EuroGames 2012 in Budapest: Rechtsnationalistische Jobbik-Partei sieht Ende der Welt und droht mit Attacken

Der Chef der rechtsnationalistischen (die als rechtsextrem eingestuft werden kann) Partei „Jobbik“, Gábor Vona hetzt laut ungarischen Medien gegen die EuroGames, das größte europäische schwuLesbische Sportereignis, das 2012 in Budapest stattfinden wird. Die Partei hatte bis zur juristischen Niederlage eine eigene Parteimilitz mit den Namen „Ungarische Garde“, die gezielt gegen Roma und andere Minderheiten auftrat. Der Hetze steht der Parteischaf nicht nach. Schon im Vorjahr konnte die Budapest Pride nur unter massiven Polizeischutz vor recht(sextrem)en GegendemonstrantInnen durchgeführt werden.

In der ungarischen Hauptstadt Budapest sollen vom 27. Juni bis 1. Juli die diesjährigen EuroGames, Europas größtes schwuLesbisches Sportereignis stattfinden. Die EuroGames wurden noch vor der Machtübernahme durch die rechtskonservative Fidesz-Partei rund um Regierungschef Viktor Orban, der selbst wegen rechtsstaatlich fragwürdiger Verfassungsänderungen, die die Demokratie und den Rechtsstaat untergraben, schwer in der Kritik steht, und vom ehemaligen Budapester Bürgermeister Gábor Demszky nach Budapest geholt.

Jobbik-Chef sieht „Ende der Welt“ und Bürgermeister Budapest verweigert Unterstützung

Der Bürgermeister von Berlin, der offen schwule Klaus Wowereit bat den Budapester Bürgermeister Istvan Tarlos, dass dieser die EuroGames 2012 in der ungarischen Donaumetropole unterstützen solle. Dieser jedoch erteilte Wowereit nach einer Unterstützung der Veranstaltung eine Absage.

Nun hetzt erneut die rechtsnationalistische Jobbik-Partei (Bewegung für ein besseres Ungarn) gegen das Sportevent für Europas Lesben und Schwule. Fern jeglichem sachlichen Menschenverstand sagte Gabor Vona vor einem Publikum, wie ungarische Medien berichten:

„Gott ist mein Zeuge. Es ist nicht irgendeine Art von Homophobie, sondern lediglich gegen die guten Sitten, die mich dazu bewegt zu sagen, dass dies wirklich das Ende der Welt ist.“

Jobbik plant Attacken gegen EuroGames

Die Jobbik-Partei will es nicht nur bei verbalen Ausfällen und homophober Hetze gegen Lesben und Schwule belassen. so plane die Jobbik-Fraktion der Hauptstadtversammlung für den Zeitraum der EuroGames gar Attacken, wie ungarische Medien berichten:

„Diese Veranstaltung muss verhindert werden. Hier geht es nicht um Sport, sondern darum, dass mehrere Tausend Ho­mo­sexuelle die Stadt überschwemmen werden“.

Trotz der offen homophoben Aussagen Vonas halten die OrganisatorInnen der EuroGames 2012 in Budapest an ihrem Ziel fest, die Reputation Ungarns als weltoffenes Land zu verbessern. Auch sagten sie in einer Erklärung, dass eine Absage der schwuLesbischen Olympiade aufgrund ideologischer Gründe gegen die in der neuen Verfassung festgeschriebenen Grundrechte verstoße.

Die Vorzeichen könnten jedenfalls deutlich besser sein für eine Veranstaltung, wo es um Toleranz, Akzeptanz und den sportlichen Ehrgeiz von Lesben und Schwulen geht. Alles Dinge, die Rechtsnationalisten nicht kapieren wollen und wohl leider nie werden…

Jobbik hetzt gegen Minderheiten

Jobbik Magyarországért Mozgalom (Bewegung für ein besseres Ungarn) erreichte bei der letzten Parlamentswahl 16,67 % der abgegebenen Stimmen und zog damit ins das ungarische Parlament ein. Außerdem stellt Jobbik 3 Abgeordnete zum Europäischen Parlament. Vona war gleichzeitig Chef der Ungarischen Garde, Jobbiks Parteimiliz, die 2009 vom Budapester Stadtgericht aufgelöst wurde. Danach wurde die „Neue Ungarische Garde“ gegründet, die seitdem der Jobbik-Partei als Schutz bei Veranstaltungen dient.

Weiters versucht sich die paramilitärische Miliz als „Gendarmerie“ zu etablieren und unterwandert damit die staatliche Polizei als Gewaltorgan. Regelmäßig veranstaltet sie Aufmärsche, insbesondere in Ortschaften, wo häufig Roma ansässig sind. In der ungarischen Kleinstadt Sajóbábony kam es im November 2009 zu Rangeleien und Sachbeschädigungen. Erst ein starkes Polizeiaufgebot konnte die Garde zurückdrängen und eine weitere Eskalation verhindern.

(Bild: © EuroGames Budapest)

9 Kommentare

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  1. [BLOCKED BY STBV] In Ungarn ist die Jagdsaison auf Schwule eröffnet - Gastbeitrag von Christian Höller, Queeramnesty | thinkoutsideyourbox.net 1 Juli, 2012 at 18:14

    […] Anfang April wurde die Budapest Pride 2012 von den Behörden mit der Begründung der “unverhältnismäßig großen Verkehrsbehinderungen” untersagt (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Ein Gericht hob dieses Verbot jedoch wieder auf (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Die rechtsnationalistische Jobbik-Partei war es auch, die gegen die derzeit stattfindenden EuroGames in Budapest hetzte (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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