Religionen-Initiative: Ehe für Lesben und Schwule “bedrohe” Religionsfreiheit

Führende Glaubensvertreter verschiedener Religionen in den USA veröffentlichten einen offenen Brief an führende PolitikerInnen und warnen vor “weitreichenden Konsequenzen für die Religionsfreiheit”, wenn die Ehe für homosexuelle Paare staatlich geöffnet werden würde. An dem offenen Brief beteiligten christliche und jüdische Organisationen in den USA. Insgesamt beteiligten 39 UnterzeichnerInnen an dem offenen Brief, darunter auch der New Yorker Erzbischof und designierte Kardinal Timothy Dolan, der auch Vorsitzender der US-Bischofskonferenz ist.

In dem offenen Brief, der am 12. Jänner 2012 veröffentlicht wurde und an zahlreiche führende PolitikerInnen der USA geht, warnen die Glaubensvertreter vor “weitreichenden Konsequenzen für die Religionsfreiheit“, wenn der Ehebegriff auf gleichgeschlechtliche Paare ausgeweitet werden würde.

Wie dieStandard.at berichtet, fürchten die religiösen Einrichtungen, dass durch die Ausweitung des Ehebegriffs, religiöse Einrichtungen genötigt werden könnten, gleichgeschlechtliche Beziehungen als moralisch gleichwert mit der traditionellen Ehe zwischen Mann und Frau zu betrachten. Das würde zu Konflikten zwischen der Glaubensgemeinschaft und dem Staat führen.

So wird in dem Brief (Download, PDF 88 kb) argumentiert, dass die Weitergreifung des Ehebegriffes nicht nur ein Gesetz ändere, sondern alle Rechte (und Pflichten) betroffen wären, die vom Ehebegriff und -status abhängen. Dazu zählen Chancengerechtigkeit bei Anstellungen, Zusatzvergütungen, Adoptionsrecht, Bildung, Gesundheitsvorsorge oder Steuerrecht.

“Eine Änderung der zivilen Definition von Ehe verändert nicht nur ein Gesetz, sondern Hunderte und Tausende auf einmal.”

Eine derartige Änderung betreffe auch Gläubige und religiöse Institutionen, die in diesen Bereichen tätig seien. Die Kirchen wären jedoch nur in diesem Ausmaß betroffen, wo sie bestimmten Bevölkerungsgruppen Rechte vorenthalten und diese unter dem Argument der Religionsfreiheit diskriminieren. Wie sehr diverse Glaubensgemeinschaften in den USA versuchen, die Gleichstellung von Lesben und Schwulen zu torpedieren und zu verhindern, zeigte sich im Jahr 2010 in der US-Hauptstadt Washington.

Kirchen mit “Erpressungsversuchen”

Hier schloss die römisch-katholische Kirche kurzerhand eine Sozialeinrichtung für Pflegekinder, nachdem die Stadt Washington die Ehe für homosexuelle Paare geöffnet hatte. Im US-Bundesstaat Maine erfolgte dann der nächste Erpressungsversuch. Die römisch-katholische Kirche strich die Subvention für eine Hilfsorganisation für Obdachlose. Grund war, dass diese Organisation sich beim (knapp negativen) Volksentscheid über die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule dafür ausgesprochen hatte.

Konkret betroffen war die Organisation “Preble Street”, der eine fixe Förderungs-Zusage in Höhe von 17.400 Dollar heuer (und 33.000 im nächsten Jahr) aufgekündigt wurde. Die Mitbegründerin der Hilfsorganisation, Anne Underwood, warf der Kirche “Rachsucht” vor:

“Nach der Wahl wird das Geld den Armen vorenthalten, weil der Bischof eine bestimmte politische Meinung vertritt. (…) Obdachlose sollten nicht Opfer politischer Spielchen werden.”

Die Argumentation, dass die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule die Glaubensfreiheit einschränke, entbehrt sachlich jeglicher Grundlage. Wird also sachlich kein Argument gefunden, dann werden eben Bedrohungsszenarien konstruiert. Ähnliches passiert nicht nur in den USA. Auch der Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche konstruiert derartige Bedrohungsszenarien, die real nicht existieren, als er bei seiner Neujahrsansprache im Kontext zu früheren Aussagen auch über eine Gefahr für die Gesellschaft und die Menschheit sprach.

(Bilder: Flickr – Nikkita Industries – CC-BY-NC-ND)

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3 comments

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  1. Ehe für Lesben und Schwule im Vormarsch: Demnächst in US-Bundesstaaten Washington, New Jersey und Maryland? | thinkoutsideyourbox.net 25 Januar, 2012 at 13:43

    [...] Wie vehement verschiedene Glaubensgemeinschaften gegen die gleichen Recht für die homosexuelle Bevölkerung der USA auftreten, zeigte sich erst kürzlich. Erst kürzlich bildete sich eine konfessionsübergreifende Plattform, die gegen das Ehe-Recht für Lesben und Schwule auftreten. Sie argumentierten, mangels sachlicher Argumente, dass das Ehe-Rrecht für homosexuelle Paare eine Gefahr für die Religionsfreiheit darstellen könne (thinkoutsideyourbox.net berichtete). [...]

  2. Bischof von York: Einführung der "Homo-Ehe" wäre Diktatur durch Premierminister | thinkoutsideyourbox.net 30 Januar, 2012 at 19:23

    [...] Die Aussagen des Erzbischof von York reihen sich ein, in eine mittlerweile lange Liste diskriminierender und teilweise offen homophober Aussagen diverse Vertreter verschiedener christlicher Kirchen. In Italien beanspruchte ebenfalls ein Glaubensvertreter die Ehe-Definition für die Kirche und wetterte, dass Homosexualität eine Sünde sei (thinkoutsideyourbox.net berichtete) In Australien bezeichnete die Pastorin einer evangelikalen Kirche Homosexualität als “unnatürlich” und “ungesund” und warnte vor einem Verfall der Moral, wenn die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet werden würde (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Nachdem sachliche Argumente fehlen, wird dann kurzerhand ein Bedrohungsszenario konstruiert, wonach die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule die Religionsfreiheit bedrohen würde (thinkoutsideyourbox.net berichtete). [...]

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