Die Häufung an intoleranten und menschenverachtenden Aussagen und Entgleisungen reißt nicht ab. In den letzten Monaten wurden vermehrt homophobe und/oder intolerante Aussagen von PolitikerInnen, Einzelpersonen oder von religiösen Gruppierungen getätigt. Wirklich neu ist dies nicht, dass manche mit Pseudoargumenten gegen eine Bevölkerungsgruppe auftreten. Neu jedoch ist die Vehemenz mit der gegen die Rechte von Lesben und Schwulen gewettert wird. Neuestes Beispiel der Intoleranz und Menschenverachtung kommt aus den USA.
Gerade in den USA tobt ein heftiger Kampf zwischen aufgeklärten, toleranten und weltoffenen Menschen und ewiggestrigen, intoleranten und offen homophoben Gruppierungen. In den letzten Monaten hat sich die verbale Auseinandersetzung massiv verschärft. Mittlerweile sind es nicht nur (unbedeutende) relgiöse Gruppierungen, wie beispielsweise die homophobe Westboro Baptist Church, oder die einflussreiche “American Family Association” (setzen Homosexualität mit Terrorismus gleich) die gegen Homosexuelle hetzen, sondern hat die verbale Bankrotterklärung einer sachlichen Diskussion die US-Spitzenpolitik erreicht.
Erst vor kurzem hetzten die texanischen Republikaner (Partei des Ex-US-Präsidenten George W. Bush) gegen Lesben und Schwule. In Vorbereitung auf anstehende Wahlen im Herbst erarbeiteten sie ein neues Programm, das unter anderem die Forderung enthält, Homosexualität wieder unter Strafe zu stellen.
US-Gouverneurin vergleicht Homo-Ehe mit Inzest
Nun folgt die nächste homophobe Entgleisung einer US-Spitzenpolitikerin. Die Gouverneurin von Hawai erklärte, dass sie ein Veto gegen die Einführung einer Eingetragenen Partnerschaft in ihremBundesstaat eingelegt habe, da sie gegen die Anerkennung von Inzest-Beziehungen eintrete. Sie führte aus, dass die Gleichstellung von Lesben und Schwulen kein Bürgerrechtsthema sei, auch wenn dies die BefürwörterInnen so sehen würden. Lesben und Schwule hätten kein Recht auf eine rechtliche Anerkennung durch den Staat (via)
(…) wir erlauben ja schließlich nicht jedem zu heiraten – das heißt, es ist kein allgemeines Bürgerrecht. Vettern und Kusinen dürfen beispielsweise nicht heiraten, oder auch Bruder und Schwester.”
Laut der US-Gouverneurin Linda Lingle sei dieses Verbot, wie es mehrfach von Gerichten bestätigt wurde, auf Lesben und Schwule übertragbar.
Mit ihrem Veto setzte sich die Gouverneurin über zwei Entscheidung der beiden Kammern des Parlaments hinweg, die die Einführung einer Eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle beschlossen hatten. Dieses Veto kann nur mit einer 2/3-Mehrheit in beiden Kammern umgangen werden, jedoch haben die BefürworterInnen nicht in beiden Kammern entsprechende Mehrheiten.
Bedenkliche Serie und Vehemenz
Die Aussagen der US-Politikerin sind nur die letzte, einer ganzen Reihe an homophoben und intoleranten Entgleisungen in den letzten Wochen – sei es von Privatpersonen oder Personen in der Öffentlichkeit, sei es in den USA, in Europa oder in der Alpenrepublik. Erst gestern wurde hier im Blog ein homophober Kommentar abgegeben, wo Homosexualität mit Mord gleichgesetzt wurde. Kurz zuvor erklärte der Kärntner FPK (FPÖ)-Politiker Jury, dass er dagegen sei, dass Lesben und Schwule die “Retortenkinder der Gesellschaft aufziehen”. Auch der Betreiber der Webseite erstautnlich.at ignoriert beharrlich alle sachlichen Argumente und flüchtet sich regelmäßig in billige (ebenfalls widerlegte) Argumente und persönlichen Unterstellungen (z.B. “militanter Homosexueller”). Anlässlich der 15. Regenbogenparade am 3. Juli kamen ebenfalls zahlreiche homophobe “Trolle wieder aus ihren Löchern“. Kurz zuvor erklärten auf europäischer Ebene die konservative PolitikerInnen, dass Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt werden könne. Im Juni wurde bekannt, dass der selbsternannte Pornojäger Martin Humer am Life Ball vor dem Burgtheater demonstrieren wolle, um gegen die “Schändung durch Homosexuelle” zu protestieren. Dass es oftmals nicht nur bei verbalen homophoben Ergüssen bleibt, musste ein schwules Paar Ende Mai im Museumsquartier spüren. Das Paar wurde verprügelt, weil es gewagt hatte, in der Öffentlichkeit ihre Liebe zu zeigen.
Leider erkennen viel zu viele PolitikerInnen ihre eigene gesellschaftspolitische Verantwortung nicht. Stattdessen flüchten sie sich in intolerante Polemik und in längst widerlegte Argumente, nur um ihre ewiggestrige/erzkonservative Haltung bei gesellschaftspolitischen Fragen zu begründen.
Schließlich sind sämtliche Argumente der GleichstellungsgegnerInnen längst widerlegt:
- Homo-Ehe gefährdet heterosexuelle Ehe: Widerlegt, denn Untersuchungen zeigen, dass im Gegenteil weniger heterosexuelle Ehen geschieden werden
- Gesellschaft für Homo-Ehen nicht bereit: Widerlegt, denn z.B. die österreichische Bevölkerung begrüßt die Gleichstellung mehrheitlich
- Kinder brauchen Vater und Mutter: Widerlegt, denn Familie ist, wo Kinder sind
- Kinder können nur in traditionellen Familien “gesund” groß werden: Widerlegt, denn eine Langzeitstudie kam zum Schluss, dass Kinder in Regenbogenfamilien eine gesunde, psychologische Ausrichtung aufwiesen und teilweise sogar bessere Anpassungsfähigkeit als Kinder in traditionellen Familien besitzen.
(Bild: Flickr – nsub1 – CC-BY-NC-ND-2.0)













Wer lesen kann (hier von mir gemeint: wer ein Lexikon verwenden kann), ist klar im Vorteil: Inzest (Sex mit Blutsverwandten oder in ähnlicher Beziehung zueinander stehenden Personen) ? Homosexualität (Sex/Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts). Eigentlich nicht so schwer unterscheidbar, oder?