Dominik Nepp wird aller Vorraussicht nach Johann Gudenus im Herbst als neuer RFJ-Obmann, der Jugendorganisation der FPÖ, nachfolgen. Dem Internetjugendmagazin CHiLLi.cc stand er für ein Interview inklusive Wordrap zur Verfügung. Neben üblichen freiheitlichen Positionen zu AsylantInnen, Europäische Union, drehte sich vieles um die NVP, Burschenschaften und eine mögliche Nähe zum Rechtsextremismus.
Dominik Nepp ist Mitglied der “traditionsbewussten, fortschrittlichen, deutschbewussten, mensurfechtenden, für die Freiheit eintretende Akademische Burschenschaft Aldania Wien”. In der Bezeichnung der erste Widerspruch: Traditionsbewusst vs. fortschrittlich? Jedenfalls vertritt Nepp, der sich HC Strache als Wiener Bürgermeister wünscht, durchaus “interessante” Positionen. Die Wordrap-Frage “88?” beantwortete er beispielsweise wie folgt:
“Anscheinend ein Gruß in der rechtsextremen Szene”
Das ist interessant, denn ein halbwegs politisch interessierter, geschichtlich gebildeter Mensch – und davon sollte bei Nepp wohl auszugehen sein, weiß, wofür die Zahl “88″ steht. Sie steht für die Anfangsbuchstaben von “Heil Hitler”. Aber ok, womöglich besaß er tatsächlich nicht das Wissen bis zu den angeblichen Bestellungen mancher RFJ-Mitglieder und Burschenschafter beim rechtsextremen Aufruhr-Versand.
Für Nepp sind jedenfalls Burschenschaften ein tragendes Element des Dritten Lagers. Nepp wehrt sich jedoch gegen Unterstellungen, wonach der RFJ als rechtsextrem einzustufen ist.
Womöglich ist der RFJ aber “auch nur” rassistisch? Zuletzt ist die “RFJ – Landesgruppe Oberösterreich” mit einem rassistischen Aufkleber “Gemischte Sorte – Zuwanderung kann tödlich sein” aufgefallen, der durchaus gemäß Bundesgesetz über die Gleichbehandlung den Tatbestand der Diskriminierung/des Rassismus aufgrund der Ethnizität darstellen kann. Dies werden nun die Gerichte klären, nachdem der Chefdirigent des Linzer Bruckner Orchesters, Dennis Russel Davies, Klage eingebracht hat.
Heil Hitler nicht beim RFJ, sondern “bitte woanders”
Auf die Frage, ob er eine Person von einer RFJ-Veranstaltung verweisen würde, wenn diese “Heil Hitler” schreit, beantwortet Dominik Nepp mit “Ja”. Prinzipiell begrüßenswert und richtig. Gleichzeitig relativiert er im Interview, dass er diese Person nicht automatisch wegen Wiederbetätigung anzeigen würde:
“Ich werde einmal fragen, wer das ist und wir werden das dann besprechen.”
Wovon hängt das weitere Vorgehen ab? Ob er/sie in irgendeiner Form in Verbindung mit freiheitlichen Organisationen oder mit Burschaften steht oder gebracht werden kann? Weiters vertritt Nepp die Meinung, dass…:
“Wenn jemand so etwas unbedingt schreien will, dann soll er das bitte woanders machen, aber nicht bei einer Veranstaltung des RFJ.”
“Schön”, dass der RFJ und der designierte Obmann versuchen, Nazisprüche von Veranstaltungen zu verbannen, doch anstatt diejenige Person gemäß Verbotsgesetz anzuzeigen, wird dieser Person nahegelegt, dies woanders zu tun. Eine klare Verurteilung und Distanzierung dieser Aussage ist das (für mich) nicht. Nazisprüche sind keine “Bubendummheit”. Dieses Zögern ist jedenfalls nicht überraschend, hat der RFJ in der Vergangenheit eine Abschaffung des NS-Verbotsgesetzes gefordert. Im Herbst 2008 trat auch Norbert Hofer (Vizeparteiobmann der FPÖ) für eine Abschaffung des Verbotsgesetzes ein. Seine Begründung – freie Meinungsäußerung.
Es ist durchaus bezeichnend, dass sich so eine Klientel vom RFJ oder von der FPÖ angesprochen fühlt. Schon mehrfach waren in der Vergangenheit Nazisprüche auf FPÖ-Veranstaltungen zu hören. Zuletzt bei einer FPÖ-Veranstaltung in Linz anlässlich der Nationalratswahl 2008 (YouTube-Video) oder bei der Landtagswahl 2009 in Salzburg (YouTube-Video).
(Bildcredit: © CHiLLi.cc/Foto: János Fehérváry)












