Homophobie: “Christen Allianz” will gegen Regenbogenparade und “Propagierung der Homosexualität” demonstrieren

Am 12. Juni wurde im Pride Village am Rathausplatz die Vienna Pride 2012 mit einem bunten Programm eröffnet. Schon am ersten Tag bewies das Zeltdorf, dass die LGBT-Community ein Ort der Offenheit und Toleranz ist, aber auch konsequent die ihnen zustehenden und teilweise noch immer vorenthaltenen Rechte einfordert. Dies ist für so manche religiösen Eiferer nicht hinnehmbar. Einer davon ist der Gründer der Partei “Die Christen”, Dr. Alfons Adam, der sich nun mit der “Christen Allianz” gegen Lesben und Schwule engagiert und am 16. Juni gegen die Regenbogenparade demonstrieren will.

Dr. Alfons Adam ist kein Unbekannter. Schon als er die Partei “Die Christen” mit Gleichgesinnten gründete, war das oberste Ziel der Schutz der Familie, der Ehe und der Kinder vor Homosexuellen.

Nachdem er sich mit der Partei “Die Christen” überworfen hat, engagiert er sich nun in der gegründeten “Christen Allianz”, die unter anderem gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwule auftritt. Schon in der Vergangenheit wetterte seine damalige Partei gegen die Gleichstellungsbestrebungen von Lesben und Schwule – ein kurzer Rückblick.

So wurde eine Politik gefordert, die an den Werten und Überlieferungen des christlichen Glaubens und der Bibel orientiert ist. Eine Politik, die politisches Handeln nicht nach dem Humanismus pflegt. Eine Politik, die gegen Sexual-/Aufklärungs-/Verhütungsunterricht an Schulen gerichtet ist. Stattdessen solle Familienkunde unterrichtet werden. Die Gleichstellung von Lesben und Schwule mit der Ehe wird strikt abgelehnt und Kinder müssen vor Homosexuellen geschützt werden (Adoptionsrecht). Kurz: Eine Politik, die Schwule und Lesben diskriminiert.

“Homo-Lebensstil = tödlich”

“Die Christen” sind erstmals bei der Landtagswahl in Niederösterreich im März 2008 angetreten – glücklicherweise mit bescheidenem Erfolg. Im NÖ-LTW-Wahlkampf hat z.B. der Kandidat Dietmar Fischer auf seiner Homepage gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen gewettert, Schwule und Lesben als krank bezeichnet und für Kindesmissbräuche verantwortlich gemacht.

In ähnlicher Tonart ging es im Mai 2008 in Tirol weiter. Hier wurden Flyer verteilt, auf den folgendes zu lesen war: “Homo-Lebensstil = tödlich”. Die Flyer verlinkten ferner auf eine konservative Internetseite, die unter anderem Verhütungsmethoden ablehnt, da diese als Nein zum Leben zu betrachten sind.

Adam über Homosexualität: Neurologische Erkrankung

Selbstverständlich wird jede Form der Beendigung der Diskriminierung von Schwulen und Lesben sowie eine Gleichstellung homosexueller PartnerInnenschaft mit der Ehe abgelehnt. Im Nationalratswahlkampf im Herbst 2008 hat Dr. Alfons Adam in einem Interview für Neuwal zu Homosexualität folgendes gemeint:

“Diese Neigung (Anm: Homosexualität) haben sich die Menschen nicht ausgesucht. Wir definieren Homosexualität als neurologische Erkrankung. Daher ist es meiner Meinung nach Kindesmisshandlung, einem homosexuellen Paar ein Kind zur Adoption zu geben.”

Nun nimmt Adam einen neuen Anlauf, um seine reaktionären Ansichten und die offene Homophobie zu verbreiten und hofft in dem Aufruf, dass sich kirchliche Vertreter seiner Demonstration anschließen. Zunächst sollen sich die TeilnehmerInnen am Stock-im-Eisen-Platz treffen und dann ab ca 17:00 Uhr vor der Oper, wo die Regenbogenparade ebenfalls vorbeiziehen wird, mit Plakaten gegen “die öffentliche Propagierung der Homosexualität” demonstrieren.

Adam plant Demonstration vor der Oper gegen “Pervertierung der Sexualität”

Und so heißt es in dem Aufruf für die Demonstration am Tag der Regenbogenparade vor der Oper, während diese vorbei zieht, der nur so vor Homophobe, Intoleranz und vor lauter falschen – weil wissenschaftlich längst widerlegt – Aussagen, strotzt:

“Wir fühlen uns vor Gott verpflichtet, auf die öffentliche Propagierung der Homosexualität eine Antwort zu geben, indem wir unsere Sicht der Dinge vor den Teilnehmern der Regenbogenparade, die eine Demonstration für die Schamlosigkeit und Pervertierung der Sexualität ist, darlegen und für sie beten.

Wir wollen unterscheiden zwischen den Homosexuellen, die gegen ihre Neigung ankämpfen, und denen, die homosexuelle Handlungen praktizieren oder befürworten.

Diees Parade, die die Nacktheit öffentlich anpreist und durch die Kleidung der Teilnehmer zur Geschlechterverwirrung beiträgt, beweist einmal mehr, dass man Homosexuellen keine Kinder anvertrauen kann. Kinder, die die Zukunft unseres Landes sind, brauchen Vater und Mutter, um an Leib und Seele gesund heranwachsen zu können. Durch homosexuelle Eltern würde das Kind unweigerlich in die unmoralische Subkultur (siehe Regenbogenparade) geraten, Homosexualität als normal empfinden und eher als andere homosexuell oder in seiner geschlechtlichen Identität verwirrt werden.

Wenn uns unsere Kinder einst fragen werden, wo wir denn gewesen sind, als der Sittenverfall in einer zunehmend kinderfeindlichen Kultur in vollem Gange war, werden wir antworten, dass wir an vorderster Front im Schlachtgetümmel waren.

Lassen wir uns von der mächtigen und lauten Mindernheit, die gegen christliche Religionen einen kulturellen Krieg führt, nicht einschüchtern und durchbrechen wir die Schweigespirale, sagen wir beherzt, was sich viele denken!

Am 16. Juni sind wir aufgerufen, als mutige Christen auf die Straße zu gehen, um gegen das sittliche Fundament unseres Vaterlandes Österreich, das an diesem Tag angegriffen wird, zu verteidigen.

Halten Sie sich bitte den Termin frei und versuchen Sie, so viele Leute wie möglich zusammenzutrommeln, damit wir gemeinsam ein kräftiges Zeugnis für die christliche Reinheit und gegen die Pervertierung ds Gottesgeschenks der Sexualität geben können.”

Wissenschaftliche Studien und Untersuchungen entlarven die offene Homophobe Adams

Was soll zu diesen offen homophoben Hetzzeilen gesagt werden? Ignorieren? Selbst auf diese unterirdische Niveau begeben? Es werden lieber ein paar Fakten und Ergenisse wissenschaftlicher Studien zusammenfassend genannt, denn “wir” wissen, dass die Welt in ihrer Evolution viel bunter ist, als dies religiöse Eiferer in ihrer offenen Homophobie einem einreden möchten:

  • Ehe-Öffnung gefährdet heterosexuelle Ehe: Widerlegt.
  • Gesellschaft für Homo-Ehen nicht bereit: Widerlegt, denn z.B. die österreichische Bevölkerung begrüßt bereits seit 2008 die Gleichstellung von Lesben und Schwulen mehrheitlich.
  • Kinder brauchen Vater und Mutter: Widerlegt, denn Familie ist, wo Kinder sind.
  • Kinder können nur in traditionellen Familien “gesund” groß werden: Widerlegt.
Übrigens: Haltet eure Kirche aus unserem Staat raus! Die zivilrechtliche Ehe und die Gleichstellungs- bestrebungen von Lesben und Schwule haben mit der kirchlichen Ehe nichts zu tun.
Es wäre sehr begrüßenswert, wenn sich als Gegenpol ChristInnen einfinden würden, die mit Schildern deutlich machen, dass es innerhalb der christlichen Gemeinde auch viele Menschen gibt, die für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen eintreten und gegen derart fundamentalistische Ströumgen sind.
Allen RegenbogenparadenteilnehmerInnen sei eine Happy Pride gewünscht und seid stolz darauf, wer ihr seid.
(Bild 1: Adam Jenkins – CC-BY-2.0 – Flickr; Bild 2: Nikkita Industries – CC-BY-NC-ND - Flickr)

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7 comments on Homophobie: “Christen Allianz” will gegen Regenbogenparade und “Propagierung der Homosexualität” demonstrieren

  1. Stefan

    Schreit das nicht nach einem Kiss-In an Ort und Stelle?

  2. Absolut, Stefan! Und nach kreativen Schildern, um klar herausstreichen, dass sie die Kirche aus dem Staat heraushalten sollen und kein Platz für Homophobie und Diskriminierung ist.

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