202 Eingetragene Partnerschaften im 1. Halbjahr 2011 – Rückgang um über 50% zeigt dringende Reformnotwendigkeit!

Im ersten Halbjahr 2011 haben in Österreich insgesamt 202 gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Partnerschaft begründet, wie heute die Statistik Austria bekannt gab.  Damit wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 um über 50 % weniger gleichgeschlichtliche PartnerInnenschaften registriert als im ersten Halbjahr 2010.  Die regionale Verteilung ist ebenso bemerkenswert.  So wurden in der Bundeshauptstadt Wien über 50 % aller Eingetragenen Partnerschaften im ersten Halbjahr 2011 registriert. Die Entwicklung zeigt,  dass viele Lesben und Schwule von der Politik verlangen, dass  sie echte Gleichstellung verlangen und sich nicht mit einer „Ehe light“ abspeisen lassen wollen.

Waren es in den ersten sechs Monaten nach der Einführung der Eingetragenen Partnerschaft für Lesben und Schwule per 1. Jänner 2010 noch 429 Paare, die eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen sind,  ist die Zahl der „Verpartnerungen“ im gleichen Zeitraum ein Jahr später um 52,9 % zurückgegangen. Insgesamt haben 202 Paare „Ja“ gesagt. Wie bereits im Jahr 2010 haben auch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 mehr homosexuelle Männer als Frauen eine Eingetragene Partnerschaft registrieren lassen. So entfallen 59,4 % aller neu eingetragenen Partnerschaften auf männliche Paare.

Doch gibt es auch hier regionale Unterschiede. So sind beispielsweise in den Bundesländern Salzburg, Niederösterreich, Kärnten und Oberösterreich mehr weibliche als männliche Paare verzeichnet worden, die den Gang zum Magistrat (oder Standesamt) gemacht haben. In Tirol, wo insgesamt nur 6 Eingetragene Partnerschaften in den ersten sechs Monaten eingegangen wurden, ist das Verhältnis exakt 50 %.

Wien bei „Verpartnerungen“ führend

Die Anzahl der Eingetragenen Partnerschaft variiert sehr nach der jeweiligen Region. So zeichnet die Bundeshauptstadt Wien für mehr als die Hälfte aller Eingetragenen Partnerschaften im ersten Halbjahr 2011 verantwortlich (54 %). In absoluten Zahlen wurden in Wien 109 Eingetragene Partnerschaften registriert. Doch auch dies bedeutet einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von beinahe 50 % (49,3). Die „zweitmeisten“ Eingetragenen Partnerschaften wurden im flächenmäßig größten Bundesland Niederösterreich mit 13,9 %, (minus 58,2 %) gefolt von Oberösterreich mit 9,9 % (minus 41,2 %) geschlosssen.

Die wenigsten Eingetragenen Partnerschaften im ersten Halbjahr 2011 wurden im westlichsten Bundesland Vorarlberg mit nur einer, sowie im östlichsten Bundesland, Burgenland, mit zwei „Verpartnerungen“ geschlossen.

Dringende Reformierung notwendig

Die Zahlen belegen, dass grundsätzlich Lesben und Schwule in ihren Lebensrealitäten und Lebensentwürfen den Wunsch nach Partnerschaft haben und auch bereit sind, rechtlich ihre Partnerschaft eintragen zu lassen. Die desaströse Ausgestaltung der Eingetragenen Partnerschaft, welche zahlreiche Ungleich- und teilweise massive Schlechterstellungen als die heterosexuelle Ehe aufweist, ist wohl ein Grund, wieso deutlich weniger Lesben und Schwule eine Eingetragene Partnerschaft geschlossen haben. Gerade lesbische Frauen erfahren nach Schließung einer Eingetragenen Partnerschaft zahlreiche Verbote, wie beispielsweise das Verbot der medizinisch unterstützten Fortpflanzung.

Der Gesetzgeber ist dringend aufgerufen, das gesamten Personenstandswesen von Grund auf zu reformieren. Solange es ein eigenen Rechtsinstitut mit abweichenden Rechten für eine Bevölkerungsgruppe gibt, kann nicht von Gleichstellung gesprochen werden. Gleiche Rechte sehen anders aus.

(Foto: © thinkoutsideyourbox.net – CC-BY-NC-ND-3.0)
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