Seit einigen Monaten kann mensch (fast) täglich in diversen Medien von Gewalttaten gegen Schwule und Lesben (z.B. in der deutschen Hauptstadt Berlin) oder von menschenverachtenden Hetzartikeln und -Reden gegen homosexuell l(i)ebende Menschen lesen. Es scheint als würde sich schrittweise erkämpfte und erreichte Toleranz, Akzeptanz und Normalität von und für Schwule und Lesben schrittweise wieder zu bröckeln und zu verkleinern zu beginnen. Dabei wäre es doch so einfach, doch die Intoleranz und Kleinkariertheit vieler Menschen scheint stetig zu wachsen.
Kaum vom Urlaub zurückgekehrt musste ich erneut zur Kenntnis nehmen, dass die ÖVP all ihre Versprechungen zur Gleichstellung von Schwulen und Lesben in Österreich schrittweise zurück rudert. Nachdem seit Monaten ein lächerlicher Eiertanz rund um die “Homo-Ehe” geführt wird und trotz zahlreicher Bekenntnisse, das Koalitionsabkommen ernst zu nehmen und umsetzen zu wollen, werden die Stimmen konservativer Fundis ÖVP-PolitikerInnen immer lauter, die gegen die “Homo-Ehe” votieren.
Häufig genanntes Argument ist, dass die Natur Homosexualität nicht vorgesehen hat. Mh? Frage: Wenn es nicht vorgesehen ist, warum ist dann Homosexualität ein Faktum? Warum sind Schwule und Lesben Realität? Viele Menschen christlichen Glaubens glauben außerdem nicht an die Evolutionstheorie, sondern an die Schöpfungsgeschichte, wonach Gott die Welt nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Ok, einerseits halte ich ist diese Theorie ohnehin für schlichtweg falsch, aber das ist ein anderes Kapitel. Dann stellt sich die Frage, wenn die Welt nach Gottes Plan geschaffen wurde, wieso gibt es dann Homosexualität? Wieso gibt es Menschen die sich emotional, sexuell dem eigenen Geschlecht hingezogen fühlen? Simple Antwort für Kreationisten: Gott hat es so gewollt.
Aber um auf den “Fehler” der Natur zurückzukommen, kann es nicht wider der Natur sein, wenn Homosexualität bei vielen Lebewesen auf dem Planeten wissenschaftlich nachgewiesen und bestätigt ist.
Die gesamte Argumentationslinie der Homo-Ehe GegnerInnen ist löchrig und basiert auf unhaltbaren und widerlegbaren Argumenten. Insofern macht sich die ÖVP schlichtweg lächerlich und begibt sich auf eine Stufe mit einer anderen homophoben Organisation – der röm.kath. Kirche.
Piusbruderschaft: Homosexualität eine Straftat
Die Piusbruderschaft, welche mittlerweile wieder in die r.k. Kirche aufgenommen wurde, hetzt – wie bereits vor wenigen Wochen – erneut gegen Schwule und Lesben und spricht von der Straftat Homosexualität und fordert ein Verbot von Homosexualität. Anlass ist der CSD am kommenden Wochenende in Stuttgart, wo tausende Schwule und Lesben für die ihnen zustehenden Rechte, für Toleranz und Akzeptanz demonstrieren (und natürlich eine Party feiern).
Am Rande des CSD will die Piusbruderschaft – wie schon 2008 – eine Gegendemonstration veranstalten um gegen den Verfall der Moral und für Gottes Gebote demonstrieren. Demonstrieren ist ihr gutes Recht, aber Volksverhetzung ist in keinster Weise tolerierbar. Das Wort Säkularisierung ist der traditionalistischen Piusbruderschaft offenbar ohnehin fremd. Es scheint, als wäre das Optimum ein christlicher Gottesstaat, wo die Gesellschaft nur nach den (mMn) veralteten und längst nicht gültigen Regeln leben darf.
Ablehnung von “Regenbogenfamilien”
In Deutschland tobt derzeit ein besonders heftiger Kampf zwischen jenen, die Lesben und Schwule endlich die gleichen Rechte zusprechen wollen, und jenen, für die homosexuelle Menschen ein “Fehler der Natur” sind. So spricht sich nun auch die r.k. Kirche in Deutschland gegen Regenbogenfamilien aus – wie dies bereits Papst Benedikt in der Vergangenheit auf zurückweisende Art und Weise getan hatte.
Zwar spricht der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick davon, dass in “Einzelfällen” Kinder auch in Regenbogenfamilien glücklich sein können, doch nimmt er an, dass der Regelfall ein anderer wäre. Auch hier zeigt sich, dass die r.k. die Scheuklappen aufgesetzt hat. Häufig wird damit argumentiert, dass die von Lesben und Schwulen aufgezogenen Kinder “homosexuell werden müssten”, doch belegen Studien, dass Kinder aus Regenbogenfamilien ebenfalls im Durchschnitt zu 91-94% zu heterosexuellen Erwachsenen heranwachsen. Ähnliche Ergebnisse, wonach Kinder in Regenbogenfamilien ebenso gut aufgehoben sind, liefert eine aktuelle Studie der deutschen Justizministerin Brigitte Zypries. Argument der Regenbogenfamilien-Gegner widerlegt!
Resümee: Die römisch-katholische Kirche ist und bleibt ein ewiggestriger Verein an Menschen.
Schluss mit den Diffamierungen: “Mir reicht’s!”
“Es reicht” sagte vor wenigen Monaten Wilhelm Molterer anlässlich der Koalitionsaufkündigung durch seine ÖVP. Ja, auch mir reichts!
- Mir reicht dieser unerträgliche Konservatismus und die Menschenverachtung. Mir reicht diese Intoleranz gegenüber Lebensformen, welche von der vermeintlichen heterosexuellen Normativität abweicht.
- Mir reicht es, von diversen Gruppierungen laufend als krank, pervers, Fehler der Natur beschimpft und beleidigt werden zu müssen.
- Mir reicht es, kriminalisiert zu werden.
- Mir reicht es, in der Öffentlichkeit doof angeschaut zu werden, weil viele Menschen nachwievor keine Ahnung von Sexualität und den von der Natur aus vorgesehenen Varianten haben.
- Mir reicht es, dass mir als Steuerzahler viele meiner (Menschen)rechte vorenthalten werden.
- Mir reicht es, ewig Versprechungen zu erhalten, die die ÖVP ohnehin nicht gewillt ist, einzuhalten.
- Mir reicht es, immer wieder auf schwachsinnige, weil homophobe Aussagen hinweisen zu müssen.
Ich will endlich meine Rechte haben. Ich will keine Alibigleichstellung. Ich will ALLE Rechte (und auch Pflichten), welche für heterosexuelle PartnerInnenschaften gelten! Daher ist der einzige Weg, sämtliche notwendigen Gesetze durch eine Generalklausel zu reformieren. Nur das bedeutet echte Gleichstellung.
Wieso soll es in Österreich nicht möglich sein? Kanada hat’s, Schweden hat’s (sowie viele andere Staaten auch) und es funktioniert wunderbar, wie mein (subjektiver) Eindruck in Toronto und Stockholm zeigte. Homosexuelle und heterosexuelle Paare zeigen sich ungeniert in der Öffentlichkeit, dürfen heiraten und gemeinsam Obsorge für Kinder übernehmen (Schweden). Das ist Weltoffenheit. Das ist Gleichstellung. Jedwede andere Lösung ist unerträglicher österreichischer Konservatismus und Kleingeisterei – diese hatten “wir” schon viel zu lange! Das Kapitel gehört geschlossen. Auf zu neuen Ufern…













+1 ganz deiner meinung. danke für das posting!
100% agree, guter Artikel! Den sollte jedeR mindestens einmal lesen – als Pflichtprogramm ;)
@ stefan & Peter:
Danke! Gegen weiterverbreiten oder twittern hab ich nichts einzuwenden ;-))
Btw: die Fundiseite kreuz.net hat gestern ebenfalls schon wieder einen “grausigen” Artikel veröffentlicht, wo sie (mal wieder) über die Krankheit Homosexualität schwadronieren und die “gute alte Zeit loben”, als Schwule und Lesben einfach umgebracht wurden. Volksverhetzung!
http://www.kreuz.net/article.9569.html
Autor ist übrigens der Obmann der “Christlich-Sozialen-Arbeitsgemeinschaft Österreichs” in Waizenkrichen, Oberösterreich, welche strikte Abtreibungsgegner sind und deren Webseite in Anlehnung an den Holocaust mit Babycaust.at registriert ist.
Mich macht es traurig, dass wir nicht von (Teilen) der Gesellschaft anerkannt und akzeptiert werden. Es mussten schon so viele Menschen für ihre Rechte kämpfen – hört das denn nie auf?
religion is unnatural!!!!!