“Trans Murder Monitoring”-Projekt verzeichnet über 800 berichtete Mordfälle an Transgender-Personen

Das Update vom März 2012 zeigt weltweit insgesamt 816 berichtete Morde an Transmenschen in 55 Ländern vom 1. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2011. In den letzten vier Jahren hat es eine exponentielle Zunahme von berichteten Morden an Transmenschen gegeben, wie das Update offenbart. 2008 wurden 141 Fälle gemeldet, 2009 213 Fälle, 2010 214 Fälle und 2011 die schockierende Zahl von 248 Fällen. Hierbei handelt es sich vor allem um die berichteten Fälle, die durch Internetrecherchen und Kooperation mit Transorganisationen und Aktivisten gefunden wurden. In den meisten Ländern existieren keine systematisch erfassten Daten über ermordete Transmenschen, und es ist unmöglich, eine Schätzung über die Anzahl der nicht berichteten Fälle abzugeben.

Es könnte viele Gründe für diese Zunahme geben. TGEUs TvT-Forschungsteam hat seine Recherchemethoden jedes Jahr verbessert, ist neue Kooperationen mit Organisationen eingegangen, die ihre Daten zur Verfügung stellen, und hat Informationen von Aktivist_innen aus vielen Teilen der Welt erhalten. Auch die Zunahme der Sichtbarkeit von Transmenschen und Transfragestellungen im öffentlichen Diskurs könnte zu einer besseren Berichterstattung von Fällen geführt haben. Die Daten zeigen jedoch auch, dass es keinen Rückgang gibt, dass das schockierende Ausmaß von Gewalt gegen Transmenschen noch immer ein großes Problem und eine Bedrohung für Transmenschen in vielen Ländern darstellt. Die erneut alarmierenden Zahlen beweisen einmal mehr die dringende Notwendigkeit einer Reaktion auf die Gewalt gegen Transmenschen und das Finden von Schutzmechanismen. Einige international arbeitende Transaktivist_innen haben sogar mit der Verwendung des Begriffs “Transzid” begonnen, um das beständig hohe Ausmaß tödlicher Gewalt gegen Transmenschen auf globaler Ebene wiederzuspiegeln.

Fälle wurden aus allen großen Weltregionen berichtet (Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika, Europa, Nordamerika, Ozeanien), was ein immerfort schreckliches Bild über das Ausmaß ergibt, ganz besonders weil wir aus vielen Ländern nur sehr bruchstückhafte Informationen erhalten können. Eine interaktive Karte mit den meisten der 816 berichteten Mordfälle an Transmenschen ist unter diesem Link verfügbar.

Die meisten berichteten Fälle stammen aus Mittel- und Südamerika: 643 Fälle aus 21 Ländern. Diese Zahl stellt knapp 80% der weltweit berichteten Ermordungen von Transmenschen seit Januar 2008 dar. In diesem Gebiet gab es auch die stärkste Zunahme an Fällen (2008: 94, 2009: 165, 2010: 180 und 2011: 204). In Kolumbien gab es insgesamt 59 Morde, und die jährlichen Zahlen haben seit 2008 beständig zugenommen (2008: 13, 2009: 13, 2010: 15, 2011: 18). Aus Mexiko wurden insgesamt 60 Fälle berichtet, und die Zahl hat sich jedes Jahr so gut wie verdoppelt (2008: 4, 2009: 9, 2010: 14, 2011: 33). In Venezuela gab es insgesamt 48 Morde mit Spitzen in den Jahren 2009 und 2011 (2008: 4, 2009: 22, 2010: 5, 2011: 17). In Brasilien, dem Land mit den meisten berichteten Morden (insgesamt 325) war eine beständige Zunahme zu verzeichnen (2008: 57, 2009: 68, 2010: 99, 2011: 101). Auch Berichte aus Ländern mit geringerer Bevölkerungszahl waren äußerst Besorgnis erregend, speziell aus der Dominikanischen Republik (12 insgesamt), Guatemala (31) und Honduras (34). Morde an Transmenschen in der Region wurden auch aus Argentinien (18) gemeldet, aus Bolivien (7), Chile (3), Costa Rica (3), Ecuador (9), El Salvador (7), Jamaika (1), Kuba (1), Nicaragua (2), Panama (1), Paraguay (3), Peru (9), Puerto Rico (8) und Uruguay (2).

Die neue Aktualisierung der Ergebnisse zeigt überdies, dass es in den letzten vier Jahren 59 Morde an Transmenschen in Asien gab (2008: 12, 2009: 14, 2010: 16, 2011: 17), 53 in Nordamerika (2008: 18, 2009: 13, 2010: 8, 2011: 14), 53 in Europa (2008: 13, 2009: 19, 2010: 9, 2011: 12), 4 in Ozeanien (2008: 3, 2009: 1) und 4 in Afrika (2008: 1, 2009: 2. 2011: 1).

In Asien wurden seit Januar 2008 59 Morde an Transmenschen in 13 Ländern berichtet (Afghanistan: 1, Aserbaidschan: 2, China: 6, Indien: 10, Indonesien: 4, Irak: 3, Iran: 1, Malaysia: 6, Pakistan: 12, Philippinen: 10, Republik Korea: 1, Singapur: 1 und Thailand: 2).

In Europa wurden 53 Morde an Transmenschen aus 11 Ländern berichtet (Albanien: 1, Deutschland: 2, Frankreich: 1, Großbritannien: 3, Italien: 14, Polen: 1, Portugal: 1, Russland: 2, Serbien: 1, Spanien: 4 und die Türkei: 23). Die Daten für die Türkei zeigen eine konstant hohe Zahl an berichteten Morden (2008: 4, 2009: 7, 2010: 6, 2011: 6).

In Ozeanien wurden seit 2008 insgesamt 4 Morde berichtet (Australien: 1, Fidschi: 1, Neukaledonien: 1, Neuseeland: 1) und ebenfalls 4 in Afrika (Algerien: 1, Mauritius: 1, Südafrika: 1 und Uganda: 1).

Während die Dokumentation von Morden an Transmenschen für das Aufzeigen des schockierenden Ausmaßes an Menschenrechtsverletzungen gegen Transmenschen auf weltweiter Ebene unerlässlich ist, besteht ebenso Bedarf an der tiefgreifenden Erforschung anderer Aspekte im Zusammenhang mit der menschenrechtlichen Situation von Transmenschen. Daher hat Transgender Europe das Trans-Murder-Monitoring-Projekt zum “Transrespekt versus Transphobie weltweit”-Forschungsprojekts (TvT) weiterentwickelt. TvT ist ein vergleichendes, beständig fortlaufendes qualitativ-quantitatives Forschungsprojekt, welches einen Überblick über die menschenrechtliche Situation von Transmenschen in verschiedenen Teilen der Welt bietet und nützliche Daten und Lobbywerkzeuge für internationale Institutionen, Menschenrechtsorganisationen, die Transbewegung und die breite Öffentlichkeit entwickelt. Ein Forschungsteam von Transgender Europe koordiniert das Projekt, das von den Open Society Foundations, der ARCUS-Stiftung und teilweise von der Heinrich-Boell-Stiftung finanziert wird. Das TvT-Forschungsteam wird von einem beratenden Gremium aus internationalen LGBT-, Trans- und Menschenrechtsaktivist_innen und Akademiker_innen aus Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika, Europa, Nordamerika und Ozeanien unterstützt. Darüber hinaus arbeitet das Team mit über einem Dutzend Partnerorganisationen in diesen sechs Weltregionen zusammen.

(Text: PA TransRespect – Übersetzung: Sandra-Isabell Trautner; Logo: © tgeu.org)

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