Restaurantbesitzerin schmeißt homophoben Politiker aus Lokal

Vergangene Woche gab der republikanische Senator aus Tennessee Stacey Campfield ein Interview. In diesem bekundete er krude Ansichten zu Homosexualität und die Verbreitungsmöglichkeiten von HIV und Aids. Die Aussagen waren derart homophob, diskriminierend und wider jeglichem wissenschaftlichen und medizinischen Stand der Dinge, dass die Besitzerin des “Bistro at the Bijou”,Martha Boggs den Politiker, als dieser letzten Sonntag in ihrem Restaurant Brunchen wollte, gebeten hat, das Lokal zu verlassen, da er diskrimniere und er selbst erkennen solle, was das bedeutet.

Vorangegangen war ein Interview von Michelangelo Signorile von “Huffington Gay Voices” im SiriusXM LGBT-Radiosender “OutQ”. Das Thema war die von Senator Stacey Campfield unterstützte Gesetzesinintiave, die den Spitznamen “Don’t Say Gay” (Sage nicht Schwul) trägt, um Diskussionen über Homosexualität und homosexuelle Lebensformen  bis zum achten Jahr in Schulen bis zum achten Schuljahr (inkl. Kindergarten) zu verbieten.

Singorile beschrieb in der “Huffington Post” den Politiker, dass dieser im Interview in einer kriegerischen und sarkistischen Tonart artikulierte. Und so habe er Homosexualität mit Sodomie verglichen und krude Aussagen über die Infektionsmöglichkeiten mit HIV getätigt, die fern jeglichem wissenschaftlichen Faktum sind. Freitags sagte der Politiker nach heftiger Kritik, dass seine Aussagen aus dem Kontext gerissen wurden.

Campfield: Sodomie eines schwulen Mann Schuld für HIV bei Menschen

In dem Interview sagte der republikanische Senator Campfield, wie HIV und Aids auf die Menschheit übertragen wurde. Er machte dafür einen homosexuellen Mann verantwortlich, der Sex mit einem Affen hatte. So sagte er:

“Es war ein Mann der Sex mit einem Affen hatte und, wenn ich mich richtig erinnere, dann mit einem Piloten Sex hatte. Ich glaube, ich errinnere mich richtig.”

Campfield: Ansteckung mit HIV bei heterosexuellen Sex praktisch unmöglich

Auf diese Aussage hin hakte der Reporter Nichelangelo Signorile nach und fragte den offenbar völlig fern jeglicher Realität lebenden Politiker, wie HIV und Aids übertragen werde. Daraufhin antwortete dieser, dass HIV im Prinzip nur durch Bluttransfusionen und außerhalb von heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen werden könne:

“Mein Verständnis und korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege, Mister Wissenschaft bei diesem Thema, meinem Verständnis nach ist es, zwar nicht völlig unmöglich,  aber praktisch unmöglich Aids außerhalb von Bluttransfusionen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr zu bekommen. Es ist praktisch unmöglich. Wenn sie Analsex haben, Ja, dann stecken sie sich viel eher mit Aids an.”

Zwar behauptete der Politiker am Freitag, dass seine Aussagen aus dem Kontext gerissen wurden, doch bekräftigte er diese auch erneut, als er sagte, dass die Grundaussage, die er im Radiointerview sagte, für die USA Gültigkeit habe. Innerhalb der USA könne man sich kaum bei (unsafen) heterosexuellen Geschlechtsverkehr anstecken, außer man hat Sex mit jemanden aus Afrika oder einem Drogenkonsumenten.

Für Campfield ist es auch kaum vorstellbar, dass Frauen Männer mit HIV anstecken können. So behauptete er:

“Die Chancen von Männern, von Frauen angesteckt zu werden, sind sehr, sehr, sehr gering.”

Homophobie und Diffamierungen gepaart mit Unwissenheit eine gefährliche Kombination

Von einem Politiker könnte verlangt werden, dass er – zumindest ansatzweise – Ahnung von Fakten hat. Weder ist HIV/Aids ein reines Problem von homosexuellen Männern, noch hat eine Person mit afroamerikanischer Abstammung oder ein Drogenkonsument automatisch HIV oder ist an Aids erkrankt.

Angesprochen zu der “Don’t Say Gay”-Initiative schwelgte der Politiker ebenfalls in offen homophober Rhetorik. So sagte er, dass diese Verbannung von Schulen notwendig sei…

“da Homosexualität gefährlicher als Heterosexualität ist und es Menschen gibt, die dieses riskante Verhalten in der Schule verherrlichen wollen.”

In seinem fundamentalistischen Weltbild hat der Politiker wahrlich nicht verstanden, worum es bei der schulischen Sexualaufklärung geht.

Restaurantbesitzerin bittet Senator, das Lokal zu verlassen

Die Besitzerin des “Bistro at the Bijou” fand diese Aussagen des Politikers dermaßen diskriminierend, homophob und verletzend, dass sie ihn nicht in ihrem Restaurant bedienen wollte, da sie auf diese Art und Weise ihre Unterstützung für die Lesben- und Schwulen-Community zeigen wolle, wie sie gegenüber “Knoxville News” sagte:

“Als ich ihn an der Eingangstür sah, sagte ich ihm, er solle gehen. Es ist einfach meine Art Unterstützung für die Homosexuellen-Community zu zeigen und sich gegen jemanden stellen, der, so meine ich, ein Tyrann ist. Es hat sich von dumm zu gefährlich entwickelt. Ich glaube, er muss wissen, was heißt, wie es sich anfühlt, diskriminiert zu werden.”

Der Besitzerin des Restaurants, Martha Boggs gebührt Respekt für diese Zivilcourage, sich einem Politiker zu stellen, der offen Homophobie von sich gibt, Unwahrheiten verbreitet und Bedrohungsszenarien konstruiert, die gänzlich wider dem sachlichen Menschenverstand sind. *thumbs up*

Kurzes Interview von “Knoxville News” mit Martha Boggs:

(Knoxnews.com ermöglicht die Einbettung über offiziellen YouTube-Channel)

Republikaner “glänzen” mit homophoben Ergüssen

Campfield reiht sich damit eine ganze Reihe homophober Aussagen und Entgleisungen verschiedener republikanischer PolitikerInnen in den USA ein. Larry Brown forderte die Einstellung der HIV-Therapie für “Perverse” (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Die republikanische Gouverneurin von Hawaii setzte Homosexualität mit Inzest gleich (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und in Texas stellten Republikaner die Forderung auf, Homosexualität wieder unter Strafe zu stellen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Eine andere republikanische Politikerin bezeichnete Homosexuelle als eine größere Gefahr als Terroristen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Und auch die republikanischen Präsidentschaftswerber glänzen mit homophoben Ergüssen. Rick Santorum wurde dafür zuletzt “geglittert” (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Trotz all dieser Angriffe von republikanischen PolitikerInnen ist die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule in den USA am Vormarsch. Demnächst könnten drei weitere Bundesstaaten hinzukommen (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und auch gründete sich ein parteienübegreifendes Bündnis von republikanischen, demokratischen und unabhängigen BürgermeisterInnen von über 100 US-Städten, die die Ehe für Lesben und Schwule fordern (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

(Bild: Screenshot YouTube-Video/Channel KnoxNews)

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3 comments

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  1. Lesbische Richterin verweigert Heteros die Ehe wegen Homo-Ehe-Verbot | thinkoutsideyourbox.net 25 Februar, 2012 at 19:40

    […] Tonya Parker ist ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie mensch sich gegen die Diskriminierung wehren und, ohne Gesetze zu brechen, so auf die Anliegen von LGBTs aufmerksam machen können. Erst kürzlich machte ein offen schwuler Friseur Schlagzeilen, der der Gouverneurin von New Mexico aufgrund ihrer Ablehnung des Eherechts für Lesben und Schwule, den Haarschnitt verweigert (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Ebenfalls erst vor wenigen Wochen schmiss eine Restaurantbesitzerin im US-Bundesstaat Tennessee einen republikanischen Politiker aus ihrem Lokal, da dieser homophobe Aussagen und krude Theorien zu HIV und Aids verbreitete (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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