Die Ehe ist eine (göttliche) Verbindung zwischen Mann und Frau und auf die Zeugung und Erziehung von Kindern ausgericht. Das ist häufig die Argumentation von streng gläubigen ChristInnen, wenn es darum geht, Lesben und Schwulen die ihnen zustehenden Rechte zu verwehren. Häufig wird von klerikalen Fundamentalisten die Bibel zitiert um die Sünde der Homosexualität zu “beweisen” und zu zeigen, dass Homosexeualität wider der göttlichen Schöpfung ist.
Deren Meinung in Gottes Wort. ;-) Doch wenn schon die Bibel als die Quelle der Ablehnung genannt und gerne zitiert wird, sollten auch andere Dinge angeführt werden, die in der Bibel stehen. Diese zeigen, dass die Zitierung aus der Bibel nicht nur moralisch und menschlich falsch ist, sondern bei Ausführung auch den Tatbestand einer Straftat darstellen kann.
Letztlich zeigt sich, dass das Begründen einer Ablehnung der rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen anhand der Zitierung der Bibel einfach nur falsch ist. Oder würde beispielsweise ein vernünftig denkender Mensch die Todesstrafe für eine Frau fordern, die nicht als Jungfrau in eine Ehe geht.
Ich kann klerikale FundamentalistInnen oder Personen, die aufgrund ihrer Religion Lesben und Schwule die ihnen zustehenden Rechte verwehren, einfach nicht ab. MancheR möge mich als intolerent bezeichnen. Nein, denn diese Einschätzung ginge zu kurz! Menschen können gerne an das glauben, was sie möchten (auch wenn ich persönlich den Glauben an etwas nicht fassbare nicht verstehen kann), aber die Grenze ist dort erreicht, wo sie mir ihren Glauben und deren Werte “aufdrängen” möchten, bzw. deren Glauben als Wertebasis für alle Menschen – auch Nichtgläubige – ansetzen.
Gerade in Zeiten, wo innerhalb der römisch-katholischen Kirchen fast täglich neue Missbrauchsfälle und sexuelle Übergriffe (an Kinder) an den Tag gelangen, hat die römisch-katholische Kirche jeden Anspruch als moralische Autorität ohnehin verloren.
Dieses kleine Beispiel beweist, wie kurzsichtig es ist, die Bibel als Grundlage der Ablehnung der Gleichstellung von Lesben und Schwulen heranzuziehen.
Nachtrag:
Marco Schreuder hat in einem Kommentar ein passendes Video ergänzt, welches ich hier noch einbette:














Gleichstellung finde ich gut. Aber warum sollten Lesben und Schwule für die Ehe kämpfen?
Warum sollten die Privilegien, die für Eheleute gelten, nicht auf alle Partnerschaften angewandt werden?
Auf die Spitze getrieben könnte man fragen: Lohnt es sich, für einen Mixer, den man als Hochzeitsgeschenk bekommt, spießig zu werden?
Der Staat verknüpft viel zu viele Sonderregelungen, Privilegien usw. mit der Ehe. Das sollte aufgebrochen werden.
Immer wieder gut zu dieser Thematik passend – hier ein Artikel, den ich vor Jahren im Internet gefunden habe (Original aus dem Engl.):
Es steht geschrieben, also ist es Gottes Wille?
Wieweit gelten die Gebote der Bibel heute noch? Ein pikanter Brief an die USRadio-Moderatorin Laura Schlessinger
Laura Schlessinger versteht sich als evangelikale Christin und gibt ihren Hörerinnen und Hörern per Rundfunk Ratschläge. Kürzlich verdammte sie Homosexualität, da diese nach dem dritten Buch Mose Gott ein Greuel sei. Darauf erhielt sie von einem Hörer folgenden Brief, der auch im Internet kursiert.
Liebe Dr. Laura, vielen Dank, daß Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche, das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das 3. Buch Mose, Kapitel 18, Vers 22, in dem klargestellt wird, daß es sich dabei um Vergehen wider Gottes Gebot handelt. Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze bei Mose und wie sie zu befolgen sind:
Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, daß dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (3. Buch Mose, 1, 9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?
Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es im 2. Buch Mose 21, 7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für so ein junges Ding?
Ich weiß, daß ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (3. Buch Mose, 15,19-24). Doch: Wie kann ich das wissen? Ich habe versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.
Ich bin ganz ratlos. Das 3. Buch Mose stellt in Kapitel 25, Vers 44 fest, daß ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, das würde für uns Amerikaner nur auf Mexikaner zutreffen, nicht jedoch auf Kanadier. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen? Sie gehören zu einer benachbarten Nation?
Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Das 2. Buch Mose stellt im 35. Kapitel, Vers 2 deutlich fest, daß er getötet werden muß. Er hat sich gegen Gottes heiliges Gebot vergangen. Meine Frage: Bin ich moralisch verpflichtet, ihn eigenhändig zu töten? Oder kann das ein anderer tun?
Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Gräuel darstellt (3. Buch Mose 11, 10), sei dies ein geringeres Greuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?
Im 3. Buch Mose, 21, 20 wird dargelegt, daß ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von eine Krankheit befallen sind. Ich muß zugeben, dass ich eine Lesebrille trage. Muss meine Sehkraft perfekt sein, oder gibt es hier ein wenig Spielraum?
Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Vers 27 in 19. Kapitel des 3. Mose-Buches verboten wird. Wie sollen sie sterben?
Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Vers 19 im 19. Kapitel des 3. Mose-Buches, weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Meine Frage: Ist es wirklich notwendig, daß wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (3. Buch Mose, 24, 10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen (3. Buch Mose, 20, 14)?
Ich weiß, daß Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, daß Sie uns behilflich sein können. Und vielen Dank nochmals dafür, daß Sie uns daran erinnern, daß Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.
Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan (gezeichnet: Jake).
@Peer: Gleichstellung ohne Öffnung der Ehe ist keine Gleichstellung, so einfach ist das.
Ja, die Ehe gehört reformiert. Ja, es sind viele Ungerechtigkeiten an diese Institution geknüpft.
Aber: Nein, das kann nicht dadurch passieren, das Schwule und Lesben sich der Ehe “verweigern” bzw. sie ihnen verweigert wird.
Wenn die Ehe reformiert werden soll (was sie meiner Meinung nach müsste), so ist das eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bitte nicht auf unserem Rücken auszutragen. Jene, die es in erster Linie betrifft, die Heteros, stimmen eh schon mit den Füßen ab (indem sie sie nicht eingehen oder sich bald wieder scheiden lassen).
Zur Aussage “plötzlich spießig werden”: Je mehr Lesben und Schwule ihr Coming Out haben können, desto weniger revolutionär wird es werden. Dadurch werden mehr Menschen, die an sich “spießig” sind, kein Problem damit haben, ihre eigene Homosexualität offen zu leben. Lesben und Schwule sind ebenso spießig wie andere auch.
http://bit.ly/aUYLWH
Passt dazu :)
@Christina: Diesen Leserbrief kenne ich. Finde ich sehr gut.
@Peer und Alkis: Ich stimme dir (Alkis) voll und ganz zu. Da gibt’s nicht viel zu ergänzen.
@Marco: Danke für den Link – habe Video gleich eingebettet ;-)