Apple: Jobs-Interimsnachfolger Cook “mächtigster Schwuler in Silicon Valley”

Bildschirmfoto 2014-05-29 um 16.01.56Steve Jobs, Apple-CEO und Guru vieler Apple-Fans nimmt erneut eine (gesundheitsbedingte) Auszeit und übergibt das Ruder an die Nummer 2 des Apple-Konzerns, Tim Cook. Apple, das in den vergangenen Monaten mehrfach wegen seiner strikten Lizenzierungspolitik im App-Store in die Kritik kam, wird nun von einem Mann gelenkt, der vom Magazin Gawker nun als homosexuell geoutet wurde. Eigentlich sollte diese Neuigkeit keine Meldung wert sein, doch einerseits musste oder wollte Cook zu seiner Sexualität öffentlich nicht stehen und andererseits hat Apple in den letzten Monaten öfters negative Schlagzeilen gemacht, als beispielsweise Gay-Dating-Apps wegen Verstößen gegen die Lizenzbestimmungen entfernt wurde. Auch sei das Wort “gay” ein Grund, dass eine App abgelehnt werden könne. Gleichzeitig wurden jedoch homophobe Apps ohne Einschränkungen zugelassen…

Das Internetmagazin Gwaker beruft sich auf 2 gut informierte Quellen, die die Homosexualität von Tim Cook bestätigen, obwohl Cook sei Privatleben bislang gut schützte und so sehr wenig darüber bekannt sei. Auch soll Cocks Homosexualität der Apple-Chefetage bekannt sein. In dem Bericht wird Cook als “mächtigster Homosexueller in Sillicon Valley” beschrieben. Auch sieht das Magazin, obwohl bei Bekanntwerden von Jobs (befristeten) Abwesenheit als Apple-Boss die Börsen nervös reagierten und einige Milliarden Dollar an Börsenwert verloren gingen, Cook als absolut befähigt, die Geschicke von Apple zu lenken.

Neue Ära für Homosexuelle?

Valleyrag sieht jedoch nicht nur den Beginn einer möglichen neuen Ära für Apple, nachdem es danach aussehen dürfte, als sei die Jobs-Zeit zu Ende, sondern viel mehr noch auch eine neue Ära für Homosexuelle im Speziellen:

It looks increasingly like Steve Jobs’ reign at Apple is over. If the CEO doesn’t return from his third, indefinite medical leave, COO Tim Cook will succeed him, marking a new era not only for Apple but for gay progress.

Die KollegInnen von Cook würden ein Coming-Out zwar grundsätzlich unterstützen, doch habe Cook bislang die Angst, dass sein Coming-Out und Berichte über sein Privatleben der Marke Apple schaden könnten.

Apple gayfriendly?

Der iPhone- und Mac-Hersteller Apple wurde im Jahr 2008 von einer Studie des US-Werbeunternehmens PlanetOut mit 2.259 TeilnehmerInnen zwischen 18 und 64 Jahren als Technik-Marke Nummer 1 von Lesben und Schwulen erhoben. Demnach sahen 39 % der homosexuellen Befrachten Apple als gayfriendly Marke und 68 % gaben an, lieber Produkte von einem als “gayfriendly” geltenden Unternehmen kaufen zu wollen.

Dieser Ruf dürfte in den letzten Monaten jedoch deutlich gelitten haben. Zuletzt wurde immer wieder Kritik an Apples rigider Zulassungspolitik für den App-Store laut. Manche bezeichneten diesen Kurs gar als Zensur. Auch “schwule” Apps waren davon betroffen, da es in vielen dieser Apps möglich war, mit den Zugangsdaten der jeweiligen Plattform, auch nackte Bilde einzusehen. Apple sah darin einen Verstoß der AppStore-Bedingungen. Betroffen waren beispielsweise Grindr, eine Gay-Dating-App mit Location-Based-Services oder auch die App “MobileRomeo” für die im deutschsprachigen Raum größten Gay-Dating-Community GayRomeo.

Letztere wurde aus dem AppStore geschmissen, nachdem es laut Apple Beschwerden gegeben hätte, dass mit dieser App “nackte Tatsachen” am iPhone betrachtet werden können. Stellt sich die Frage, wer diese Beschwerden wohl eingereicht hat, denn Zugang zu Nacktfotos erhält man(n) nur nach Registrierung und Erwerb eines (kostenpflichtigen) Zusatzpaketes. Seit kurzem ist die Nachfolger-App wieder erhältlich – jedoch unter Berücksichtigung der “keine nackte Haut”-Politik von Apple.

Eine andere App, die gegen die Gleichstellungsbemühungen von Lesben und Schwulen Stimmung macht, wurde seitens Apple jedoch ohne Einschränkungen durchgewunken. Erst nach Protestens von LGBTI-Gruppierungen sperrte Apple die App (und das bleibt sie auch).

Glaubwürdigkeit muss erst geschaffen werden

Apple müsste, um wirklich als gayfriendly gelten zu können, nicht nur ihre übertriebene und fragwürdige App-Politik überdenken, es möchte auch als selbstverständlich angenommen, von einem homosexuellen Boss gelenkt zu werden. Ein Beispiel dafür könnte beim Konkurrenten Microsoft gesehen werden, wo die Personalagenden von der offen lesbischen Lisa Brummel gemanaget werden. Ein weiteres Beispiel wäre auch IBM, das sich seit Jahren der Diversität verschrieben hat und beispielsweise regelmäßig mit ihrer lokalen Vertretung in Wien an der Regenbogenparade teilnimmt.

Apple muss erst wirklich glaubhaft machen, dass es ein gayfriendly Unternehmen ist. Die Gefahr, dass ein homosexueller Boss der Marke schaden könne, ist wohl kaum gegeben. Dies zeigen die vorhin angeführten Beispiele. Letztlich müssen Unternehmen ihre gesellschaftspolitische Verantwortung erkennen und diese besteht darin, die Vielfalt der Gesellschaft anzuerkennen und zu fördern.

Erst wenn ein Unternehmen Vielfalt und Diversität lebt und als Selbstverständlichkeit ansieht, ist ein Unternehmen wirklich glaubwürdig und kann von der Diversität auch profitieren. Bislang ist dies bei Apple (noch) nicht zu erkennen.

(Bild: Valery Marchive (LeMagIT) - Wikimedia – CC-BY-SA-2.0)

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