DerStandard.at ist eines der führenden Onlinemedien in Österreich. Grundsätzlich ist das Medium gesellschaftspolitisch als liberal einzustufen. Das Onlineangebot wird daürberhinaus nach 3 Themenschwerpunkten untergliedert. Diese Unterteilung erfolgt mit 3 getrennten Domains – derStandard.at, dastandard.at (Migrant_innen-Schwerpunkt) und diestandard.at. Letztere behandelt in erster Linie feministische Inhalte und – in Ergänzung zum “Mainstream-Thema” Gleichgeschlechtliche Parnterschaft – schwerpunktmäßig auch Homosexualität. Nun stellt sich die Frage, ob diese Strukturierung des Onlineangebots homosexuelle Männer diskriminiert?
derStandard.at ist (für mich) das beste und umfassenste Onlinemedium der österreichischen Qualitätstageszeitungen. Dennoch ist ein Punkt zu hinterfragen – die Strukturierung bestimmter Inhalte. derStandard ist das einzige Tageszeitungsmedium, das am Hauptportal eine dauerhafte und leicht erreichbare Rubrik eingerichtet hat, um über die “Eingetragene Partnerschaft” zu berichten. Dies ist auch sehr begrüßen. Umso unverständlicher ist es, wieso (fast) sämtliche weitere Berichte zur gesellschaftspolitischen Thematik der rechtlichen Gleichstellung von homosexuellen Menschen auf dieStandard.at zu finden sind. Jenes Portal, das sich (fast) ausschließlich mit der emanzipatorischen Frage und Frauenthemen im Allgemeinen beschäftigt.
Wieso werden also Themen, die homosexuelle Personen im Allgemeinen und homosexuelle Männer im Besonderen auch behandeln, in einer Rubrik gebracht, die sich im Speziellen mit emanzipatorischer Thematik behandelt.
Gemeinsamkeit: Wider der heterosexuellen Normativität
Ein Kommentar von Ina Freudenschuß versucht hierfür eine Begründung zu liefern. So meint Freudenschuss, dass die “Ablehnung von Frauen und Homosexuellen die selben Wurzeln hat” und schreibt über die Diskriminierung von Schwulen:
Was Schwule betrifft, so fußt ein Großteil ihrer Diskriminierung darauf, dass sie von der Mehrheitsgesellschaft als “nicht-männliche” Männer wahrgenommen werden, als Menschen, die durch ihre Sexualität effeminisiert sind, und sich damit scheinbar freiwillig in eine unterlegene Position begeben. Homophobie gegenüber Männern erfüllt ähnlich wie Sexismus die Funktion, die so Handelnden als “wahre Männer” erscheinen zu lassen.
Grundsätzlich teile ich diese Ansicht. “Wir” alle leben in einer von einer breiten Bevölkerungsschicht angenommen “heterosexuellen Normativität”. Dies besagt, dass die sexuelle Orientierung zum anderen Geschlecht und das entsprechende Verhalten normal und naturgegeben ist. Alles was davon abweicht, entspricht demnach nicht der Norm und wird als “anders” klassifiziert. Die Ansicht, dass homosexuelle Männer sich feminin verhalten, wird vielfach auch von Massenmedien bei der Berichterstattung über verschiedene CSD-Paraden vermittelt. Dass dies in keinster Weise der Fall ist, wird jedoch – wenn überhaupt – nur am Rande erwähnt. Darüberhinaus wird aber auch unterschlagen, dass das “normale” Verhalten von Männern sozial konstruiert sind.
Soziales versus biologisches Geschlecht
Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Ersteres ist Geschlecht, dass jedeR Mensch hat und jedeR spätestens bei seiner Geburt klassifiziert wird. Wer kennt nicht die Frage an eine werdende Mutter (oder Vater), welches Geschlecht denn das Kind haben werde. Immerhin will doch niemand das “falsche” Geschenk kaufen. Exakt hier beginnt bereits die Stereotypisierung. Mädchen bekommen oftmals rose Babykleidung und Buben vielfach blau. Zwar gibt es auch viele neutrale Farben, doch einem Buben darf in den Augen vieler Menschen auf keinen Fall etwas geschenkt werden, das der Geschlechterzuschreibung widerspricht.
Das soziale Geschlecht dagegen wird aufgrund der Zuschreibungen durch die Gesellschaft definiert. Mädchen/Frauen sind demnach “weich” und emotional. Buben/Männer müssen stark sein. JedeR der aus dieser Rollenzuschreibung ausbricht, widerspricht dieser “sozialen Norm” und ist mit Diskriminierungen, Vorurteilen und Gegenreaktionen konfrontiert.
Ähnlich sieht dies Freudenschuß:
So kommt es auch nicht von ungefähr, dass Feministinnen und Homosexuellen-Bewegung viele Forderungen miteinander teilen: beide wehren sich gegen Zuschreibungen, die die Gesellschaft einzig aufgrund des biologischen Geschlechts von Menschen trifft. Frauen lehnten und lehnen sich dagegen auf, abhängig, verfügbar und gehorsam gegenüber ihren Männern zu sein, Homosexuelle kämpfen für das Recht, Sex zu haben mit wem sie wollen. Sowohl der Emanzipation von Frauen als auch gelebter Homosexualität haftet bis heute der Vorwurf an, die gesellschaftliche Ordnung zu stören und gleichzeitig “wider die Natur” zu sein.
Die klassische Rollenverteilung zwischen den beiden Geschlechtern beruht – trotz großer Fortschritte – immer noch auf patriachalischer Familienstruktur. Frauen wird vielfach noch immer die Betreuung von Kindern zugeschrieben. Auch der Haushalt wird vielfach zu einem überwiegenden Teil erledigt.
Reproduzierung der gesellschaftlichen Vorurteile?
Diesem Rollenmodell widersprechen sowohl Feministinnen als auch homosexuelle Männer. Insofern stimmt es, dass es dieses Gemeinsamkeit gibt. Doch rechtfertigt dies die Behandlung von homosexuellen Themen im Rahmen des feministischen Onlineangebotes auf dieStandard.at?
Für Freudenschuß reicht dies aus und so meint sie:
Dennoch reichen die Gemeinsamkeiten aus, dass Nachrichten über Homosexuellen-Rechte auf einer feministischen Plattform angebracht sind.
In meinen Augen jedoch überhaupt nicht nicht. Denn durch die Behandlung in diesem speziellen Onlineangebot wird das Vorurteil der “verweiblichten” Männer erst recht reproduziert. Der Kampf gegen die Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen wird dadurch aus dem Mainstream genommen und als Herausforderung für diese bestimmte Bevölkerungsgruppe angenommen. Dabei betrifft dies sehr wohl auch die heterosexuelle Bevölkerungsmehrheit. Je mehr im Mainstream darüber berichtet wird, je mehr über Vorurteile und Diskriminierungen berichtet wird, je mehr über überholte Rollenbilder der Gesellschaft diskutiert und aufgeklärt wird, desto eher ist die Chance, dass ein weiterer Schritt im Aufbrechen dieser im Jahrhunderte entstanden Gesellschaftsbilder geschieht.
Insofern wäre es mehr als nur zu begrüßen, wenn derStandard diese Segmentierung überdenkt und letztlich aufhebt. Geht es doch auch vordergründig darum, festgefahrene Denkstrukturen und Kategorisierungen in breiten Teilen der Gesellschaft aufzubrechen. Mit dieser Unterteilung in heterosexuellen Mainstream auf derStandard.at und emanzipatorischer/homosexueller Thematik auf dieStandard.at wird vermutlich aber genau das Gegenteil erreicht werden.
Um die eingangs gestellte Frage “Diskriminiert “Der Standard” (unbewusst) Schwule” zu beantworten: Nein, derStandard.at diskriminiert Schwule in meinen Augen (im eigentlichen Sinne) nicht, aber die Behandlung homosexueller, gesellschaftspolitischer Themen auf dem emanzipatorischen/frauenspezifischen dieStandard.at ist leider der falsche Weg, um die Annahme der “heterosexuellen Normativität” erfolgreich zu hinterfragen und gesellschaftlich vermittelte, weil nicht allgemein gültige, Normen aufzubrechen. Insofern zeigt derStandard, dass Schwule und Lesben (bei der Medienberichterstattung) nicht in die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft “gehören” und extra behandelt werden und konterkariert damit die eigentlichen Bemühungen der Homosexuellen-Bewegung.
(Bild: Flickr – cheesy42 – CC-BY-NC-ND-2.0)













Die gesamte Diskriminierungsproblematik wird oftmals durch die immer wiederkehrende Verwendung von trennenden Begriffen eher verstäkt. Auch wenn diese Begriffe von liberalen Personen stammen.
So ist in meinen Augen schon die Veröffentlichung von Frauenthemen in einem Emanzipationsressort das vollkommen falsche Signal. Wesentlich sinnvoller wäre es, eine Macho-, Extremisten- und Neokons Ecke zu gestalten. Wer sich dort wiederfindet, spürt gleich er gehört zu einer Minderheit, die dringend psychologische Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Diese konnte man mit Webbanner gleich anbieten.
Währen Frauen, Integrations und Genderthemen im Gesellschaftlichen Mittelpunkt stehen sollten. Aber leider sind selbst liberale von alten Schreib- und Denkmuster geprägt.
Denn gesellschaftliche Anerkennung kann leider nur von anderen Gruppen kommen, als von der Minderheit. So sollten sich die alleinerziehenden Mütter endlich für die Schwulenrechte einsetzen
und die Schwulen für die Pensionisten, während sich diese wieder
für die Emanzipation stark machen sollten. Die Männer versuchen einfach mal ihre halbstarken Kollegen ins Abseits zu drängen, damit wäre schon viel geholfen.
Es braucht neue Konzepte, denn die heute im aktiven Arbeitsumfeld tätigen Liberalen, gehören mit ihren Visionen schon bald zu den neuen Konservativen.
Zumindest sind die Visionen der 80er und 90er langsam altmodisch geworden. Schauen wir uns doch Inszenierung der 80er Jahre Schwulen im heutigen CSD Alltag an. Damals eine Sensation – heute für aus der Sicht junger Schwuler fast schon peinlich.
(Bitte nicht persönlich nehmen Jungs – ihr habt eine großartige Leistung vollbracht, auf der sich viele heute ausruhen können)