Drittel ihrer Fläche verloren. Hält dieser Trend an, werden bis Ende des 21. Jahrhunderts ein großer Teil der Alpengletscher der Vergangenheit angehören.
Anschaulich dargelegt werden diese Entwicklungen anhand der Massenbilanz für den Sonnblickkees im Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky:

Quelle: Gletschertagebuch Heinz Slupetzky
Ähnliche dramatische Zahlen liefert das Institut für Geographie und Raumforschung der Uni Graz führt jährliche Messungen an Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze, durch. Die Ergebnisse spiegeln den drastischen Gletscherschwund wider. Zwischen 1852 und 2004 hat die Pasterze insgesamt 1.800 m an Länge und zwischen 1947 und 2007 fast 160 m an Höhe verloren! Allein zwischen 1985 und 2002 verlor die Pasterze 600 m an Länge. Die Fläche verringerte sich von 26,5 qkm (1851) auf 18,5 qkm (2002).
Diese Zahlen mit einem drastischen Bild verdeutlicht (links: 1875, rechts: 2004):

Quelle: greeneconomix.com
Politik schläft weiter
Trotz all dieser Anzeichen und Entwicklungen scheinen große Teile der Politik bis dato nicht begriffen haben, dass trotz Wirtschaftskrise die Herausforderungen des Klimawandels längst angegangen gehörten, denn sonst wird der Klimawandel die größte Krise verursachen, die die Menschheit je gesehen hat – Milliarden Klimaflüchtlinge, Kriege um Trinkwasser, Städte welche vom Meer geschluckt werden, neue Krankheiten, aber auch wirtschaftliche Probleme wie z.B. kein Skitourismus mehr in weiten Teilen Österreichs, usw.
Wie lasch und erfolgslos das Thema Klimaschutz in Österreich angegangen wird, zeigt der letzte Klimaschutzbericht (pdf, 4,8 MB). Österreich ist von den Kyoto Klimaschutzzielen weiter entfernt denn je. Einer der Hautgründe ist der Individualverkehr. Doch anstatt hier konkrete Maßnahmen anzusetzen, wurde in Anbetracht der Wirtschaftskrise eine Verschrottungsprämie angeboten, welche jedoch an keine CO2-Emissionsgrenze gebunden war.
Idee einer Fahrradprämie
Fahrradfahren schont die Umwelt und ist zeitgleich gesund! Laut dem VCÖ vermeiden RadfahrerInnen bei einer jährlichen Strecke von 1.000 km insgesamt 180 kg CO2. Schon damals hat der VCÖ eine Fahrradprämie (oder einen Rabatt bei Kauf einer Jahreskarte für die Öffis) in Höhe von 100 Euro gefordert, da damit ein Anreiz geschaffen werden kann, um vom Auto auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen, geschaffen werden kann. Am Beispiel Wien müssten Personen, die eine Jahreskarte für die Wiener Linien kaufen, nur 350 Euro statt 450 Euro zahlen. Ein großer Anreiz für den Umstieg auf die “Öffis”.
Nun ist die SPÖ Wien auf diesen Zug aufgesprungen und verkündete stolz die Einführung einer “Ökoprämie für Fahrräder“. Klingt ja nicht so schlecht, doch die Prämie beträgt läppische 70 Euro und ist auf 500 Räder beschränkt.
Toll! Der Wiener SPÖ ist eines der umweltfreundlichsten und gesündesten Fortbewegungsmittel gerade einmal 35.000 Euro wert. Für die Verschrottungsprämie für Autos dagegen waren 45.000.000 Euro vorgesehen. Lächerlich.
Die Grünen Oberösterreich (pdf) dagegen setzen auf Elektromobilität und möchten das ganze Land mit Elektrotankstellen überziehen, wo E-Autos mit grüner Energie aufgeladen werden können.
(Bildquelle: Flickr CC travellingtamas)













Klima?
egal,haupsache Profit,dann ist alles gut…………………..
Der erste Teil des Berichts klingt treffend – am letzten Teil scheind man einen Fahradhersteller angetroffen zu haben…
Super Artikel, jetzt muss ich nur noch jemanden finden der Ahnung davon hat und mir das ganze nochmal im Detail erklären kann.