Seit einiger Zeit schaltet die Stadt Wien (und damit eigentlich die SPÖ selbst) in Tageszeitungen Inserate, die jugendliche ErstwählerInnen motivieren sollen, am 7. Juni ihre Stimme bei der Wahl zum Europäischen Parlament abzugeben. So versucht die Stadt Wien, die potentiellen WählerInnen mit dem markigen Slogan “eh kloa!” anzusprechen und das Interesse für Europapolitik zu wecken. Prinzipiell positiv, dass ErstwählerInnen auf das Stimmrecht aufmerksam zu machen, doch welchen Sinn heutiges Inserat haben soll, ist schleierhaft, wird es wohl genau das Gegenteil bewirken.
Heute ist in der Gratiszeitung “heute” folgende “eh kloa“-Werbeeinschaltung des Stadt Wien – Presse- und Informationsdienstes (MA 53) geschalten worden:

Quelle: "Heute", 18.5.2009, Nr. 1176
Falls die Aussage des heutigen Jungwählers nicht zu erkennen ist – Lukas Rauchwarter (16) meint zur Wahl des “Europäischen Parlaments“: “Ich werde nicht wählen gehen, weil ich mich eigentlich noch nicht dafür interessiert und nicht informiert habe.”
Zunächst einmal habe ich Zweifel, ob Jugendliche sich mit derartigen Inseraten oder Internetseiten überhaupt für Politik zu interessieren beginnen, da dafür das Schulfach Politische Bildung besser geeignet wäre. Aber ok, es ist durchaus den Versuch wert, die Internetgeneration mit eigenen Internetplattformen anzusprechen. Damit derartige Angebote aber genutzt werden, muss ein prinzipielles Interesse an Politik im Allgemeinen und die Bereitschaft vorhanden sein, sich mit politischen Themen auch zu beschäftigen.
Diese ausgewählte Aussage des jungen Österreichers hat jedenfalls den Eindruck auf mich, als ob die Stadt Wien JungwählerInnen aufruft, nicht wählen zu gehen.
Rechte Inhaltslosigkeit wird “belohnt”
Eine aktuelle Studie bestätigt, dass die Rechte bei Jugendlichen großen Zuspruch findet. Schon bei der Nationalratswahl im Herbst 2008 brachte es derStandard in Bezug auf die WählerInnenstromanalyse von jungen WählerInnen bis 30 sehr prägnant auf den Punkt: “Männlich, jung, ungebildet sucht Partei”. Ähnliches wird wohl auch bei der EU-Wahl passieren (so befürchte ich), doch ein Wahlprogramm lässt sich auf der FPÖ-Homepage nicht finden. Ungebildete WählerInnen (und nicht nur JungwählerInnen) lassen sich von plumpen, verhetzenden Plakaten und Discotouren von “Kreuzritter” HC Strache dermaßen blenden und beeindrucken, dass es sich die FPÖ leisten kann, kein EU-Wahlprogramm auf der Homepage zum Download anbieten zu müssen. Stattdessen werden die volksverhetzenden (?) Plakate “Abendland in Christenhand” zum Download angeboten.
Ähnliches auch bei der zweiten Rechtspartei, dem BZÖ. Neben vielen Downloadmöglichkeiten alter und aktueller Plakatkampagnen, habe ich das Wahlprogramm vergeblich gesucht.
Infos zum Wahlprogramm der weiteren Parteien
Sämtliche anderen antretenden Parteien/Listen haben eine eigene Internetpräsenz zur EU-Wahl oder zumindest ausführliche Infos zu den eigenen Forderungen online gestellt.
(Bildquelle: Europäisches Parlament)













Mir ist nicht ganz klar, worauf du hinauswillst? Auf das Sujet dieser Anzeige (negativ besetzt, was nicht so schlecht ist) oder auf die Internetauftritte? Bei letzterem möchte bemerken, dass keine Partei derart präsent im Netz ist wie die Grünen, es aber trotzdem nichts nützt, nur präsent zu sein ;-)
Naja, wer sich mit Politik gar nicht auseinandersetzt und überhaupt nicht darin interessiert ist (woran natürlich etwas geändert werden sollte), muss auch nicht unbedingt wählen gehen. Was bringt’s, wenn man in der Wahlkabine steht und nicht mal weiß, was diese lustigen Abkürzungen da eigentlich bedeuten?
@ Mathias:
Am Wahlzettel steht neben dem Kürzel SPÖ, ÖVP, GRÜN, etc auch der volle Name. Aber womöglich kommen sie gar nicht soweit (mit dem Lesen) vor lauter Fragezeichen… ;-)
Echt stark