Heute, am 14.2.2010, wird der (kommerzialisierte) Valentinstag, der Tag der Liebe, gefeiert. Seit 1.1.2010 können Lesben und Schwule ein kleines Stück Gleichstellung erfahren, wenn sie ihre Partner_innenschaft in Österreich rechtlich registrieren lassen können. Die aller erste Eingetragene Partnerschaft wurde am 4.1.2010 in Wien geschlossen. Es folgten einzelne Registrierungen in anderen Bundesländern. Seit Anfang Februar hat sich nun auch das erste homosexuelle Paar im erzkonservativen Vorarlberg “verpartnert”. Wieso dies (noch) eine Meldung wert ist?
Die Antwort ist einfach und gleichzeitig einfach nur traurig: Die ÖVP in Vorarlberg gesteht Lesben und Schwule keine Würde, keine Zeremonie, keine festliche Eintragung zu. Homosexuelle Paare werden auf die Bezirksverwaltungsbehörden, in simple Verwaltungsräumlichkeiten abgeschoben.
Wie ORF ON berichtet, wurde Anfang Februar die erste Eingetragene Partnerschaft im westlichsten Bundesland Österreichs geschlossen. Ein lesbisches Paar hat in der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch ihre Lebenspartnerschaft registrieren lassen. In kürze dürfte es zwei weitere Verpartnerungen in Vorarlberg geben. 2 schwule Paare haben sich in Bregenz für eine Verpartnerung angemeldet.
Verständlicher Wunsch nach Anonymität
Das Anfang Februar verpartnerte lesbische Paar möchte anonym bleiben, wie Brigitte Kahr von der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch gegenüber Radio Vorarlberg berichtete. Dieser Wunsch nach Anonymität kann sehr gut nachvollzogen werden. Ist es gerade in Vorarlberg so, dass die angebliche Volkspartei ihre Realitätsferne in der Vergangenheit mehrfach bewiesen hat.
So meinte Landeshauptmann Sausgruber im Dezember 2009, dass es feierliche Zeremonien von Lesben und Schwulen in Vorarlbergs Bezirkshauptmannschaften “sicher nicht” geben werde. Darüberhinaus sah er eine zu starke Annäherung an die (heterosexuelle) Ehe. Außerdem wurde eine Überforderung der Bezirkshauptmannschaften bei einem Ansturm von Lesben und Schwulen befürchtet. Wie menschenfeindlich und realitätsfern diese Ansicht ist, hat Johannes Rauch in seinem Blog durch die Veröffentlichung einer ihm zugeschickten E-Mail dargelegt – mittels simplen Rechenbeispiel:
-Oesterreich hat 8 mio Einwohner, 0.4mio in Vlbg=5%
-Im Durchschnitt sind 5% der Bevoelkerung homosexuell
-In Oesterreich werden ca. 30000 Ehen im Jahr geschlossen
-Annahme: Bezirk Bludenz hat 80000 Einwohner (20% der Vorarlberger Bevoelkerung)
-Eine standesamtliche Hochzeit dauert ca 30 minuten
Annehmend, dass Homosexuelle im gleichen Verhaeltnis wie heterosexuelle eine Beziehung eingehen, heisst das:
-in Vorarlberg: ca. 5% von 30000 Ehen pro Jahr= 1500 Ehen
-Zusatzlich in Zukunft 5% Partnerschaften von Homosexuellen in Vorarlberg= 5% von 1500 = 75 Akte in den vier BH’s gemeinsam pro Jahr.
-auf BH Bludenz wuerden 20% davon entfallen = 15 Akte pro Jahr, sprich grosso modo 1 Akt pro Monat
(Aequivalent fuer die anderen BH’s, da dort ein groesserer Teil der Bevoelkerung bedient wird, ist die Personalstaerke sicher annaehernd proportional groesser)
-> d.h. wenn die BH Bludenz ein Zusatzvolumen von rund 30 Arbeitsminuten pro Monat nicht mehr abfangen kann, sollten Sie den Bezirkshauptmann wegen Managementunfaehigkeit kuendigen.
ÖVP ist realitätsferne, konservative Verhindererpartei
Es ist daher nicht verwunderlich, dass das nun verpartnerte Paar lieber anonym bleiben will. Droht den beiden Frauen ja – dank ÖVP – bereits durch den Meldezettel in zahlreichen Lebensbereichen ein Zwangsouting – egal ob auf Behörden, beim Arbeitgeber oder bei Unternehmen. Schließlich dürfen verpartnerte Lesben und Schwule keinen Familiennamen haben. Ihnen wird von der ÖVP nur ein Nachname zugestanden. Familie sind Lesben und Schwule ja nicht. Um’s in der Twitter-Sprache zu sagen: #fail #oasch Die ÖVP hat damit erfolgreich erreicht, dass Österreich weiterhin im vorigen Jahrhundert stecken bleibt.
Einen guten Beweis für die Realitätsferne der ÖVP lieferte das Interview im Dezember auf vienna.at, wo Marco Schreuder (Grüne Andersrum) und Heribert Donnerbauer (ÖVP) ihre Sichtweise darlegten.
Und gerade deswegen wünsche ich dem frisch getrauten “Ehepaar” alles Liebe.
Happy Valentine! Share The Love!
(Bildquelle: Flickr – David Jackmanson – CC)













IHR ZITATE:
Seit 1.1.2010 können Lesben und Schwule ein kleines Stück Gleichstellung erfahren,……
….wurde Anfang Februar die erste Eingetragene Partnerschaft im westlichsten Bundesland Österreichs geschlossen.
In kürze dürfte es zwei weitere Verpartnerungen in Vorarlberg geben. 2 schwule Paare haben sich in Bregenz für eine Verpartnerung angemeldet.
ZITATENDE
Na der Run auf die Standesämter dürfte offensichtlich ausgeblieben sein. Wieder einmal haben die Grünen bewiesen, dass sie wieder einmal viel Lärm um NICHTS machten.
Ganz im Gegenteil:
Viel eher ist das EPG so schlecht, dass es sich viele 2x überlegen, ob sie eine PartnerInnenschaft 2. Klasse eingehen.
Darüberhinaus sind die Wintermonate keine klassischen Hochzeitsmonate.
Wäre die Ehe geöffnet worden, gäbe es mit Sicherheit bereits viel mehr verheiratete homosexuelle Paare.
IHR ZITAT:
Wäre die Ehe geöffnet worden, gäbe es mit Sicherheit bereits viel mehr verheiratete homosexuelle Paare.
ZITAENDE:
Ihr Kommentar widerspricht den von Ihnen verfassten Beitrag, in dem Sie das Zwangsouting als negative Komponente anführen.
Ich widerspreche mir nicht. Das jetzige EPG führt am Meldezettel zum Zwangs-Outing, da zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft unterschieden wird. Wäre die Ehe geöffnet, könnte nicht auf die sexuelle Orientierung geschlossen werden.
Sie drehen es sich aber auch, wie Sie es brauchen. Trotzdem noch einen schönen Sonntag.
MfG
Erich Reder
Eher hat es den Eindruck, dass Sie nur das lesen/erkennen möchten, was Ihrer (in Ihrem Blog öfters dargelegten) Meinung zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen entspricht. Daraus leiten Sie Interpretationen ab und deuten meine Sichtweise. Jedoch muss ich Ihnen mitteilen, dass diese Deutungen falsch sind.
Wünsche Ihnen aber natürlich auch einen schönen Sonntag.