Geschlechterrollen, Stereotype und Zuschreibungen sind alltäglich und über Jahrhunderte entstanden. Sie tragen dazu bei, den Alltag zu vereinfachen und nicht alles hinterfragen zu müssen. Doch ist dies nicht falsch? Sind die Annahmen überhaupt richtig? Angenommen wird es, denn es wird nach Bestätigung für diese Annahme gesucht. Einmal gefunden, wird die Annahme der Richtigkeit als allgemein gültig definiert. Diese Annahme wird laufend weitergegeben und jedeR wird dadurch mit Zuschreibungen und Stereotypen konfrontiert und letztlich sozialisiert.
Ein Beispiel sind unterschiedelichen Zuschreibungen an die Geschlechter. Dabei wird jedoch häufig nicht zwischen dem biologischen Geschlecht (Engl.: Sex) und dem sozialen Geschlecht (Gender) unterschrieben, sondern werden diese von der breiten Masse zusammen gefasst. Dabei ist dies die falsche Herangehensweise.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wird ein Baby geboren, ist die erste Frage nach dem Geschlecht – konkret dem biologischen Geschlecht. Ist es ein Bub oder ein Mädchen? Diese Frage mag vordergründig berechtigt erscheinen, doch schwingt hier noch viel mehr mit. Was im konkreten?
Ist es ein Bub, wird (fast) immer blaues oder farblich neutrales Babygewand gekauft. Ist es ein Mädchen, wird in der überwiegenden Zahl ein rosa, rotes oder buntes Babygewand gekauft. Dieser geschlechterspezifische Prozess geht auch weiter beim Kauf von Spielzeug oder bei den “richtigen” Verhaltensweisen von Buben und Mädchen.
Doch dabei wird bereits nicht mehr nach dem biologischen Geschlecht gehandelt, sondern nach dem sozialen Geschlecht – nach den Zuschreibungen an bestimmte Geschlechterrollen, die über Jahrhunderte dem jeweiligen biologischen Geschlecht zugewiesen wurden.
Weicht jemand von diesen Zuschreibungen ab, löst dies Irritationen aus, da er/sie nicht in das als natürlich angenommene Geschlechtsbild passt. Was ich damit meine, zeigt das aktuelle Cover der Zeitschrift “Life and Style“, dass die Tochter Shiloh von US-Star Angelina Jolie zeigt. Darunter wird die Frage gestellt:
“Why is Angelina turning Shiloh into a Boy?” (Warum verwandelt Angelina Shiloh in einen Buben?)
Darunter wird angeführt, woran dieser “Skandal” festgemacht wird:
- Buben-Haarschnitt
- Shiloh wird John gerufen
- keine “Mädchen-Sachen”
Geschlossen wird mit der provokanten Frage:
Is it harming the 3-year-old? (Schadet es der 3-Jährigen?)
Der Aufruhr um den “unangepassten” und damit nicht dem Geschlecht entsprechenden Kleidungsstil Shilohs schlägt in Hollywood hohe Wellen. Der Promi-Stylist Gili Rashal-Niv meint:
“Ich denke die Zeiten sind hart, aber hat es Angie wirklich notwendig, dass Shiloh die Klamotten mit ihrem Bruder teilen muss? Hoffentlich werden wir Maddox irgendwann nicht in einer von Shilohs Kleidern sehen.”
Genau das ist die Kritik an Personen, die ein Hinterfragen dieser zugeschriebenen Geschlechterrollen ablehnen und häufig damit argumentieren, dass das Verhalten und die Unterschiede der Geschlechter biologisch bedingt sind. Doch genau hier liegt der Fehler. All diese Zuschreibungen sind sozial konstruiert, über Jahrhunderte dem jeweiligen Geschlecht zugeschrieben. Auf Grund dieser langen Zeit, werden diese Stereotypen auch nicht mehr hinterfragt bzw. als gegeben angenommen.
Dieses Hinterfragen der sozial konstruierten und nicht biologisch bedingten Zuschreibungen an die Geschlechter wird beispielsweise auch von der FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz abgelehnt. Sie fordert ein Rollenbild, welches längst nicht mehr gültig ist. Das ist auch die Kritik an Aussagen von Barbara Rosenkranz. Es geht weniger um das Auslöschen der Geschlechter, denn Geschlechter sind biologisch. Es geht viel mehr darum, das soziale Geschlecht und alle (längst überholten) Zuschreibungen zu hinterfragen.
Es ist jedoch wenig verwunderlich, dass eine Frau wie Barbara Rosenkranz, die ein fragwürdiges Geschichtsverständnis besitzt und eine vergangene Ideologie lebt, die nicht wählbar ist, dieses moderne Geschlechterbild ablehnt. Von der Ablehnung von Homosexualität, die nicht der vermeintlichen “heterosexuellen Normativität” entspricht, erst gar nicht zu sprechen…
Bild: Life & Style Weekly













tja, als kind hab ich auch immer geweint, wenn ich in ein kleid gesteckt wurde, hab lieber mit playmobil krieg gespielt, als einer pupper zöpfe zu flechten, bin lieber mit dem traktor übers feld gefahren, als das geschirr abzutrocknen – und was war die reaktion des umfeldes: ein kopfschüttelndes, vorwurfsvolles “das ist ja ein halber bub”.
irgendwie hab ichs aber überlebt und kann jetzt rumlaufen, wie ich will, mal im kleid und mal in baggys…und freue mich sehr über seiten wie http://pinkstinks.co.uk/ die mädchen wie mir und aufgeschlossenen eltern das leben erleichtern =)
@Christina:
Wie aktuell diese Thematik auch in der aktuellen Tagespolitik ist, zeigt die Webseite Unzensuriert.at. Der Autor Unzensurix hat die mehr als nur berechtigte Kritik an Rosenkranz Ansichten verdreht bzw. negiert und den Sinn von Gender Mainstreaming und der notwendigen Hinterfragung von Geschlechterrollen offensichtlich nicht verstanden.
http://www.unzensuriert.at/content/00651-feindbild-mutter
Ich weiß jetzt nicht in welchem Zusammenhang das geschrieben wurde. (österreichische Budnespräsidentenwahl!?)
Aber sowas sollte doch ab einem gewissen Bildungsstand zum Allgemeinwissen gehören.
@ admin: der herr unzensorix hat sowieso den knall noch nicht gehört. war vor längerer zeit paarmal auf der seite und mag mir sowas, genauso wie unser liebes kath.net, gar nimmer anschauen, da kriegt man eh nur depressionen bzw diskutieren kann man mit solchen ja auch nicht. da schwenkt sogar eine idealstin wie ich die scheißdrauffahne und wendet sich lieber den leuten zu, bei denen man noch eine chance hat, sie per vernunft zu überzeugen…