CSDs in Bratislava und Split trotz Gegenprotesten dank massiver Polizeipräsenz weitgehend friedlich

Am 9. Juni fanden in der slowakischen Hauptstadt Bratislava und in der kroatischen Hafenstadt Split Christopher-Street-Day-Paraden statt. Wie schon im vergangenen Jahr gab es auch diesmal in beiden Städten wieder Gegenproteste von religiösen Gruppen und rechten Gruppierungen. Im Gegensatz zu früheren “Regenbogenparaden” jedoch verliefen diese kleiner und weitestgehend – von einer Rauchbombe abgesehen – und dank massiver Polizeipräsenz friedlich.

Als im Juni 2010 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava die erste “Duhovy Pride” abgehalten wurde, war diese von gewalttätigen Übergriffen und Gegenprotesten überschattet. Zahlreiche LGBT-AktivistInnen wurden von gewaltbereiten GegendemonstrantInnen mit Eiern und Steinen beworfen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Im Jahr 2011 hatten die Behörden aus den Ereignissen des Vorjahres gelernt und so konnte die Polizei die TeilnehmerInnen der “Duhovy Pride” ausreichend vor den GegendemonstrantInnen und Rechtsextremen schützen (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Bratislava Rainbow Pride: Rauchbombe auf CSD

Am Samstag fand schließlich in Bratislava die dritte Auflage der CSD-Demonstration, diesmal unter dem Namen “Bratislava Rainbow Pride” statt. Insgesamt gingen laut Medienberichten über 4.000 Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Heterosexuelle für die Rechte und Belange von LGBTs auf die Straße, forderten die gleichen Rechte sowie mehr Toleranz und Akzeptanz ein und setzten ein buntes und lebensfrohes Zeichen gegen Intoleranz und Hass.

Die TeilnehmerInnen des CSD in Bratislava zogen mit Regenbogenfahnen durch die Straßen von Bratislava. Am Rande der Regenbogenparade, die von 600 PolizistInnen gesichert wurde, gab es eine Gegenkundgebung religiöser Gruppierungen und von Rechtsextremen. Im Gegensatz zu den Jahren davor, war diese jedoch mit nur rund 100 TeilnehmerInnen deutlich kleiner.

Dennoch kam es zu einem Zwischenfall, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde. Während der symbolischen Eheschließung eines schwulen, lesbischen und heterosexuellen Paares wurde von den GegendemonstrantInnen eine Rauchbombe auf die ParadenteilnehmerInnen geworfen.

Zahlreiche Botschaften und Vertretungen mehrerer EU-Staaten unterstützten die “Bratislava Rainbow Pride”. Unter den UnterstützerInnen war auch der österreichische Botschafter Josef Wuketich, der als einer von 18 DiplomatInnen eine Deklaration unterzeichnete und sich so solidarisch mit dem Anliegen der LGBT-AktivistInnen erklärte. Der Diplomat Wuketich besuchte gemeinsam mit seiner Ehefrau die CSD-Demonstration, wie das Außenamt der APA mitteilte.

Wie schon in den vergangenen Jahren war auch diesmal die österreichische EU-Abgeordnete und Co-Präsidentin der LGBT-Intergroup im EU-Parlament, Ulrike Lunacek, als Rednerin bei der Veranstaltung geladen. Lunacek lobte dabei die Stimmung auf der “fröhlichen und ausgelassenen” Kundgebung als “echt ermutigend“.

Split Pride 2011 endete im Chaos und Gewalt

Als im Juni 2011 zum ersten Mal in der kroatischen Hafenstadt Split ein CSD abgehalten wurde, war diese von massiven Gewaltexzessen von religiösen und rechten Gruppierungen überschattet (thinkoutsideyourbox.net berichtete). 10.000 GegendemonstrantInnen erzwangen einen Abbruch der Gay Pride in der Adriastadt, da diese die ca 300 ParadenteilnehmerInnen mit Steinen, Feuerwerkskörpern, Eiern, Gläsern und Flaschen angriffen. Hunderte gewaltbereite und -tätige GegendemonstrantInnen wurden von der Polizei (vorläufig) festgenommen.

Die Bilder gingen um die Welt, die Split Pride-TeilnehmerInnen waren die HeldInnen dieser Tage (thinkoutsideyourbox.net berichtete), da sie trotz der Gewaltdrohungen und Übersetzungen für ihre Rechte und Belange auf die Straße gingen. Das “offizielle Kroatien” stand in der Kritik und die EU forderte ein klares Bekenntnis zu den europäischen Werten (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Schließlich verurteilte Kroatiens Präsident  Ivo Josipovic die Gewalt und sprach davon, dass die Ereignisse “traurig und beschämend” seien, ”dass irgendeine Gruppe von Menschen Gewalt und solch groben Angriffen ausgesetzt ist“. Er meinte weiter, “dass es ein paar nicht-europäische Teile unserer Gesellschaft“ gäbe.” Für Josipovic sind jene 10.000 gewaltbereiten und -tätigen GegendemonstrantInnen “nicht Kroatiens wahres Gesicht“.

Split Pride 2012: Kroatiens Politspitze marschierte mit

Mit großer Spannung wurde daher erwartet, wie die Split Pride 2012 ablaufen werde, zumal Kroatien einen Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2013 anvisiert. Bereits im Vorfeld gab es  Drohungen und den ParadenorganisatorInnen und ParadenteilnehmerInnen wurde erneut mit Gewalt gedroht, wie B92 berichtet. Auf Facebook wurde eine Gruppe gegründet, die innerhalb kurzer Zeit über 400 Mitglieder hatte. Die Gruppe, die relativ rasch wieder geschlossen wurde, trug den Namen “Blut wird in den Straßen von Split fließen, es wird keine Gay Pride geben” (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Rechte und konservative Organisationen und Parteien sprachen sich im Vorfeld gegen die Abhaltung der Split Pride aus. Aus diesem Grund wollte die Stadtverwaltung die Split Pride von der Innenstadt in die Außenbezirke verlegen, wie die deutsche “taz” berichtet. Doch diese Rechnung wurde ohne die sozialdemokratische Regierung Kroatiens gemacht, die unter der Beobachtung der EU und der USA, die EU-Reife und die Wahrung der Menschenrechte zeigen wollte. So wurde die Split Pride nach der Intervention des Innenministers Ranko Ostojic doch wieder durch die Innenstadt von Split genehmigt.

Darüberhinaus erklärte der kroatische Staatschef Ivo Josipovic, die Mehrheit in Kroatien verteidige europäische Werte, der Gay Pride müsse daher stattfinden. Insgesamt fünf Minister nahmen  an der CSD-Demonstration in der Hafenstadt teilnehmen.

Split Pride 2012 weitgehend friedlich dank massiver Polizeipräsenz

Trotz der Gewaltandrohungen im Vorfeld nahmen 2012 deutlich mehr LGBT-Personen an der Split Pride teil. Insgesamt marschierten über 500 Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Heterosexuelle  marschierten durch die Straßen der Hafenstadt. Beschützt wurden die TeilnehmerInnen von rund 900 PolizistInnen.

Die Split Pride-TeilnehmerInnen schwenkten dabei stolz Regenbogenfahnen und hielten zahlreiche Plakate mit Slogans wie “Gay ist Ok” oder “Gleich vor dem Gesetz”. Neben VertreterInnen der kroatischen Politspitze nahmen auch zahlreiche ausländische DiplomatInnen und prominente kroatische Intellektuelle an der Split Pride 2012 teil.

Nach den gewalttätigen Übergriffen im Vorjahr, die schließlich einen Abbruch der Split Pride zur Folge hatten, kündigte die Behörden bereits vorab eine Null-Toleranz-Politik gegenüber gewalttätigen Übergriffen aus. Auch wurde eine geplante Gegendemonstration nicht genehmigt, einzig ein “friedlicher Marsch” von GegnerInnen wurde genehmigt, wie die “Basler Zeitung” berichtet.

Der teilnehmende kroatische Innenminister, Ranko Ostojic erklärte bei der Split Pride:

“Es wird die Zeit kommen, da wir in Split keine Zäune und keine Polizei mehr brauchen.”

Mirjana Kucar, eine der OrganisatorInnen der Split Pride machte klar, dass die LGBT-Community Kroatiens ihre Rechte einfordert:

“Wir wollen mit unseren Unterschieden gleich sein.”

Die Europäische Union machte klar, dass sie den Ablauf der Split Pride und der Zagreb Pride genau beobachten werde und Kroatien die Einhaltung der Menschenrechte gewährleisten müsse. Vesna Pusic, die kroatische Außenministerin nahm ebenfalls an der Split Pride teil und sprach sich klar gegen die Diskriminierung von Homosexuellen aus. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International  veröffentlichte einen Forderungs- und Empfehlungskatalog an die kroatische Regierung (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

(Bild: Kevin Wong – CC-BY-2.0 – Flickr)

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2 comments on CSDs in Bratislava und Split trotz Gegenprotesten dank massiver Polizeipräsenz weitgehend friedlich

  1. es wird noch viele Jahre vergehen bis in Split die Homosexualität von der gesamten Bevölkerung wenigstens toleriert wird.

  2. Pingback: [BLOCKED BY STBV] Kroatien: Split Pride friedlich verlaufen - Video | thinkoutsideyourbox.net

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