Absage Vienna Pride: Stadt Wien zeigt LGBTs rote Karte!

In den letzten Jahren hat sich die Vienna Pride und das Pride Village zu einer fixen Größe im LGBT-Kalender der Stadt entwickelt, doch im Jahr nach dem ESC ist alles anders. Obwohl es eine unterfertigte Vereinbarung gibt, hat das rot-grün regierte Wien die Nutzung des Rathausplatzes für das Pride Village untersagt.

2015 hat Wien sich mit dem „Eurovision Song Contest“, den Ampelpärchen und aktiven Bemühen nach der Gleichstellung von LGBTs einen liberalen Ruf verschafft, doch 2016 kommt leider eine große Ernüchterung.

Anstatt proaktiv die öffentliche Sichtbarkeit von LGBTs zu fördern, gehen der SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl und weitere Stadträte den gegenteiligen Weg – der Untersagung der Nutzung des Rathausplatzes für das schon traditionelle Pride Village.

Absage des Pride Village wegen EM-Public Viewing

In den vergangenen Jahren war das Pride Village ein fester Programmpunkt im LGBT-Kalender Wiens, bereits über die Grenzen Österreichs hinweg bekannt und der würdige Rahmen für die alljährliche Regenbogenparade, als Höhepunkt der Demonstration von LGBTs für die ihnen zustehenden, aber noch immer vorenthaltenen Rechte, wie dem Eherecht oder dem vollen Anti-Diskriminierungsschutz.

Bereits seit Wochen versuchte der Verein CSD Vienna als Veranstalter des Vienna Pride und Pride Village Alternativstandorte zu finden. Da sich jedoch kein vernünftiger Alternativstandort finden hat lassen, da z.B. auch der Heldenplatz im heurigen Jahr umgebaut und daher nicht für Veranstaltungen zur Verfügung steht, bliebt dem Verein nichts anderes über.

Am Samstag verkündete der Verein schließlich die Absage der diesjährigen Vienna Pride und des Pride Village, welches vom 14. bis 19. Juni 2016 am Rathausplatz hätte stattfinden sollen.

Die Stadt Wien zeigt der LGBT-Community die rote Karte!

Die Stadt hat die Nutzung des Rathausplatzes nicht zugelassen, weil diese stattdessen ein Public Viewing für die im Frankreich stattfindende Fußball-EM durchführen möchte – auf Drängen des ORF, der auf dem Rathausplatz bestanden hat.

Scheinbar sind für die rot-grüne Stadtregierung unterschriebene Verträge nicht bindend, denn heißt es in einem Schreiben des CSD Vienna an seine Mitglieder, wie „gaynet.at“ berichtet:

„Ein unterschriebener Vertrag der Stadt ist zwar schön, aber die Prioritäten der Stadt können sich offenbar ändern. Die Veranstaltung kann nur in engem Zusammenspiel mit der Stadt funktionieren. Auf den Vertrag zu pochen, macht das Leben während der Veranstaltung und in den Jahren danach sicher nicht leichter.“

Trotz der Absage des „Pride Village“ werden die von der „HOSI Wien“ organisierten Veranstaltungen, wie dem Paraden-Warm-Up, der Celebration nach der Regenbogenparade udn auch die Beflaggung der STraßenbahnen stattfinden.

Falsches Signal der Stadt Wien an die LGBT-Community

Damit macht nach dem Life Ball eine weitere wichtige gesellschaftspolitische Veranstaltung im Jahr 2016 eine Pause. Mit der notwendig gewordenen Absage und der Nichteinhaltung des Vertrages zur Nutzung des Rathausplatzes für das Pride Village setzt die Stadt leider ein gänzlich falsches Zeichen.

Gerade im Jahr 2016, wo schon zehntausende ÖsterreicherInnen die überfällige Ehe-Öffnung für LGBTs im Rahmen der „Parlamentarischen Bürgerinitiative Ehe gleich zur Aufhebung des Eheverbots für gleichgeschlechtliche Paare“ fordern, nimmt die Stadt Wien dieser Bevölkerungsgruppe die Möglichkeit, im Blickfeld der Öffentlichkeit für diese Rechte auf- und einzutreten.

Es ist mehr als nur bedauerlich, dass ein Public Viewing für Fußball wichtiger ist, als die gesellschallschaftspolitische Veranstaltung, die die Beendigung der Diskriminierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe fördert.

Update 07.02.2016:

Am Samstag hat der Verein CSD Vienna auf der Facebook-Page der Vienna Pride für Montag eine Presseaussendung angekündigt und spricht neuerdings nur mehr von „Gerüchten über die Absage“. So heißt es:

Liebe Freundinnen & Freunde, Unterstützerinnen und Unterstützer!

Wir bereiten für den Montag zu den Gerüchten über die Absage des Pride Village 2016 eine Presseaussendung vor. Bis dann bitten wir Euch, Euch noch zu gedulden. Vielen Dank!

Nun stellen sich die Fragen, wieso es eine Mitteilung an die Vereinsmitglieder gab, die die Absage erklärten. Oder gibt es doch noch eine Lösung mit der Stadt Wien für einen Alternativstandort für das Pride Village? Wünschenswert wäre es.

Peter Kraus, Gemeinderat der Grünen erklärte gegenüber dem Blog, dass es am Montag noch Gespräche geben werde und auf die Terminkollision mit der Europameisterschaft angesprochen:

„Mir war wichtig, dass gleich nach Bekanntwerden der Terminkollision gemeinsam mit dem Verein alternative Orte und Zeitfenster gesucht werden. Diese Suche ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Community muss in Wien immer ihren Platz haben.“

Da er jedoch nicht selbst an den Gesprächen zwischen den VeranstalterInnen und der Stadt Wien involviert ist, verwies Kraus an die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Eine Anfrage blieb bislang jedoch unbeantwortet.

Update 10.02.2016:

Der Verein „CSD Vienna“ hat in einer Aussendung die Absage des Pride Village  2016 bestätigt, jedoch bereits erklärt, dass zusammen mit der Stadt Wien die Planungen für 2017 aufgenommen zu haben. Alle Infos gibt’s hier.

 (Bild: thinkoutsideyourbox.net)

6 Kommentare

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  1. Raoul 6 Februar, 2016 at 13:35

    Naja, eine Fußball Europameisterschaft zu der sich Österreichs Nationalteam zum ersten Mal seit Jahrzehnten selbst qualifiziert hat, ist aber schon etwas besonderes!

    Insofern verstehe ich nicht, warum man nicht etwas pragmatischer damit umgegangen ist, mal einen Juli-Termin für die Parade zu akzeptieren oder alternative Ausweichorte wie z.B. den Platz vor der Karlskirche in’s Auge zu fassen … Oder will man sich seitens des Teams sowieso eine kreative Auszeit nehmen, so wie Gery Keszler mit dem Life Ball?

  2. Lalelu 6 Februar, 2016 at 21:31

    @tipp

    Hast auch etwas sinnvolls dazu zu sagen? Ausserdem sind auch im Artikel darüber Rechtschreibfehler enthalten! (bsp. udn statt und,…)

    Lg

  3. Martina 7 Februar, 2016 at 00:12

    das ist wenig nachhaltig gedacht. Ja, es ist schön, dass sich die Nationalmanschaft Östereichs nach langer Zeit wieder qualifiziert hat… wann ist die nächste EM? 2020 und vielleicht ist Östereich dann nicht dabei. Der CSD findet jedes Jahr statt und bringt inzwischen regelmäßig Touristen/innen und Geld nach Wien. So ein Schnitt kann viel kaputt machen, das lässt sich nicht so schnell wieder aufbauen.
    Warum nicht Public Viewing im Stadion und Pride Village auf dem Rathausplatz?

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