Die rechtspopulistische Partei FPÖ von Bundesobmann HC Strache zeigt immer öfter und vehementer ihr homophobes Gedankengut. Erst vor einigen Tagen stellte die FPÖ 2 parlamentarische Anfragen an das BMI – eine homophobe Anfrage zu den GayCops Austria und der Teilnahme an der Regenbogenparade und eine zweite Anfrage, wo die FPÖ genau wissen möchte, wo wieviele Schwule und Lesben eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen sind und die Forderung aufstellte, das EPG zu verschlechtern (keine Möglichkeit der Verpartnerung am Standesamt in Stataturstädten). Nun findet sich in der FPÖ-nahen “Zur Zeit” ein homophober und polemischer Artikel über Lesben und Schwule, konkret den “Queer Guide” des Wien Tourismus.
Um im globalen Tourismusmarkt bestehen und Interess bei potentiellen KundInnen erwecken zu können, wird zielgruppenspezifisches Marketing betrieben und auf Zielgruppen abgestimmte Packages angeboten. Eine besonders umworbene Zielgruppe sind homosexuelle Männer, da diese laut zahlreichen Studien eine höhere Kaufkraft haben.
Seit geraumer Zeit bietet auch “Wien Tourismus” eine eigene Informationsseite für lesbische und schwule TouristInnen. Auf der Webseite finden sich – leicht erreichbar – ausführliche Informationen zu lesBiSchwulen Events, Szenelokalen, Cafes und interessanten Kulturveranstaltungen. Ebenfalls wird ein eigener “Queer Guide” in gedruckter Form und online zum Download (PDF, 2,9 MB) angeboten.
“Zur Zeit” will offensichtlich keine “warmen” TouristInnen in Wien
In einem Online-Artikel zur gedruckten Ausgabe “Zur Zeit” (Nr. 28-29/2010) betreibt die Zeitschrift “Zur Zeit”, herausgegeben von Andreas Mölzer (FPÖ-Abgeordneter zum Europäischen Parlament, Mitglied des FPK-Vorstandes) und Hilmar Kabas (FPÖ, ehem. Volksanwalt) eine beispiellose Homophobe und Polemik gegen Lesben und Schwule. Der Artikel strotzt vor beleidigenden, homophoben und rassistischen Worten, wie beispielsweise “warmen Brüdern” oder “Negern” und arbeitet mit zahlreichen Vorurteilen. Bereits im Teaser/Inhaltsverzeichnis heißt es:
Roter Faden: Wien-Führer für Perverse (…)
Hier die intolerantesten Aussagen des Artikels (Hervorhebungen von mir):
Wien ist anders! Und nun auch andersrum! So versucht es zumindest der „Queer-Guide“, der Wiener Stadtführer für schwullesbische Gäste darzustellen. Im Juni 2010, also noch rechtzeitig vor Beginn der warmen Urlaubsphase, erschien dieser vonWien Tourismus herausgegebene Wienplaner der anderen Art.
Daß die warmen Brüder und Schwestern im Urlaub denn auch gänzlich andere Präferenzen haben, erschließt sich schon nach einem kurzen Blick in diesen ver-queeren Führer, der sich darum bemüht, „das schwullesbische Leben der Stadt auch international ins rechte Licht zu rücken“. (…)
Aber auch kontaktfreudige Reisende in Sachen schwullesbisch kommen nicht zu kurz. Erwähnung findet neben dem Sexshop Spartacus XXL Store, in dem „ein großes Sortiment an ‚Accessoires‘ (Leder, Latex u. ä.) für ein schwullesbisches Publikum angeboten“ (…)
Für die Sportfanatiker unter den Warmen gibt es noch eine Rubrik „Sport und Sauna“. Dort lernen sie, daß das Krapfenwaldbad im 19. Bezirk – im Gegensatz zum Schönbrunnerbad – „neben schönen Körpern auch einen atemberaubenden Blick über Wien“ zu bieten hat. Angepriesen werden auch noch die Wiener Schwulensaunen, die sich bestens zur Entspannung nach dem Sport eignen. „Allen voran ist das Kaiserbründl, eine historische Sauna, einen Besuch wert. Körperkontakt garantiert ist auch in der Apollo City Sauna, in der Sauna Frisco oder in derSportsauna, die bevorzugt von jungem Publikum besucht wird.“ Zudem gibt es noch Informationen zu Partnerschaften, Tips nur für Frauen und auch für die Schwarze Seite – was hier aber weder ÖVPler noch Neger anspricht – sondern Warme, denen es bei der strengeren Gangart eiskalt den Rücken herunterläuft.
Zum Schluss macht sich der anonyme Autor, dann aber auch noch Sorgen darum, dass es womöglich Klagen wegen Diskriminierungen “Queer Guide” geben könne, denn…:
Auf den Photos lächelnder, händchenhaltender Damen und Herren zeigt sich die heile, weiße Welt von Wien Tourismus – keine Neger, Transgender oder Migranten.
Diese Zeilen sind nicht nur homophob und intolerant, sie sind auch rassistisch und beleidigend. Und wenn schon der Autor sich solche Sorgen macht, dass auf den Fotos händhenhaltende homosexuelle Pärchen zu sehen sind, die Realität jedoch anders aussieht, dann sollte die Frage gestellt werden, ob nicht gerade die hetzerische und von der FPÖ gezeigte Homophobie ein Mitgrund dafür ist, dass sich Lesben, Schwule und Transgender in der Öffentlichkeit verstecken müssen.
In regelmäßigen Abständen wettert die FPÖ gegen die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgender. Homosexuelle dürfen in der Öffentlichkeit nicht präsent sein. Aber am liebsten wäre es dem Autor vermutlich ohnehin, wenn keine lesBiSchwulen, transidenten Tourist_innen nach Wien kommen. Es ist erschreckend und ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert, dass solches Gedankengut im Parlament in Wien oder in Brüssel sitzt.
(Bild: Flickr – the g – CC-BY-NC-ND-2.0)













Jetzt mal ganz ehrlich, ich bin schockiert, daß man das anscheinend konsequenzenlos darf – in einer Publikation solche Ausdrucksweisen zu verwenden, die eindeutig nicht lustig oder ironisch odgl. gemeint sind. Uns hat man in der Schule noch beigebracht, daß man “Neger” nicht sagen (geschweigedenn schreiben) darf…mal davon abgesehen, daß es nicht ok ist, sich so respektlos zu verhalten…*würg*
Warum macht denn keiner eine Anzeige wegen Verhetzung?
Warum es keine Handhabe gegen Verhetzung der übelsten Sorte liegt auf der Hand: Weil es in Österreich keinen umfassenden Diskriminierungsschutz für Schwule, Lesben und TransGender gibt. Man kann uns ohne Auswirkungen beschimpfen, schmähen, verunglimpfen.
da fehlt ein “gibt,” im ersten Satz… sorry
Richtig, denn das österreichische Antidiskriminierungsgesetz ist leider lückenhaft und schützt Lesben, Schwule und Transgender nur in der Arbeitswelt vor Diskriminierung, nicht jedoch in “sonstigen Bereichen”.