Italien: Bischof für staatliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften, aber gegen Ehe und Sünde bleibt Sünde

Der römisch-katholische Bischof der sizilianischen Diözese Ragusa, Paolo Urso hat sich in einem Interview mit dem italienischen Online-Nachrichtendienst quotidiano.net für die staatliche Anerkennung für gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften ausgesprochen. Gleichzeitig betonte dieser jedoch auch, dass dies auf keinen Fall als Ehe bezeichnet werden dürfe und nichts an der moralischen Haltung der römisch-katholischen Kirche, wonach dies Sünde sei, ändere.

In Italien werden gibt es bis heute kein landesweites Gesetz, das eingetragene Partnerschaften anerkennt. Einzig in einzelnen Regionen werden homosexuelle PartnerInnenschaften punktuell anerkannt. Gegenüber dem Onlinedienst quotidiano äußerte sich nun der Bischof der sizilianischen Diözese Ragusa, Paolo Urso zu Wort.

Im Interview erklärte er wie kathweb berichtet, dass – auch wenn es sich um zwei Menschen des gleichen Geschlechts handle und diese sich für ein Zusammenleben entschieden habe, es wichtig sei, „dass der Staat diese Tatsache anerkennt„. Der Staat müsse daher Rechte und Pflichten für diese PartnerInnenschaften festlegen.

Gleichzeitig bezeichnete der Bischof dies als „Phänomen“.  Was daran ein Phänomen ist, wenn Menschen ihrer natürlichen sexuellen Orientierung nachgehen, sich in eine Person des gleichen Geschlechts verlieben und eine PartnerInnenschaft eingehen, erläuterte der Bischof jedoch nicht.

Bischof: Keine Bezeichnung Ehe und Sünde bleibt Sünde

Urso betonte, dass diese staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher PartnerInnenschaften als Ehe bezeichnet werden dürfe. Außerdem nahm der Bischof das Recht der römisch-katholischen Kirche heraus, diese Lebensform moralisch zu bewerten. Dem Staat stehe diese moralische Bewertung jedoch nicht zu.

Außerdem betonte Urso, dass Homosexualität dennoch entsprechend dem Weltkatechismus weiterhin von der Kirche verurteilt werde.

Es ist einerseits begrüßenswert, dass ein Bischof der römisch-katholischen Kirche erkennt, dass es notwendig ist, einen rechtlichen Rahmen für gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften zu schaffen. Anderserseits beansprucht der Bischof für die römisch-katholische Kirche das Recht, dass diese den Begriff Ehe definieren dürfe und die Bewertung des moralischen Aspektes ebenfalls nur der Kirche zustehe.

Der Bischof vergisst jedoch, dass die staatliche Ehe und die kirchliche Ehe zwei Paar Schuhe sind. Selbstverständlich kann er für die religiöse Ehe den Definitionsanspruch stellen, jedoch in keinster Weise für die Definition der staatlichen Ehe.

(Bild: Valentina – CC-BY-2.0 – Flickr)

3 Kommentare

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  1. Italien: Video-Kampagne für Homo-Ehe gestartet | thinkoutsideyourbox.net 17 Februar, 2012 at 19:23

    […] Erst vor wenigen Wochen beanspruchte ein italienischer Bischof Paolo Urso, dass die Definition des Ehe-Begriffes für die römisch-katholische Kirche und demnach kann eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. Auch sagte er, dass die Kirche entsprechend ihrer Lehre, die Sünde Homosexualität als Sünde verkünden müsse (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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