705 gleichgeschlechtliche Paare sagten 2010 „Ja, ich will!“

Seit 1. Jänner 2010 haben gleichgeschlechtliche Paare in Österreich die Möglichkeit, eine Eingetragene Partnerschaft zu schließen, und so ihre Beziehung auf eine rechtliche Basis vor dem Gesetzgeber zu stellen. Trotz zahlreicher Ungleichstellungen im Vergleich zur Ehe, die weiterhin nur heterosexuellen PartnerInnen vorbehalten ist, und so mancher Gemeinheit, haben sich im ersten Jahr 705 lesbische und schwule Paare zu dem Schritt entschieden und Ihre PartnerInnenschaft vor der jeweils zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde eintragen lassen, wie die Statistik Austria berichtet. Dabei gibt es große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern nach Anzahl der durchgeführten Verpartnerungen und nach Geschlechtern.

Im Jahr 2010 haben sich also 705 homosexuelle Paare dazu entschieden, ihre Beziehung eintragen zu lassen, nachdem Österreich damit einen ersten Schritt ins „vorige“ Jahrhundert gemacht hatte. Von den insgesamten 705 Paaren sind fast zwei Drittel schwule Beziehungen, nämlich 450 Männer-Paare, und „nur“ 255 Frauen-Paare. Dieser große geschlechterspezifische Unterschied müsste wohl wissenschaftlich erhoben werden. Ein Grund dürfte wohl auch in der feministischen Ablehnung von patriachalischen Gesellschaftsmodellen sein, wie dies der (heterosexuellen) Ehe im Feminismus zugeschrieben wird.

Die eingetragnen PartnerInnen waren zu ca 60 % zwischen 30 und 50 Jahre alt. Bei den Männern waren 13,9 % jünger als 30, bei Frauen waren 23,5 % jünger als 30. Ferner waren 27 % der schwulen Partner über 50. Bei Lesben waren dies dagegen nur 15,9 %.

Die Verteilung der erfolgten Verpartnerungen über das Jahr entspricht ebenfalls der vielfach bekannten saisonalen Schwankung bei Eheschließungen. So war der „Wonnemonat“ Mai auch bei gleichgeschlichtlichen „Eheschließungen“ jener Monat, mit den meisten homosexuellen Verpartnerungen (81), gefolgt vom Monat Juni (77). Ähnlich hohe Verpartnerungszahlen gab es ebenfalls noch im Jänner 2010 – jenem Monat, wo es erstmals die Möglichkeit gab, eine Eingetragene Partnerschaft zu schließen. Dabei wurde die erste Eingetragene Partnerschaft Österreichs gleich am erstmöglichen Arbeitstag, dem 04.01., nach dem Jahreswechsel, am 2. Jänner 2011 in Wien geschlossen.

Bundesländerunterschiede: Fast 50 % aller Verpartnerungen in Wien

Ebenso wie zwischen Lesben und Schwulen gibt es auch große Unterschiede bei der Anzahl der geschlossenen Eingetragenen Partnerschaften zwischen den 9 Bundesländern. So wurden fast 50 % aller Verpartnerungen in der Bundeshauptstadt Wien geschlossen, nämlich 349. Diese große Anzahl ist wohl neben der (subjektiv wahrgenommenen) größeren Akzeptanz und Toleranz von Lesben und Schwulen in Wien, auch auf die größtmögliche Ausnutzung der Möglichkeiten im EPG zurück zu führen. So hat Wien nicht nur die Standesämter für Verpartnerungen geöffnet, sondern bietet auch knapp 40 Traumhochzeit-Locations in Wien Lesben und Schwulen an, um in einem feierlichen Rahmen die – zuvor im Amtshaus unterzeichnete Partnerschaftsurkunde – überreicht zu bekommen.

Nach Wien verzeichneten Niederösterreich (106), Oberösterreich (58) und Tirol (45) quantitativ die meisten Eingetragenen Partnerschaften. Die wenigsten Partnerschaften wurden in Kärnten (17) sowie Vorarlberg und das Burgenland mit je 12 Verpartnerungen verzeichnet.

Weitere Schritte notwendig und längst überfällig

Nun liegen also die Zahlen für 2010 vor. Die Zahl von 705 Verpartnerungen ist sehr zu begrüßen, doch haben sich wohl längst nicht alle gleichgeschlechtlichen Paare, die eine Verpartnerung überlegen, sich „getraut“, denn vieles muss sich noch ändern.

Einerseits bietet die Eingetragene Partnerschaft zwar in vielen  Bereichen eine Gleichstellung mit der Ehe, doch in zahlreichen Bereichen werden Lesben und Schwule weiter massiv diskriminiert. Darunter zählen auch symbolische Ungleichstellungen, wie beispielsweise das Namensrecht, das verpartnerten Lesben und Schwulen einen gemeinsamen Familiennamen verwehrt, obwohl der EuGH die Erkenntnis vorbrachte, dass stabile gleichgeschlechtliche Beziehungen durchaus als Familie bezeichnet werden können.

Doch auch in Hinsicht der gesellschaftlichen Realität muss das EPG dringenst nachgebessert werden. Ignoriert dieses doch „dank“ ÖVP die Realität von Regenbogenfamilien. So dürfen Lesben und Schwule gemeinsam kein(e) Kind(er) adoptieren oder das Kind des/der Partners/in adoptieren. Damit sorgt der Gesetzgeber für massive Rechtsunsicherheit. Auch das Verbot der medizinisch unterstützten Befruchtung von eingetragenen Lesben ist sachlich nicht zu rechtfertigen.

Im Laufe des Jahres 2010 wird sich jedenfalls schon zeigen, ob das EPG der gesellschaftlichen Realität mehr angeglichen werden wird, haben doch beispielsweise die Grünen Intitiativen angekündigt, die (auch) auf die Öffnung der Ehe abzielen. Auch die SoHo und die SPÖ ist aufgerufen, Initiativen im Parlament zu setzen, damit die sachlich nicht gerechtfertigten Ungleichstellungen von Lesben und Schwulen beendet werden können.

Grundlegende Reformen notwendig

Grundsätzlich kann die Diskussion um die Gleichstellung von Lesben und Schwulen nicht darüber hinwegtäuschen, dass gesellschaftspolitisch, vieles reformiert gehört – am besten in einem Gesamtpaket. Der Eingetragenen Partnerschaften müssen die ÖVP-Gemeinheiten gezogen werden, damit diese gesellschaftlichen Realitäten angepasst ist. Die Eingetragene Partnerschaft muss jenen heterosexuellen Paaren zugänglich gemacht werden, die keine Ehe eingehen möchten. Die Ehe muss – neben einer grundlegenden Reformierung des Eherechtes – Lesben und Schwulen zugänglich gemacht werden. Alles andere wäre ein Verharren im vorigen Jahrtausend.

(Bild: Flickr – CarbonNYCCC-BY-2.0)

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5 Comments
  1. Armin says

    Ein Anfang ist gemacht. Es wären mit Sicherheit mehr, wenn es eine 100%ige Angleichung mit der Ehe geben würde. Darauf wird man in Österreich wahrscheinlich noch lange warten müssen. Hier ist man immer hinten nach.

  2. […] und sind eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen. Ähnlich zu den Zahlen aus dem Jahr 2010 (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und den aktuellen Zahlen aus Kärnten und der Steiermark ist auch in Wien eine deutliche Mehrheit […]

  3. […] konnten, schlossen noch insgesamt 705 gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Partnerschaft (thinkoutsideyourbox.net berichtete). 2011 wurde ein deutlicher Rückgang von 38,6 % […]

  4. […] der zahlreichen Bosheiten, die auf das Konto der ÖVP gehen, haben 705 gleichgeschlechtliche Paare im ersten Jahr seit der Einführung mit Jahresbeginn 2010 Ja zueinander gesagt und somit […]

  5. […] konnten, schlossen noch insgesamt 705 gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Partnerschaft (thinkoutsideyourbox.net berichtete). 2011 wurde ein deutlicher Rückgang von 38,6 % verzeichnet. 2011 wurden noch 433 Eingetragene […]

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