Erneut wird gegen Lesben und Schwule aus dem rechten, politischen Lager gewettert. In den vergangenen Monaten sind die Untergriffe, Beleidigungen und Forderungen nach Fortführung der Ungleichstellung, Entziehung der kürzlich erworbenen gleichen Rechte gegen homosexuell l(i)ebende Menschen immer häufiger geworden. Und immer sind es die gleichen Kreise: Entweder klerikale Fundamentalisten, erzkonservative römisch-katholische Kreise und/oder aus den Reihen der rechtspopulistischen FPÖ. Diesmal wettert die Webseite Unzensuriert.at gegen diese Bevölkerungsgruppe.
Der konkrete Anlassfall diesmal: das Pride House bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver/Kanada. Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele gibt es ein eigenes Haus zur Verständigung und Aufklärung, sondern auch ein Haus, wo Lesben, Schwule, transidente und natürlich auch heterosexuelle Sportler_innen, Angehörige und deren Freund_innen sich treffen können.
Organisiert wird das Pride House von der Gruppe GayWhistler, in Zusammenarbeit mit dem Pan Pacific Whistler Village Hotel. In der Zeitung Vancouver Sun wird das Ziel des Pride House wie folgt beschrieben (via Queer-News.at):
Die modernen olympischen Spiele basieren auf einem traditionellen Gesellschaftssystem mit starken Männern und femininen Frauen – Grenzüberschreitungen waren nicht gerne gesehen. Offen homosexuelle Athlet_innen sind daher rar. Wamsley hofft, dass es mit dem Pride House gelingen wird, die Winterolympiade in Kanada auch für schwule und lesbische Sportler_innen zu einem angenehmen Erlebnis zu machen. Quelle: Vancouver Sun vom 9. Mai 2009
Unzensuriert.at kritisiert nun diese Initiative der Verständigung und des Abbaus von Vorurteilen auf typisch rechtspopulistische Art und Weise. Zwar wird die Homepage von einem eigens gegründeten Verein betrieben, doch darf die Annahme getroffen werden, dass der 3. Nationalratspräsident fleißig an dieser Homepage mitwirkt und Artikel mitverfasst, zumal auf seiner ursprünglichen Webseite hinsichtlich Nachrichten auf Unzensuriert.at verwiesen wird. Ähnlich sieht dies auch der Blog von Bernhard Kraut.
Wie wenig Unzensuriert.at den Sinn des Pride Houses verstanden hat, bzw. nicht verstehen will, zeigen diese Zeilen:
Homosexuelle, hat man den Eindruck, wollen sich mit allen Mitteln in den Vordergrund drängen: Wirtschaftsverbände, Sportverbände, Referate an Universitäten und wer weiß, vielleicht kommt auch noch die Schwulen-und-Lesben-Schülervertretung.
Unzensuriert.at hat zwar Recht, wenn Sie schreiben, dass es nur 4 offiziell homosexuelle Sportlerinnen bei den Olympischen Spielen in Vancouver gibt. Jedoch wird nicht der Grund hierfür erläutert, sondern stattdessen wird mit aller Deutlichkeit versucht, die Existenz des Pride House als “Kontaktbörse” zu verunglimpfen. Die eigentliche Bedeutung wird (bewusst) negiert. So heißt es im Blog:
Zwischen Trainingsläufen und Kraftübungen können sie im “Pride House” abgeschirmt vom Heer der Heteros schnell einen Appletini schlürfen. (…) Folgt man der in Homo-Kreisen gerne aufgestellten Behauptung, dass jeder zehnte Mensch schwul oder lesbisch ist, dann wären etwa 250 Homosexuelle im Olympischen Dorf untergebracht. Tatsache hingegen ist, dass sich lediglich 4 Sportler offen als homosexuell bezeichnen. Also wozu dann ein eigenes “Homo-Haus“? Da stimmt doch etwas nicht mit dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage.
Wie bereits erwähnt, gibt es bei diesen Olympischen Winterspielen nur 4 offen homosexuell l(i)ebende Teilnehmerinnen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Anteil homo-/bisexuell l(i)ebener Sportler_innen viel größer ist. Ein Blick auf die Namen und die Nationen der 4 geouteten Sportlerinnen (Ireen Wüst (Ned), Vibeke Skofterud (Nor), Erika Holst (Swe) und Sarah Vaillancourt (Can) zeigt eine Besonderheit.
Alle 4 stammen aus Staaten, die eine offene, moderne Gesellschaftspolitik haben und die Diversität der Menschen würdigen und fördern. In all diesen Staaten sind homosexuelle Menschen (Großteils) gleichstellt mit Heterosexuellen. In diesen Staaten ist es “wurscht”, ob jemand homo-, bi-, trans- oder intersexuell ist. Es zählt der Mensch und nicht die sexuelle Orientierung.
Männlicher Leistungsport ist “heterosexuell”
Der Sport, insbesondere der männliche Leistungssport, ist sehr stark dominiert von der Männlichkeit. Es gilt Kraft, Stärke, Dominanz. All diese Zuschreibungen werden häufig in Vorurteilen Schwulen nicht zugeschrieben. Ein Beispiel ist z.B. der Sport Fußball. Hier können sich viele Personen nicht vorstellen, dass es homosexuelle Fußballer gibt bzw. wird diese Möglichkeit negiert. Im Gegenzug fürchten Fußballspieler bei einem Outing das Ende ihrer Karriere. Zu groß sind in dieser Sportart die Vorurteile gegenüber homosexuellen Mitspielern.
Diese traurige Gegebenheit ist mMn auch auf den Leistungsport bei Olympia umzulegen. Homosexualität wird von vielen nachwievor als “unmännlich” ausgelegt. Auch hier fürchten viele Sportler und Sportlerinnen Nachteile für ihre Karriere, wenn sie sich outen würden. Daher ist die geringe Anzahl offen homosexuell l(i)ebender Sportler_innen nicht verwunderlich.
Doch anstatt das Potential der Verständigung und des Abbaus von Vorurteilen durch das erstmals bestehende Pride House zu würdigen, wird in der voruteilsbehaftenden Sichtweise der Kreise rechts der Mitte, lieber gegen Lesben und Schwule und derer Versuche nach Sichtbarkeit gewettert.
Homosexuelle, hat man den Eindruck, wollen sich mit allen Mitteln in den Vordergrund drängen: Wirtschaftsverbände, Sportverbände, Referate an Universitäten und wer weiß, vielleicht kommt auch noch die Schwulen-und-Lesben-Schülervertretung.
Ja, es geht um Sichtbarkeit. Ja, es geht um Toleranz. Ja, es geht um Akeptanz. Ja, es geht darum, dass es egal ist, welche sexuelle Neigung bzw. Identität jemand besitz. All das sind Dinge, für die Lesben und Schwule kämpfen werden – trotz beleidigender, diffamierender und wetternder (wie eben von Unzensuriert.at) Aussagen und/oder Hetzrufe aus rechten/rechtspopulistischen, erzkonservativen oder klerikalen-fundamentalistischen/religiösen Kreisen.
Auch Die Grünen und Marco Schreuder reagierten empört – sie fordern den sofortigen Rücktritt von Martin Graf als 3. Nationalratspräsident und ein Einlenken von ÖVP und SPÖ, um Martin Graf abwählen zu können.
Nachtrag: Aber es gibt auch Werbung für schwule Literatur auf Unzensuriert.at. Wie das geht? Google Ad Sense macht’s möglich. ;-)
Hier ein Screenshot vom 25.2.2010 15:20 Uhr:
(via)
(Bildquelle Titel/Vorchau: Pride House)














Hallo Oliver
Das Thema Homosexualität würde nicht so heiss gegessen werden, als es gekocht wird, wenn militante Vertreter dieser sexuellen Orientierung endlich lernen würden mit Kritik umzugehen.
Nebenbei warte ich noch immer auf die Vermittlung eines homosexuellen Künstler um zu beweisen, dass ich keine Berührungsängste habe und keine Diskriminierung ausübe, obwohl ich Homosexualität evolutionsbedingt als nicht normal ansehe.
MfG
Erich Reder
Hallo Erich,
mit sachlicher Kritik umgehen ist die eine Sache, jedoch eine unsachlicher Diffamierung/Hetze und/oder Verunglimpfung wird immer eine Gegenreaktion und Verurteilung nach sich ziehen. Der angeführte Artikel auf Unzensuriert ist jedenfalls in keinster Weise sachlicher Natur.
Zu deiner Aufforderung:
Nun ja, da muss ich dich enttäuschen. Ich bin kein Künstler_innen-Agent/Manager – weder von homosexuellen noch heterosexuellen Künstler_innen. ;-)
@Oliver:
Vielen Dank für den Artikel, hat mir ganz gut gefallen. Bzgl. dieses Themas will ich folgendes loswerden:
Ich verstehe überhaupt nicht, was irgendwelche Zahlen mit Toleranz u. Akzeptanz von LGBT-Personen zu tun hat. Ständig wird als Argument die wenige Anzahl hergeworfen, das Gleiche auch bei der Eintragung von Partnerschaften…
LG
Ich glaub, ich hab ein Déjà-vu – hats so einen Artikel (über das angeblich völlig unnötige Pridehouse) nicht vor längerer Zeit schonmal irgendwo gegegen? Unsere “Freunde” lassen sich auch nix mehr neues einfallen….
Ps: Mich würd auch immer noch interessieren, wie man “militant homosexuell” sein kann. Seit wann ist es militant, dieselben Rechte wie alle anderen auch haben zu wollen? Sind heterosexuelle dann auch militant, wenn sie beispielsweise heiraten? Wir rekrutieren ja auch keine Neuhomos, das geht ja auch gar nicht, da man sich seine sexuelle Orietierung nunmal nicht aussucht. Wer es noch nicht kapiert hat: Wir sind nicht “für mehr Homos auf der Welt”, sondern wir wollen für uns, die wir nunmal so sind und das weder ändern können noch wollen, gleiche Rechte+Pflichten, weil wir wegen dieses kleinen Unterschiedes im Liebesleben keine großartig anderen Menschen sind. Wir sind also keine “Vertreter einer sexuellen Orientierung”, das klingt mir so nach “homosexueller Ideologie”, die es so nicht gibt. Wir vertreten nur die Ansicht, daß wir gleich gut oder schlecht wie die Heteros auch sind und daher dieselben Möglichkeiten verdienen. Und da man Minderheiten nunmal nur zuhört, wenn sie Radau machen (weil sonst heißts immer, was wollt ihr denn, ihr habt ja eh alles), muß man da eben auch was dafür tun, sich organisieren etc. Und wenn das militant ist, dann weiß ich auch nicht….Aber gut, das sind wahrscheinlich dieselben Leute, die Feminismus für überholt halten und alle Feministinnen für militante Männerhasserinnen….
Es ist an der Zeit, und die Zeit ist längst überfällig, daß eine Kampffront der von Dreckslesben geschädigten Männern sich formiert, um dieses ideologisch aufgeheizte niederträchtige Gesindel mit allen Mitteln zu bekämpfen.
Ich habe Theologie studiert.Ich war stets linksliberal eingestellt. Jetzt nicht mehr.Seitdem eine Prostituierte und Dreckslesbe in demselben Haus, in dem auch ich zusammen mit meiner Frau und sechsjährigem Sohn gewohnt habe, aus meiner Frau eine Lesbe und Prostituierte gemacht hat, hasse ich dieses schmutzige Bewußtsein.Diese Dreckslesben haben eine ganz infame,primitive sexistisch-rassistische Ideologie.
Es ist an der Zeit, daß Männer sich in kleinen,unabhängig voneinander operierenden Kampfbünden zusammenschließen,um dieses Pack zu jagen.Die Vorgehensweise muß sein intelligent,listig und militant.